Schablonenfertigung: »Das Qualitätsbewusstsein der Kunden steigt«

Wachsende Packungsdichte elektronischer Baugruppen und die fortschreitende Miniaturisierung von Bauteilen lassen auch die Anforderungen an die Schablonenhersteller steigen. Marketing-Leiter Andreas Wilbert von der Firma Christian Koenen im Interview.

Wie reagieren Ihre Kunden auf die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen?

Andreas Wilbert: Wir stellen fest, dass das Qualitätsbewusstsein steigt, was uns zugute kommt, weil Qualität von jeher ein entscheidender Erfolgsfaktor unseres Hauses ist. Die derzeitige wirtschaftliche Lage ist zwar nicht schön, aber wir können für das zweite Quartal bereits wieder von einer Stabilisierung sprechen. Schablonen sind zwar sehr bedeutend für die Qualität des Gesamtprozesses, stellen aber keine signifikante Investition dar. Daher trifft uns die Rezession insgesamt weniger stark als andere Fertigungsausrüster.

Hinzu kommt, dass die Entwicklung neuer Baugruppen beständig weitergeht und damit auch die Anschaffung neuer Schablonen für die Prototypen-Fertigung erforderlich ist. Zusätzlich bemerken wir einen generellen Trend zu einer höherwertigen Schablonenqualität, die uns gerade jetzt eine Reihe von Neukunden generiert hat. Viele Fertigungen stoßen mit ihrer aktuellen Schablonenqualität an Grenzen, die eine effiziente Fertigung erheblich erschweren.

Was schätzen Ihre Kunden besonders an Ihrem Unternehmen?

Unsere Kunden haben für ihre gesamte Auftragsabwicklung einen festen Ansprechpartner zur Seite. So kann der Kunde sicher sein, dass sein Gegenüber versteht, worauf es ankommt. Wird es technisch schwierig oder hat der Kunde besondere Anforderungen, stehen ihm unsere Technik-Experten mit Rat und Tat zur Verfügung. Auch unser umfangreiches Schablonenportfolio von der Metallschablone über die Stufenschablone bis hin zu Wafer- und LTCC-Stencils sowie Pump-Print-Schablonen ist ein wichtiges Argument für den Kunden.

Welche Service-Leistungen bieten Sie über die Schablonen-Fertigung hinaus an?

Wir sind insgesamt sehr technologieorientiert. Das ist neben der Qualität unserer Produkte ein entscheidender Erfolgsfaktor. Der Kunde vertraut darauf, dass wir erkennen, wenn am Layout – beispielsweise an den Pads oder Padgrößen – etwas nicht stimmt. Daher prüfen wir die Layouts unserer Kunden und optimieren sie bei Bedarf. In unserem hauseigenen Application Center haben die Kunden außerdem die Möglichkeit, zusammen mit unseren Ingenieuren an der Prozessoptimierung ihrer Fertigung zu feilen. Dafür stehen Schablonen- und Siebdrucker sowie Mess- und Qualitätssicherungsequipment zur Verfügung. Dort führen wir auch Kundenschulungen und Workshops durch. Denn unser Ehrgeiz ist es, dazu beizutragen, dass unsere Kunden das Optimierungspotenzial in ihrer Fertigung voll ausschöpfen können.

Auf welche Länder erstreckt sich Ihr Vertriebsradius?

Wir liefern unsere Produkte weltweit. Der Fokus unserer Vertriebsaktivitäten liegt derzeit aber verstärkt auf Europa. Um Kompetenzen zu bündeln, arbeiten wir eng mit Kooperationspartnern aus der Fertigungsbranche zusammen, um beispielsweise in den neuen Schlüsselmärkten Osteuropas aufeinander abgestimmte Gesamtpakete anbieten zu können.

Worin bestehen die Herausforderungen bei der Schablonen-Fertigung?

Die Herausforderungen liegen vor allem in der kontinuierlichen Optimierung des Pastenauftrags auf der Platine und des Auslöseverhaltens an der Schablone. Dazu verbessern wir die Fertigungsqualität unserer Schablonenproduktion kontinuierlich. Zusätzlich entwickeln wir neue Verfahren, die dem Kunden helfen, sein Prozessfenster aufzuweiten, wie zum Beispiel unser patentiertes Verfahren zur Herstellung von Stufenschablonen.

Könnten Stufenschablonen die herkömmlichen Metallschablonen vom Markt verdrängen?

Das kommt auf das Layout an, denn nicht für jede Anwendung benötigt man eine Stufenschablone. Aber aufgrund steigender Anforderungen durch die fortschreitende Miniaturisierung und des zunehmenden Anteils an Baugruppen mit Mischbestückungen gewinnen Stufenschablonen, bei denen durch die unterschiedliche Stufenhöhe ein jeweils unterschiedlich dicker Pastenauftrag möglich wird, immer mehr an Bedeutung. Sie kommen bei Mischbestückungen dann zum Einsatz, wenn die Pastenauftragsmenge nicht mehr ausreichend über die Anpassung der Padgrößen reguliert werden kann. Große Bauteile wie Stecker erfordern für eine sichere Lötung mehr Lotvolumen, um beispielsweise die Koplanaritätsproblematik zu entschärfen.

Kleine Bauteile, wie QFPs und QFNs mit einem Raster ≤0,5 mm, 0402-Bauformen und kleiner benötigen dagegen weniger Lotpastenvolumen für eine einwandfreie Funktion. Unser Herstellungsverfahren ermöglicht es, die Stufen sehr präzise in die Schablone einzuarbeiten und so genau diesen Ansprüchen Rechnung zu tragen. Wir sind in der Lage, sowohl positive als auch negative Stufen auf der Leiterplatten- und auch Rakelseite einzubringen. Auf derUnterseite werden Stufen interessant, wenn Unebenheiten des Substrates ausgeglichen werden müssen. Die Stufen bilden Taschen, in die die Erhebungen der Leiterplatte eintauchen können. So ist es möglich, auch mit qualitativ minderwertigen Leiterplatten ohne Absprung zu drucken. Dadurch wird der Druckprozess deutlich stabilisiert.