Auf dem Weg zur smarten Fabrik: »Industrie 4.0 wird ohne MES-Systeme nicht funktionieren«

Ohne MES keine Industrie 4.0 – die These klingt auf den ersten Blick provokant, hat aber auf den zweiten Blick ihre Berechtigung. Ohne ein System, das die Produktion und den Ablauf exakt dokumentiert und als Drehscheibe die Daten in einer globalen Supply Chain zur Verfügung stellt, wird eine vernetzte, smarte Produktion nicht möglich sein.

Peter Erhard, ifm datalink: »Industrie 4.0 schärft das Bewusstsein der Anwender, dass die Anwendung der IT in der Produktion Ihre Wirkung noch lange nicht voll entfaltet hat. Dieses Bewusstsein schafft auch mehr Akzeptanz allgemein für IT in der Fertigung.«

»Die Entwicklung in Richtung Industrie 4.0 ist auch in der Elektronikfertigung nicht mehr aufzuhalten. Die Umsetzung des ’Internet der Dinge’ über die komplette weltumspannende Wertschöpfungskette hinweg ist dabei eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit«, unterstreicht Dieter Meuser, CTO von itac. Er ist davon überzeugt, dass der Einsatz von Manufacturing-Execution-Systemen mit einer vertikalen und auch horizontalen Integration zunehmen wird. Rainer Deisenroth, Geschäftsführer von MPDV geht sogar noch einen Schritt weiter: „Industrie 4.0 wird ohne MES-Systeme nicht funktionieren“, ist er überzeugt. Beim aktuellen Stand der Standardisierung von Schnittstellen und Kommunikationsprotokollen kann seiner Ansicht nach eine dezentrale Steuerung nur funktionieren, wenn ein flexibles MES-System als Datendrehscheibe fungiert.

Eines ist jedenfalls klar: Die Anforderungen der Kunden werden sich zwangsläufig verändern – denn Globalisierung und Marktdynamik bedürfen werksübergreifender Lösungen. »Wir befinden uns hier derzeit in einem Paradigmenwechsel und einem damit einhergehenden Entwicklungsprozess, der die Industrielandschaft maßgeblich beeinflusst. Wer als MES-Anbieter die Anforderungen der Industrie 4.0 rechtzeitig auf sein Produkt adaptiert, wird das Marktpotenzial, das automatisch entstehen wird, ausschöpfen können«, so Meuser.

itac und die weiteren von Markt&Technik befragten MES-Hersteller MPDV, ifm Datalink und Aegis sehen sich jedenfalls für die Herausforderungen der smarten Fabrik gut gerüstet. Dabei ist MES nicht gleich MES, denn die Wege, die die MES-Hersteller auf dem Weg in Richtung Industrie 4.0 gehen, sind unterschiedlich. »Verteilte Intelligenz, kleinere autarke Softwaremodule, das war vom Anfang an das Paradigma, das wir für die Entwicklung unseres Linerecorder angewendet haben«, schildert Peter Erhard, Geschäftsführer von ifm datalink. Die Zuordnung von Cyber Physical Systems, die einer der Kernsätze von Industries 4.0 darstellen, bildet ifm datalink mit den webfähigen Linerecorder-Agenten ab. Die Agenten sind Produkten, Maschine oder Prozessen zugeordnet. »Weil wir hier also schon Industrie-4.0-Konzepte einsetzen, versprechen wir uns bei Industrie-4.0-Themen deutliche Marktanteile«, unterstreicht Erhard.

Auch das MPDV-MES »Hydra« deckt nach Auskunft von Deisenroth bereits viele Forderungen von MES 4.0 ab. Mit den mobilen MES-Anwendungen »Smart MES Applications« bietet MPDV einen weiteren Baustein in Richtung Industrie 4.0. »Das Interesse an den MES-Apps für SmartPhones und Tablet-PCs ist bereits groß – insbesondere auf Management-Ebene«, so Deisenroth. »Mit unserem Zukunftskonzept MES 4.0 beleuchten wir wichtige Themenfelder von Industrie 4.0 und bieten Lösungsansätze, wie ein MES-System diesen Anforderungen begegnen kann. Wir sind überzeugt davon, dass MES-Systeme durch Industrie 4.0 noch weiter an Bedeutung gewinnen werden, und sehen entsprechend gelassen auf ein sich positiv entwickelndes Marktpotenzial.«
Ein ganz neues Feature für die Smart Factory stellt itac mit der Integrationskomponente »smart.MESDevice based on Raspberry PI« dieser Tage auf der productronica vor.