Ruwel-Interview zu Entlassungen

Der momentan schwache Kfz-Absatz in Europa macht sich jetzt auch in den Auftragsbüchern von Ruwel GmbH bemerkbar; Entlassungen am Standort Geldern sind die Folge, »die Stammmannschaft ist davon nur zu einem geringen betroffen«, so Frank Hoiboom, Leiter Marketing von Ruwel.

Markt&Technik: Ruwel kündigt Entlassungen am Standort Geldern an. Durch die Branche geisterten verschiedene Angaben zu den Mitarbeiterzahlen, die kurzfristig ihren Hut nehmen müssen...

Frank Hoiboom: Im Werk Geldern sind heute rund 550 Mitarbeiter beschäftigt. Hierbei möchte ich aber betonen, dass wir im letzten Jahr – wegen der guten Auftragslage – etwa 70 neue Mitarbeiter, größtenteils befristet, eingestellt haben. Deren Verträge werden nicht verlängert, sondern laufen vereinbarungsgemäß aus. Darüber hinaus planen wir einen Abbau von 10 bis15 Prozent der Stammbelegschaft, zum Teil mit speziellen Regelungen für ältere Beschäftigte.

Die Stammmannschaft ist also nur zum Teil von tatsächlichen Entlassungen betroffen. Diese werden möglichst sozialverträglich erfolgen. Mit dem Betriebsrat wurde bereits ein Sozialplan und Interessenausgleich abgeschlossen. Viele ältere Mitarbeiter sind an einer finanziell tragfähigen Lösung interessiert, früher in den Ruhestand zu gehen.    

Wird es in den folgenden Monaten weitere Entlassungen geben, auch an anderen Standorten?
Kapazitätsanpassungen sind nur für die Großserienwerke vorgesehen, die schwerpunktmäßig die Automobilindustrie beliefern. Das sind die Werke in Geldern und Grassau. Darüber hinaus sind keine Abbaumaßnahmen geplant. Unser Sondertechnik-Werk in Wetter verzeichnet einen starken Auftragseingang. Auch das Werk Pfullingen, spezialisiert auf Muster, Prototypen, Eildienst und kleine bis mittlere Serien, verfügt über eine stabile Auslastung und profitiert vor allem von einem derzeitigen Boom im Bereich der Industrieelektronik. Dort erfolgen sogar seit Monaten nennenswerte Neueinstellungen. Weitere Überlegungen gibt es derzeit nicht.

Erst im Dezember hatte Ruwel angekündigt, mehrere Millionen Euro in die technologische Ausstattung des Gelderner Werks zu investieren – weil man davon ausgehe, dass die Nachfrage nach Spezial-Leiterplatten für Automotive-Anwendungen in den kommenden Jahren stark ansteigen werde. Es scheint anders gekommen zu sein…
Nein, ganz im Gegenteil. Die Investitionen wurden nicht nur angekündigt, sondern im zweiten Halbjahr 2006 und Anfang 2007 auch tatsächlich getätigt. Diese stehen in keinerlei Widerspruch zu den personellen Anpassungen. So wurden zum Beispiel zusätzlich qualitätssichernde Prozesse installiert. Ferner wurde auch in neue Technologien investiert, z.B. für die Microvia-Produktion oder das Aufbringen eines alternativen, weiteren Lötstopplacks in einer separaten Großserienlinie. Darüber hinaus wurde mit erheblichen Aufwendungen der Produktionsfluss optimiert.

Diese Millionen-Investitionen sind ein klares generelles Bekenntnis von Ruwel zum Standort Geldern. Geldern wird auch künftig als Leit- und Entwicklungswerk für das Automotive-Geschäft der Ruwel-Gruppe dienen.