Businesspotenziale von Big Data und Echtzeit-Datenanalyse: »Wenn nicht jetzt, wann dann?«

Big Data verändert den Geschäftsalltag künftig für zahlreiche Branchen. Wenn es gelingt, Daten sinnvoll zu verknüpfen und auszuwerten, lassen sich wertvolle Erkenntnisse ableiten. Unternehmer sollten keine Zeit verlieren, rät Thomas Widmann, Geschäftsführer von WidasConcepts.

Blick in die Zukunft mit Big Data:  Thomas Widmann, Gründer und Geschäftsführer des IT-Beratungsunternehmens  WidasConcepts fordert ein Umdenken. Bildquelle: © WidasConcepts
Blick in die Zukunft mit Big Data: Thomas Widmann, Gründer und Geschäftsführer des IT-Beratungsunternehmens WidasConcepts fordert ein Umdenken.

Markt&Technik: Big Data ist als Technologie der Zukunft in aller Munde. Daten werden aber schon seit längerem gesammelt. Wo liegt der Unterschied?

Thomas Widmann: Der wesentliche Unterschied liegt darin, nicht nur Daten zu sammeln, sondern sie auch zeitnah auszuwerten und in die operativen Prozesse zurückzuspielen. Auf diese Weise wird ein Mehrwert für Geschäftsprozesse in Echtzeit generiert: Aus den Daten lassen sich wertvolle Handlungsempfehlungen ableiten, aber auch Anomalien im Falle eines Betrugs oder Fehlers erkennen.

Seit wann ist Big Data für Sie persönlich ein Thema?

Als Diplom-Informatiker und Geschäftsführer des IT-Consulting-Unternehmens WidasConcepts bewege ich mich immer da, wo neue Technologien, neue Konzepte und Softwarearchitekturen diskutiert werden und mache sie für unsere Kunden nutzbar. Wir beschäftigen uns seit 2008 mit Big Data: Weil immer mehr Daten anfallen, haben wir uns mit neuen Datenbanken und neuen Ablageformaten auseinandergesetzt und uns letztendlich eingestanden, dass Big Data die Spielregeln des Geschäfts unserer Kunden komplett auf den Kopf stellt. Big Data ist für uns das unumgängliche Konzept, um in das postmoderne Business einzusteigen. Wir beraten unsere Kunden objektiv, in welchen Anwendungsfällen Big Data Sinn macht, und konzipieren zukunftsorientierte Softwarelösungen mit modernsten Technologien. Wenn der Kunde es wünscht, können wir diese auch betreiben. Bei WidasConcepts bekommt der Kunde alles aus einer Hand.

Welches Plus bietet Big Data dem Unternehmen?

Im Grunde geht es darum, einen Nutzen aus den Daten zu ziehen. Durch die schiere Menge an Informationen von wiederholbaren und vergleichbaren Situationen lassen sich evidenzbasiert Entscheidungen und Empfehlungen ableiten, die den Benutzern helfen. Damit können Prozesse effizienter gestaltet werden. Der Vertrieb lässt sich verbessern, das Risiko kann minimiert und schließlich die Kundenzufriedenheit gesteigert werden.

Was ist nötig, um aus gesammelten Daten sinnvolle Analysen zu ziehen?

Es bedarf eines konkreten Plans, welches Wissen aus den Daten gewonnen werden soll. Ein gutes analytisches Denkvermögen und ein sicherer Umgang mit mathematischen und statistischen Verfahren sind elementar. Wirklich wichtig ist auch die Erfahrung aus dem Unternehmen – egal ob Automotive, Industrie, E-Commerce oder Finance –, um überhaupt sinnvolle Analysen machen zu können.

 

WidasConcepts Bildquelle: © WidasConcepts
WidasConcepts
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Welche Anforderungen stellt Big Data an Unternehmen?

Es gilt, keine Zeit zu verlieren – Big Data revolutioniert die Datenverarbeitung und ändert das Geschäft für allen Branchen. Es ist an der Zeit, innovative Gedanken zu entwickeln, um das eigene Geschäft voranzubringen. Reines Datensammeln macht wenig Sinn, wenn ein Unternehmen nicht weiß, wie es die Daten nutzen möchte. Zunächst einmal müssen daher ein bis zwei Use-Cases identifiziert werden. Sie sollen zeigen, wie das Geschäft durch das aus den Daten gewonnene Wissen verbessert werden kann und wie diese Erkenntnisse letztendlich in die Geschäftsabläufe integriert werden. In der Regel sollte man nur Daten sammeln, die auch unmittelbar verarbeitet werden können. Das leitet sich ein Stück weit aus der Unternehmensstrategie ab, aber auch aus aktuellen Vorkommnissen.

Was sind die Innovationsthemen bei Big Data?

Big Data betrifft alle Branchen, woraus sich viele branchenspezifische Innovationsthemen ableiten. Im Gesundheitswesen geht es zum Beispiel um die Frage, wie Epidemien oder Krankheiten im Vorfeld identifiziert werden können und präventiv gegen sie vorgegangen werden kann. Ganz allgemein geht es darum, die Kundenzufriedenheit und Kundenbindung auf ein neues Level zu heben. Mit Internet-of-Things-Technologien sind viele Produkte in der Lage, mit dem Unternehmen direkt zu kommunizieren. Das ist extrem nützlich, weil der Kunde nicht selber kommunizieren muss, der Lieferant aber trotzdem weiß, wie beispielsweise die Kaffeemaschine genutzt wird, und den Kunden mit passgenauen Services ansprechen kann.

Welchen Herausforderungen stehen Sie derzeit gegenüber?

Eine Herausforderung liegt häufig in der fehlenden Agilität großer Unternehmen. Wir erleben teilweise sehr starre Strukturen, die es erschweren, die neuen Ansätze der Informationsverarbeitung in den notwendigen IT-Bereichen, aber auch in Fachabteilungen zu verankern.  Oft taucht auch die Frage nach der Eigentümerschaft der Daten und den Konsequenzen bei der Bereitstellung der Daten auf. 

Mit dem Thema Datenschutz muss offen umgegangen werden. Unternehmen sollten ihren Kunden oder Mitarbeitern sagen, welche Art von Informationen sie zu welchem Zweck verarbeiten. Typischerweise interessieren die Daten der Einzelperson wenig. Die Erkenntnis aus der Datenmasse hingegen generiert einen Mehrwert, von dem letztendlich alle profitieren. Hier muss ein Umdenken stattfinden.

Welche Potenziale sehen Sie für die Zukunft?

Die Digitalisierung schreitet voran. Einerseits haben wir mit dem Internet of Things immer mehr Endgeräte, die Informationen aufzeichnen – Kleinstcomputer in intelligenten Gegenständen wie Wearables, Transportmittel und Produktionsmaschinen. Andererseits werden Informationen zunehmend elektronisch übermittelt – privat, aber auch in Unternehmen. So erhalten wir mehr Informationen in immer kürzeren Zeitspannen. Das ist beispielsweise praktisch beim Finanzierungsprozess für eine Immobilie. Waren früher mehrwöchige Wartezeiten auf einen Bescheid normal, wird man heute bereits nervös, wenn die Antwort nach zwei Tagen noch nicht eingetroffen ist.

Worauf legen Entscheider bei Big-Data-Projekten Ihrer Erfahrung nach besonderen Wert?

Für IT-Entscheider, die das Thema Big Data aufnehmen, ist es schwierig, im Anbieter-Dschungel das IT-Unternehmen zu finden, das ihnen die passende Lösung bereitstellen kann. Viele Dienstleister behaupten, sie »können« Big Data, aber nur ein Teil hat auf diesem Bereich nachweislich Erfahrung. Verhaltenssicherheit bei der Auswahl der Use-Cases, beim Projekt-set-up und bei den eingesetzten Technologien und die effiziente Umsetzung sind neben nachweisbaren Ergebnissen wichtige Kriterien für IT-Entscheider.

Wie läuft der Prozess ab, wenn ein Unternehmen das Potenzial von Big Data ausschöpfen möchte?

In der Regel identifizieren wir gemeinsam mit unserem Kunden die Use-Cases. In Workshops erarbeiten wir erste Lösungsskizzen für deren Umsetzung und planen Aufwand und Zeit für das Projekt. In enger Zusammenarbeit konzipieren wir die Lösung und bringen das Big-Data-Ökosystem an den Start.