Interview mit Rainer Kurtz von Ersa »Wir glauben an den deutschen Maschinenbau«

Rainer Kurtz, Ersa: »Wir haben in Deutschland eine fantastische Infrastruktur als Maschinenbauer, und wir haben die Einzigartigkeit des Berufsstandes der Facharbeiter. Das zu knacken, wird für andere Europäer schwer.«
Rainer Kurtz, Ersa: »Wir haben in Deutschland eine fantastische Infrastruktur als Maschinenbauer, und wir haben die Einzigartigkeit des Berufsstandes der Facharbeiter. Das zu knacken, wird für andere Europäer schwer.«

Wer technisch die Nase vorne hat, braucht auch die Konkurrenz aus Asien nicht zu fürchten, so das Credo von Rainer Kurtz, Geschäftsführer von Ersa und Vorsitzender der Geschäftsführung der Kurtz Gruppe. Kritisch sieht er aber das hohe Kostenniveau in Deutschland und den Fachkräftemangel.

Markt&Technik: Als Europas größter Lötanlagen-Hersteller: Fürchten Sie die Konkurrenz aus Asien? Aus Korea drängen ja wohl mehr und mehr Hersteller auch auf den europäischen Markt.

Rainer Kurtz: Ja - wir nehmen die Konkurrenz sehr ernst, ich sehe sie aber für uns weniger in Korea. China ist jedoch ein ernst zu nehmender Markt. Hier haben wir Wettbewerber, die werden immer besser, aber sie haben unseren Technikstand noch nicht erreicht. Teilweise sind sie sehr gut in Nischenbereichen. Dort sind sie Spezialisten, haben aber eine andere Herangehensweise als wir.

Auf der productronica zeigten Sie sich für das eigene Unternehmen zuversichtlich, was die wirtschaftliche Entwicklung anbelangt?

Ersa hat sich gut entwickelt. Wir haben zweistellige Umsatz- und Auftragseingangszuwächse. Wir sehen auch keinen Abbruch dieser Entwicklung und wollen in diesem Jahr zweistellig wachsen.

Die gute Auftragslage verdankt Ersa vor allem dem regen Fertigungsmarkt »China«, so Ihre Aussage in unserem letzten Interview von vor etwa zwei Jahren. Ist China weiterhin der stärkste Wachstumsmarkt für Ersa?

Auf jeden Fall der stärkste Markt. Es gibt aber auch kleinere Märkte, die stärker wachsen, wie etwa Vietnam, Mexiko und die USA. Auch Indien zieht für uns an, weil große Player in Indien investieren. Abgesehen davon: Wir werden in China auch künftig wachsen.

Sie haben die USA erwähnt, lange Zeit global betrachtet das »wirtschaftliche Sorgenkind«. Wie sieht die Entwicklung dort aus?

Sehr gut! USA war weit überdurchschnittlich für uns in 2013.

Und Deutschland bzw. Europa?

Deutschland war eher schwach. Die EU ist gewachsen, aber unterdurchschnittlich.

Führen Sie das auf die Eurokrise zurück?

Nicht unbedingt. In Deutschland ist eine gewisse Sättigung zu spüren und eine abwartende Haltung. Das Geschäft lief etwas verhalten.

Der deutsche Maschinenbau ist weltweit nach wie vor führend – aber wird er es bleiben?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir über den Tellerrand von Ersa hinausblicken: Wir sind ja in der Kurtz-Gruppe auch Zulieferer für den Maschinenbau. In diesem Bereich investieren wir kräftig und glauben an den deutschen Maschinenbau. Wir haben in Deutschland eine fantastische Infrastruktur als Maschinenbauer, und wir haben die Einzigartigkeit des Berufsstandes der Facharbeiter. Das zu knacken, wird für andere Europäer schwer.

China ist der größte Maschinenbauer der Welt. Das wurden sie in einer Zeit, als der deutsche Maschinenbau sich parallel ebenfalls gut entwickelt hat. Die Marktentwicklung zeigt also, dass das oberste Segment, aber auch der untere Bereich und die Mitte, gemeinsam wachsen können. Die Herausforderung wird sein, dass die Mitte nach wie vor umkämpft bleiben muss. Diesen Kampf dürfen wir als deutsche Maschinenbauer nicht verlieren, sonst verlieren wir zu viel Volumen!

Auf der productronica war Ersas Motto »blue competence«. Was verbirgt sich hinter dieser Kampagne?

Das ist eine VDMA-Kampagne, die dem deutschen Maschinenbau eine gemeinsame Plattform geben soll, wo er deutlich machen kann, wie engagiert er zum Thema Nachhaltigkeit ist. Hier kann der Maschinenbau seine Aktivitäten zum Thema »Energieeffizienz« in die Öffentlichkeit tragen, die ansonsten nur »im Verborgenen« laufen.

Mit einer Prozesslänge von mehr als 5 Metern, aufgeteilt auf 26 Heiz- und 4 Kühlzonen, ist die neue »Ersa Hotflow 4/26« das Flaggschiff der neuesten Ersa-Reflowanlagen-Generation – auch in punkto Energieeffizienz?

Auf alle Fälle! Die neuartige, intelligente Stickstoffregelung reduziert den Verbrauch des Mediums um 20% und sorgt in Verbindung mit den effizienten Lüfter-Motoren für eine Gesamt-Energieeinsparung von mehr als 25%. Schon die kleinste Anlage aus dieser Baureihe, die neue »HOTFLOW 4/08«, verfügt über diese betriebskostenreduzierende Technologie. Sie ist ebenfalls mit multiplen Kettentransportsystemen, Pyrolyseabluftreinigung und unterschiedlichen Kühlsysteme erhältlich.

Ist Energieeffizienz künftig eines der Schlüsselargumente für eine Lötanlage?

Die Energieeffizienz wird von ihrem Stellenwert her wichtiger werden, weil Energie teurer wird. Aber ob das jemals den ganz hohen Stellenwert bekommen wird, bezweifle ich. Denn das Risiko bei der Beschaffung einer solchen Anlage liegt darin, dass die Produktion nicht in dem qualitativen Rahmen liegt, der gefordert und erwartet wird. Unsere Anlagen müssen leistungsstark sein sowohl vom Output her als auch von der Qualität. Das wir auch so bleiben. Aber: Wir können beides und haben Leistungsstärke mit Energieeffizienz verbunden.

Wie hoch sind Ihre Investitionen in F&E?

Wir investieren mehr als 5% unseres Umsatzes. Mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen. Wir veröffentlichen als Privatunternehmen keine Umsatzzahlen.

Wo liegen Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen für einen Maschinenbauer wie Ersa in den nächsten zehn Jahren?

Wir haben ein sehr hohes Kostenniveau, und das wird nicht niedriger werden, im Gegenteil. Auch mit dem Fachkräftemangel werden wir uns auseinandersetzen müssen. Eine der größten Herausforderungen jedoch sehe ich in der globalen Konkurrenz.

Und technisch gesehen?

Aus der technischen Perspektive ist an vorderster Stelle die Miniaturisierung zu nennen.

Sie meinen damit auch die 03015–Fähigkeit?

Löten ist hier weniger das Problem. Schwierig wird es allerdings beim Rework. Aber auch da sind wir immer vorne mit dabei, wenn es neue Bauelemente gibt. Die ganz neuen 03015-Bauteile können wir im Moment noch nicht im Rework, aber wir arbeiten daran. Dieser laufende Prozess, sich immer wieder an Neues anpassen zu müssen, ist sicher eine der größten Herausforderungen für die Zukunft.

Sie sagten in unserem letzten Interview, es komme nicht nur darauf an, für unterschiedliche Anforderungen die passende Maschine anzubieten, sondern die Fertigungsprozesse der Kunden insgesamt zu optimieren. Welche Konzepte bieten Sie an, um dem Fertiger dabei zu helfen?

Das »One Size fits all«-Konzept gibt es hier nicht. Ein Großteil der Anlagen muss kundenspezifisch angepasst werden. Die Kunst für uns als Hersteller liegt darin, dass man modulare Systeme hat, die man kundenspezifisch an die Anforderungen adaptieren kann. Die Anforderungen sind vielseitig: vom automatisierten Rework über das Implementieren in eine Fertigungszelle bis hin zu Linienkonzepten.

Im SMT-Maschinenmarkt zeichnet sich eine Konsolidierungswelle ab: Juki hat Sony übernommen und nebenbei einige Vertriebs-Partnerschaften geschlossen, auch mit asiatischen Lötanlagenherstellern. Jetzt will ASMPT nach Siplace auch DEK übernehmen. Geht der Trend hin zum SMT-Komplettanbieter?

Im Grunde ist das nichts Neues. Wir hatten so eine Entwicklung in der Branche schon einmal vor etwa 20 Jahren. Damals haben sich große Kooperationen herausgebildet – eine Art »Star Alliance im SMT-Bereich«. Letztlich hat sich das alles wieder aufgelöst. Die aktuellen Vorgänge erwecken den Eindruck, es könne eine Rennaissance solcher Allianzen geben, aber einen fundamentalen Sinn kann ich darin nicht sehen. Ich glaube auch nicht, dass der Markt bzw. der Kunde das in der großen Breite fordert. Es gibt sicher Fälle, in denen Partnerschaften sinnvoll sind, aber der Markt insgesamt ist dafür zu spezifisch.