Grundpfeiler einer vorausschauenden Produktstrategie Strategisches Obsoleszenz-Management

Strategisches Management verlängert die Lebenszyklen der Produkte und Investitionsgüter.
Strategisches Management verlängert die Lebenszyklen der Produkte und Investitionsgüter.

Ein strategisches Obsoleszenz-Management dient, als Teil des Risikomanagements, der Verlängerung der Lebenszyklen der eigenen Produkte und Investitionsgüter. Dies ist unerlässlich, um trotz Abkündigungen die Langzeitverfügbarkeit elektronischer Komponenten mit der geforderten Qualität sicherzustellen.

Beim strategischen Obsoleszenz- Management gilt es, ein Bewusstsein für das wachsende Obsoleszenz-Problem zu schaffen und Obsoleszenz- Risiken frühzeitig zu erkennen, um die entstehende Versorgungslücke durch proaktive Lösungsansätze schließen und den Handlungsbedarf planen zu können. Dieses Vorgehen bietet diverse Kosteneinsparungspotenziale, denn durch ungeplante Obsoleszenz-Beseitigung sind die Handlungsoptionen beschränkt und können immense Kosten verursachen (z.B. Redesign).

Zur Vermeidung dieser (unnötigen) Kosten und zur Optimierung langfristiger Verfügbarkeit hat die HTV-Firmengruppe mit dem HTV-TAB-Verfahren (thermisch-absorptive Begasung, Bild 1) eine Möglichkeit zur vorausschauenden Obsoleszenz-Strategie entwickelt.

Elektronische Bauteile und Baugruppen können durch Reduzierung der entscheidenden physikalisch-chemischen Alterungsprozesse, die bei herkömmlicher Lagerung bereits nach ein bis zwei Jahren die Verarbeitbarkeit und auch die Funktionsfähigkeit der elektronischen Komponenten gefährden, bis zu 50 Jahre und mehr eingelagert werden.

Die Qualität, Verarbeitbarkeit und Funktionssicherheit der elektronischen Komponenten ist so für mehrere Jahrzehnte sichergestellt. Die Lagerung in Hochsicherheitsgebäuden, die sich durch massiven Stahlbetonbau, besondere brandverhindernde Atmosphäre und aufwändige Alarm- und Kamera-Überwachungssysteme auszeichnen, stellt neben optimierten Lagerungsbedingungen auch den Schutz vor Diebstahl und Naturkata-strophen sicher.

LCDs profitieren von der Langzeitkonservierung

Die TAB-Langzeitkonservierung ist insbesondere auch für Displays, einem der wohl am stärksten wachsendenden Märkte, von essenzieller Bedeutung. Denn bei vielen Display-Bestandteilen, wie z.B. den unterschiedlichen Polarisatorfolien, ist die konventionelle Lagerung als sehr kritisch zu beurteilen (Bild 2). Generell gibt es wenig Angaben der Hersteller bezüglich Langzeitlagerung oder Alterung, jedoch lassen Hinweise aus Datenblättern auf eine maximale Lagerungsdauer von ein bis zwei Jahren schließen. Die Displays sollten dunkel bei einer Temperatur zwischen 0 und 35 °C und geringer relativer Luftfeuchtigkeit gelagert und nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt werden (Bild 3).

Eine Lagerung bei erhöhten Temperaturen (+60 oder +80 °C) führt zu einer Verringerung des Kontrastes, wogegen die Lagerung bei tieferen Temperaturen tendenziell zu einer marginalen Erhöhung des Kontrastes führt. Weitere Alterungsprozesse sind u.a. auch die temperaturbedingte Degradation der Verklebung und der Kunststoffkomponenten, die Degradation der OLEDs, die Veränderung der LC-Gemische, was zu einer Änderung der Beweglichkeit der LC und somit zu einer Änderung der Reaktionszeit und des Kontrastes führt, oder die durch Kondensation verursachte Korrosion an den Elektronikbauteilen und Kunststoffkomponenten (Polarisator-folien, Kleb- und Dichtungsmaterialien). Ziel einer Langzeitlagerung ist es, potenzielle Veränderungen zu verhindern bzw. zu minimieren.

Im Rahmen der HTV-TAB-Langzeitkonservierung werden auch Displays charakterisiert, detailliert analysiert und deren Alterungsprozesse durch die speziellen Lagerungsbedingungen gestoppt. Nach der Dokumentation des Ausgangszustandes und ggf. dem Aussortieren beschädigter oder defekter Ware (z. B. Topografie, Mikroskopie, Dichtungen, Kontrastmessungen) erfolgt die Einlagerung in Klimakammern bei definierten Temperaturzyklen und Feuchtegehalt (Feuchteabsorber). Schutzgascocktail und Schadstoffabsorber sowie zyklische Analytik und Inbetriebnahme runden die Langzeitkonservierung ab und stellen die Funktion und Verarbeitbarkeit der Displays für viele Jahre sicher.

Langzeitqualität ohne eingebautes Lebensende

Über das Themenfeld des strategischen Obsoleszenz-Managements hinaus beschäftigt sich HTV auch mit dem Thema der geplanten Obsoleszenz, also dem bewussten Einbau lebensdauerbegrenzender Sollbruchstellen. Das eigens entwickelte HTV-Life-Prüfzeichen (Bild 4) für den Umwelt- und Verbraucherschutz zeichnet Produkte aus, für die noch keine Obsoleszenz gelant ist. Hierbei werden zu überprüfende Produkte akribisch analysiert und geprüft auf mögliche geplante lebensdauerbegrenzende Sollbruchstellen wie unterdimensionierte oder bewusst neben Hitzequellen platzierte Kondensatoren, schwache Widerstände oder nicht austauschbare, fest eingebaute Akkus, die z.B. bereits nach 500 Ladezyklen (d.h. nach ca. zwei Jahren) defekt sind. Werden keine lebensdauerbegrenzenden Sollbruchstellen festgestellt, so erhält dieses Produkt das HTV-Life-Prüfzeichen.

Bei HTV steht hierfür die fast30-jährige, umfassende technologische Kompetenz und das jahrzehntelange Know-how bei der Durchführung von Lebensdauerprüfungen, Alterungsuntersuchungen, Fehlerursachenanalysen sowie elektrischen und mechanischen Tests zur Verfügung.

Nach Unterlagen von Holger Krumme, HTV GmbH