Gerettet: Jubel bei Ruwel!

Nun ist es beschlossen: Der Investor BlueBay übernimmt den Leiterplattenhersteller Ruwel in Geldern. Für die neue »Ruwel International GmbH« gibt es eine Zukunft!

Ruwel in Geldern hat es tatsächlich geschafft – und es hätte dramatischer nicht sein können: BlueBay, bereits seit 2006 einer von drei Gesellschaftern bei Ruwel, signalisierte die Bereitschaft, sich zusammen mit einem asiatischen Partner unter bestimmten Voraussetzungen weiter am Standort Geldern zu engagieren. Allerdings verhinderten anhängige Kündigungsschutzklagen, die für BlueBay nicht tragbar waren, vorerst die Rettung: Das wirtschaftliche Risiko durch rund 180 Klagen war für die Investoren zu groß; sie verwarfen Ende August ihren Plan, bei Ruwel einzusteigen. Gläubigerversammlung und Gericht beschlossen die Schließung und Restabwicklung des Unternehmens.

Ca. 500.000 Euro für einen Solidarfond

Den Ernst der Lage erkennend, ergriff die Belegschaft die Initiative und informierte die freigestellten Kollegen daheim über die aussichtslose Situation. Zudem sammelte die Belegschaft unter Einkommensverzicht etwa eine halbe Million Euro für einen Solidarfond, aus dem die freigestellten Kollegen eine weitere Aufstockung ihrer Abfindung bekommen, die ihre Klage zurückziehen und so den Weg für eine Investorenlösung frei machen. Dieses motivierte den größten Teil der Klagenden zur Einsicht.

NRW-Finanzminister Dr. Helmut Linssen (CDU), der selbst aus dem Gelderland stammt, lud alle beteiligten Parteien zu vermittelnden Gesprächen auch mit dem NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am vergangenen Donnerstag zur Landesregierung nach Düsseldorf ein.

Der Kompromiss

Nach intensiven, konstruktiven Verhandlungen hat man schließlich einen Kompromiss gefunden und damit den Durchbruch geschafft: Mit der Gewerkschaft und dem Betriebsrat wurde ein Haustarifvertrag für Ruwel ausgehandelt, der unter anderem das bereits im vergangenen Jahr vereinbarte Entgeltniveau auch künftig absichert, sowie künftige Einkommenszuwächse und Prämien basierend auf dem Unternehmenserfolg. Ferner bleiben den Mitarbeitern die aus der bisherigen Tätigkeit bei Ruwel erworbene Ansprüche wie Kündigungsfristen und Betriebszugehörigkeitsjahre erhalten. In einer Betriebsvereinbarung wurde festgelegt, dass die geplanten Personalaufstockungen in absehbarer Zukunft bei entsprechender Qualifikation bevorrechtigt aus der Gruppe der freigestellten Mitarbeiter erfolgen sollen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat werden dabei zusätzlich Kriterien der Sozialauswahl zugrunde gelegt.