Organische Elektronik: »elektronische Tinten« vor dem Boom

Mit Tintenstrahldruck gefertigte elektronische Schaltungen mit Transistoren, Widerständen und Kondensatoren stehen an der Schwelle zur großindustriellen Fertigung. Entsprechend hoch fallen die Prognosen für die Umsätze der Tinten aus, die für die Herstellung erforderlich sind.

Nach einem neuen Bericht des Marktforschungsunternehmens NanoMarkets wird das Marktvolumen für elektronische Tinten und Substrat-Materialien, die bei der Herstellung »gedruckter Elektronik« verwendet werden, von derzeit (2008) 1,1 Mrd. Dollar bis 2015 auf mehr als 11,5 Mrd. Dollar wachsen. Dabei wird 2013 für die »elektrisch leitfähigen Tinten« ein Umsatz von 4,3 Mrd. Dollar erwartet.

In diesem Segment soll der Umsatz der organisch leitfähigen Tinten am schnellsten wachsen und 2013 die 1,3-Mrd.-Dollar-Marke überflügeln. Der Löwenanteil des Umsatzes wird jedoch mit den Substraten gemacht, hier werden die Hersteller einen Umsatz von nahezu 3 Mrd. Dollar erzielen. Den Umsatzaussichten für gedruckte OLEDs ist durch die Entwicklung neuer Tinten mit kleinen Molekülen (small molecule inks) ein erheblicher Anschub zuteil geworden. Der Vorteil besteht darin, dass sich die OLED-Hersteller für das Drucken als Herstellungsverfahren entscheiden können, ohne dass sie dafür ein völlig neues Material entwickeln müssen.

Die halbleitenden Tinten auf organischer Basis für OLED-Displays und -Beleuchtungseinrichtungen sollen 2015 ein Volumen von 370 Mio. Dollar erreichen. Die gedruckte Photovoltaik wird nach der Prognose von NanoMarkets 2015 auf einen Umsatz von über 400 Mio. Dollar kommen. Bis dahin sollte die Industrie die Hürden überwunden haben, die heute noch dem Drucken von CIGS-Materialien (Copper Indium Gallium Selenide) entgegenstehen, und die organischen Solarzellen werden einen deutlichen Marktanteil bei der Photovoltaik erreichen, die in Gebäudefassaden integriert ist.

Gedruckte Dielektrika werden nach Ansicht der NanoMarket-Experten zu einem Teilgebiet der organischen Elektronik. Mittelfristig sollen organische Bauelemente für CMOS-Schaltungen zur Verfügung stehen, die dann per Tintenstrahl-Druck hergestellt werden; komplexere Schaltungen werden dadurch möglich. 2015 soll dann mit Materialien für die Herstellung gedruckter Dielektrika ein Umsatz von mehr als 775 Mio. Dollar erzielt werden.