Leiterplattenindustrie in der Krise

Ruwel ist insolvent, Fuba ist insolvent, die 50-prozentige Mutter Lamitec-Dielektra ebenfalls, und weiteren Leiterplattenherstellern hierzulande dürfte die Krise noch zu schaffen machen. Experten sprechen von einer »neuen Konsolidierungswelle.«

»Alle Leiterplattenhersteller mit dünner Kapitaldecke sind gefährdet«, sagt Michael Gasch von Data4PCB. Es wird eine neue Konsolidierungswelle durch Deutschland und die Welt gehen. Sowohl kleine Firmen als auch solche Hersteller, die einen Umsatz von mehr als 25 Mio. Euro erzielen, sind laut Gasch betroffen. Beispiele gibt es bereits: Fuba zählt zu den Großen der Branche, und als kleiner Hersteller hat SKM in Spittal/Österreich Konkurs angemeldet. 70 Arbeitsplätze sind betroffen. Wenn nicht noch ein Investor auftaucht, muss der Betrieb schließen.

Lamitec-Dielektra ist jetzt in den Insolvenz-Strudel von Fuba gerissen worden und hat ebenfalls das Konkursverfahren eröffnet. Dass die 50-prozentige Mutter von Fuba insolvent ist, verbessert die Aussichten des Unternehmens nicht. Noch dazu, weil Fuba Tunesien (hinter der die Familie Sellami steht) und Lamitec-Dielektra offenbar ganz unterschiedliche Vorstellungen haben. Zumindest für die Zukunft von Fuba wird nun entscheidend sein, was Fuba Tunesien plant.

Die Pläne für die Weiterführung von Lamitec-Dielektra haben laut Dr. Waldemar Reuswich, Geschäftsführer von Lamitec-Dielektra, bereits konkrete Gestalt angenommen: Der Produktionsstandort Neu-Ulm (36 Mitarbeiter) soll aufgelöst werden, nur Vertrieb und Management (20 Mitarbeiter) verbleiben dort. Die Mitarbeiterzahl am Fuba-Standort Gittelde soll von 400 auf 150 reduziert werden, hier will Lamitec-Fuba künftig Multilayer und Basismaterialien (Laminate) fertigen.

Der Standort Köln (65 Mitarbeiter) wird geschlossen, die Maschinen kommen nach Gittelde. Die Mitarbeiterzahl in Grassau will die Auffanggesellschaft von 155 auf 100 reduzieren und sich dort auf Dickkupferschaltungen für die Automobil-Industrie konzentrieren. Die Zahl der Beschäftigten am Fuba-Standort Dresden will Lamitec von 270 auf nun 250 reduzieren. Das Werk Dresden soll weiterhin Massenprodukte fertigen.

Laut Waldemar Reuswich hat die Insolvenz von Fuba Deutschland eine Kettenreaktion ausgelöst: Die Banken haben die Kredite gekündigt, und die Auftragslage tat ein Übriges. »Ab Oktober vergangen Jahres ging das Geschäft rapide bergab, die Einnahmen haben die Banken einbehalten, die Dezembergehälter konnte Lamitec-Dielektra nicht auszahlen«, sagt Reuswich.

Jetzt bekommen die Mitarbeiter bis Ende Februar Insolvenzgeld. Lamitec-Dielektra hatte sich sehr stark auf die Automobilindustrie ausgerichtet und leidet nun besonders stark unter dem Auftragsrückgang aus diesem Sektor. Laut Waldemar Reuswich brach der Auftragseingang an den Standorten Köln, Neu-Ulm und Grassau seit Oktober 2008 um jeweils 70 Prozent ein, in Gittelde um 50 Prozent. Nur in Dresden ist der Einbruch mit 10 Prozent geringer, das Werk ist zu 90 Prozent ausgelastet.