SEAS entkoppelt Flexibilität und Maschinenleistung

Bernhard Fritz heißt der neue Leiter Produktmarketing beim Fertigungsausrüster Siemens Electronics Assembly Systems (SEAS). »Über den Tellerrand blicken und nicht nur die eigenen Produkte im Visier haben«, lautet seine Devise.

Markt&Technik: Was brachte die Ausgliederung bislang?

Bernhard Fritz: Wir konnten durch die Konzentration auf ein Headquarter in München unsere Kosten senken. Regionalstrukturen, die früher der Siemens-Konzernstruktur entsprachen, haben wir auf unsere Markt- und Kundenanforderungen abgestimmt. Die regionalen Headquarter Europa, Americas, Südostasien, Nordasien wurden aufgelöst. Es gibt jetzt nur noch eine globale Zentrale in München, die sämtliche Support- und Koordinationsprozesse bündelt und dadurch für flachere Hierarchien und kürzere Kommunikationswege sorgt.

Auch die Fertigung wollen wir in München konzentrieren. Gleichzeitig setzen wir im Vertrieb verstärkt auf Vor-Ort-Präsenz und unterstützen daher unsere Teams mit Vertriebs- und Service-Partnern. Das gilt natürlich verstärkt für Regionen, in denen wir selbst keine Mitarbeiter vor Ort haben, wie in Polen. Dort haben wir jüngst eine solche Service-Partnerschaft mit Encon geschlossen.

Die Ausgliederung macht SEAS nach eigener Aussage zu einem globalen Mittelständler mit Fokus auf Europa. Was ist mit den globalen Geschäften?

Wir fahren selbstverständlich unsere globalen Aktivitäten nicht zurück, im Gegenteil: Wir wollen Vertrieb und Service international stärken. Aber als europäischer Marktführer müssen und werden wir weiter verstärkt die Anforderungen in Europa adressieren, um diesen Vorsprung zu halten. Innovationen und neue Technologietrends kommen vor allem aus Europa. Hier haben wir die besten Möglichkeiten, mit den Trendsettern unserer Schlüsselbranchen – Telekommunikation, Automotive, Industrial, Medical – zusammenzuarbeiten, und wir können unser Technologie-Partner-Netzwerk verstärkt nutzen.

Wer sind Ihre Technologie-Partner?

Wir arbeiten mit verschiedenen Partnern zusammen – je nach Applikation. Es handelt sich also um ein offenes Netzwerk mit klar definierten Spielregeln. So lässt sich beispielsweise unser Doppelspurkonzept »Siplace-Dual-Lane« in der Fertigung optimal einsetzen, wenn auch Drucker, Ofen und anderes Equipment entsprechend abgestimmt sind.

Wie sieht Ihre Produktstrategie für 2009 aus?

Trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise setzen wir auf die Markteinführung neuer Produkte und wollen maximale Flexibilität und maximale Bestückungsleistung in unseren Maschinen vereinen. Umgesetzt haben wir diese Strategie bereits in unserem kürzlich vorgestellten Bestückkopf »Multistar«.

Er vereint die Geschwindigkeit von Chip-Shootern und der Collect-and-Place-Bestückung mit der Vielseitigkeit der Pick-and-Place-Bestückung in einem Kopf und kann sich eigenständig an nahezu alle neuen Anforderungen und Produkte in der Elektronikfertigung anpassen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Fertigungslinien werden damit ganz automatisch optimal ausgetaktet. Im Mai werden wir die neue Siplace-Bestückmaschine SX auf den Markt bringen, bei der Leistung und Kapazität voneinander entkoppelt sind.

Was erwarten Sie vom Markt der Elektronikfertigung in diesem Jahr? Wird denn überhaupt investiert?

Schwankungen gab und gibt es in unserem Markt immer, das ist nichts Neues. Aber dieser Konjunktureinbruch war natürlich insgesamt dramatisch, daher werden Investitionen nach wie vor eingeschränkt und oftmals verschoben, weil bei vielen unserer Kunden große Unsicherheit darüber herrscht, wie es am Markt weitergeht.

Dennoch machen wir die Erfahrung, dass unsere Kunden die Zeit nutzen und sich intensiv vorbereiten, um beim Aufschwung durchstarten zu können. Wir erhalten zahlreiche Anfragen nach technischer Vertriebsunterstützung wie Fertigungsplanungen, Leistungsberechnungen und Leistungsoptimierungen. Auf großen Zuspruch stoßen auch unsere Veranstaltungen und Symposien, die wir mit Partnern zum Informations- und Wissenstransfer für unsere Kunden veranstalten. Die Teilnehmer betonen immer wieder, wie wichtig der Austausch gerade in schwierigen Zeiten ist.

Wollen Sie eine Prognose wagen, wann es wieder richtig aufwärts geht?

Das kann derzeit sicherlich keiner genau sagen. Ich vermute aber, dass es in Europa schneller aufwärts geht als in Asien oder den USA.