OEMs nehmen EMS-Dienstleister genauer unter die Lupe

»Die Anforderungen der OEMs an den EMS-Dienstleister sind im Zeichen der Rezession weiter gestiegen«, stellt Bernd Richter, Vorstand des Braunschweiger EMS-Unternehmens Ihlemann, im Rahmen einer Kundenumfrage fest.

Ganz vorne in der Rangliste der Anforderungen an das EMS-Unternehmen steht ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis – hohe Qualität ist dabei Grundvoraussetzung. EMS-Dienstleister Ihlemann hat sich auf die Fertigung hochwertiger Baugruppen von Klein- bis Großserien für Industrie/Automation, Umwelttechnik, Bildverarbeitung/Embedded Systeme und Medizintechnik spezialisiert.

»Unsere Präsenz in China nutzen wir dabei für den günstigen Einkauf von Bauteilen und lassen auch ausgesuchte Komponenten wie Gehäuseteile, Steckverbinder oder komplette Kabelsätze dort fertigen und qualitätssichern.« Die Endmontage erfolgt aber weiterhin in Deutschland, »denn nur so können wir eine sehr gute Fertigungsqualität garantieren und die ist aus Sicht der von uns befragten Kunden Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit. Qualitätsmängel dagegen sind ein klares K.O.-Kriterium«, erklärt Bernd Richter.

Der Preis ist nicht immer entscheidend

Wie maßgeblich die Preisfrage bei der Auftragsvergabe ist, hängt stark davon ab, in welchem Marktumfeld sich der EMS-Kunde bewegt: Markus Kopetzki, Geschäftsführer bei Drago Messtechnik und einer der Befragten, legt besonderen Wert auf einen hohen Qualitätsstandard seines Fertigungspartners: »Wir agieren mit unseren Produkten nicht im Massenmarkt. Für unsere Kunden spielt der Preis zwar eine wichtige Rolle – noch wichtiger sind allerdings Qualität, Zuverlässigkeit und Liefertreue.«

Drago könne eine eigene Produktion nicht ausreichend auslasten und erspare sich deshalb diese Investition, begründet Kopetzki die bewusste Entscheidung für die externe Fertigung. Für einen ebenfalls befragten Hersteller von Embedded-Bildverarbeitungsrechnern dagegen steht der Preis ganz oben auf der Anforderungsliste an den EMS-Dienstleister, denn er bewegt sich mit seinen Produkten in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld und kann daher nur mit hart kalkulierten Preisen bestehen. Eine Fertigung in Asien oder in Osteuropa ist für diesen Hersteller aber dennoch keine Alternative, da eine gute und flexible Zusammenarbeit eine gewisse örtliche Nähe erfordere, um sich auch kurzfristig persönlich austauschen zu können. 

Für andere Kunden wiederum ist die Kombination von Qualität und Flexibilität essenziell. »Besonders beim Start eines neuen Produkts ist es für unseren Auftraggeber erfolgsentscheidend, wie schnell er mit seinem Produkt am Markt ist. Hier müssen die Abläufe stimmen – vom Angebot über die rasche Beschaffung der Bauteile bis zum ersten Prototypen«, sagt Bernd Richter. »Auch kurzfristige Änderungen gilt es noch in letzter Minute zu berücksichtigen.«

Entwicklung und Fertigung müssen nicht unter einem Dach sein

Die fehlerfreie Fertigung erfordert aber auch eine gute Abstimmung zwischen den Entwicklern und den Fertigungsexperten, was durchaus kritische Stimmen auf den Plan ruft, die die Effizienz von Outsourcing in Frage stellen. Dabei sieht Kopetzki wie andere Befragte in der Trennung von Entwicklung und Fertigung keine Nachteile, da das Design bereits auf den externen Fertigungspartner ausgerichtet ist und Entwicklung und Arbeitsvorbereitung ihre Abläufe entsprechend planen können. Zumal für beide Seiten das Optimum in der frühzeitigen Einbeziehung des Fertigungspartners in die Layoutgestaltung und Bauteilauswahl liegt.

Stabilität der Lieferanten stärker im Fokus

Angesichts der prekären Situation der Wirtschaft bewerten die Befragten die Stabilität eines Lieferanten besonders hoch. Wer als Fertigungs-Dienstleister eine gute finanzielle Lage nachweisen könne, habe einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Positiv seien auch internationale Beschaffungswege und die Möglichkeit, bei größeren Stückzahlen in Asien fertigen zu können.