Traceability in der Elektronikfertigung

Torsten Schulz, Leiter Produktmanagement beim Traceability-Spezialisten IBS AG, im Interview über das Prinzip der Rückverfolgbarkeit im Produktionsprozess, den Stellenwert für die Elektronikindustrie und RFID als Identifikationsmedium der Zukunft.

Herr Schulz, Ihr Unternehmen entwickelt Traceability-Software. Was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Schlagwort »Traceability«?

Torsten Schulz: Traceability beschreibt die Aufnahme von Produkt- und Prozessdaten bei der Herstellung eines Produkts, um im Falle von Problemen an z.B. einer Baugruppe gezielt auf weitere betroffene Baugruppen schließen zu können. Im Falle der Bestückung einer Leiterplatte heißt das, dass alle Bauteile zusammen mit der Leiterplatte vor der Bestückung identifiziert werden und ihre Daten in das Traceability-System aufgenommen werden.

Über sogenannte »Trace points« identifiziert das System weitere Bauteile und Produktionsdaten im Produktionsverlauf und ordnet diese der Leiterplatte über den Produktionsprozess zu. Der Hersteller ist so in der Lage, bei einem beliebigen Endprodukt im Nachhinein exakt zu bestimmen, welche Bauteile aus welcher Charge wann und wo zu diesem Endprodukt verbaut wurden.

Bezogen auf die Elektronikindustrie, bei welchen Fertigungsschritten eines elektronischen Geräts oder einer Leiterplatte kann ein Traceability-System für den Hersteller nützlich sein?

Ein Traceability-System ist für den Hersteller über den gesamten Herstellungsprozess hinweg nicht nur ein nützliches, sondern ein notwendiges Werkzeug, um alle Produktionsschritte exakt zu dokumentieren. Das beginnt beim Wareneingang, wenn der Hersteller die einzelnen Chargen der angelieferten Bauteile in das System aufnimmt. Wenn nun der Hersteller nach dem Bestücken feststellt, dass eine Bauteilcharge fehlerhaft war, wird er ohne Traceability-System die mit den fehlerhaften Bauelementen bestückten Platinen nicht identifizieren können. Mit einem Traceability-System kann der Hersteller gezielt die fehlerhaften Platinen aus dem Verkehr ziehen, da die Rückverfolgbarkeit über den gesamten Produktionsprozess bis hin zum Lieferschein abgebildet ist.

Wie wichtig ist diese Nachverfolgbarkeit für den Hersteller?

Der Hersteller muss sich immer die Frage stellen, wie viel Traceability er sich leisten muss. Je nach dem, für welche Einsatzgebiete er Produkte oder Komponenten fertigt, sind die Anforderungen an Nachverfolgbarkeit differenziert zu bewerten und durchaus auch oft vom Kunden gefordert. In der Medizintechnik z. B. ist Traceability beim Herstellungsprozess durch Normen wie der EN ISO 14971:2007 vorgeschrieben. Auch im Automobilbereich spielt Traceability schon seit Jahren eine wichtige Rolle. Der Verband der Automobilindustrie hat dazu eine Empfehlung herausgegeben, die VDA 5005.

Bezogen auf die Elektronikindustrie hat der ZVEI einen Leitfaden zum Thema Traceability in der Elektronikfertigung herausgegeben. Darüber hinaus gibt es auch das Produkthaftungsgesetz, das die Hersteller dazu anhält, die Korrektheit der Produkte in der Produktion nachzuweisen und somit letztendlich die Traceability gesetzlich fordert.