Galvanik für Steckverbinder FMB Group: Von der Galvanik zum Full-Service-Dienstleister

Bereits 15 Prozent der mittelständischen Fertigungsunternehmen in Deutschland setzen dezentral vernetzte, selbststeuernde Produktionsprozesse ein, darunter auch Steckverbinderhersteller. Der Galvanikspezialist FMB Group will seinen Kunden daher künftig im Rahmen von Industrie 4.0 die für die Galvanik notwendigen Maschinen und Verfahren zur Verfügung stellen und kompletten Service anbieten.

Noch vor kurzem standen Materialrecycling und Rohstoffeinsparung an erster Stelle, wenn es um die Veredelung von Steckverbinder-Oberflächen ging, so teuer waren die wichtigen Rohstoffe Silber und Gold. Doch die schwache Konjunktur hat die Rohstoffpreise inzwischen enorm nachgeben lassen, Aluminium etwa ist seit Jahresbeginn um 11 Prozent billiger geworden, Gold hat zwischen April und Juni ein Viertel seines Wertes eingebüßt.

»Die Kosten sind immer noch bei unseren Kunden aktuell, stehen jedoch nicht mehr so im Vordergrund«, bestätigt FMB-Geschäftsführer Falko Eidner. Doch die langanhaltende Hochpreisphase bei den Edelmetallen habe das Interesse an alternativen Oberflächen geweckt und zur Entwicklung neuen Oberflächen und Fertigungsverfahren bei FMB geführt - »unsere Auftragsdiversität ist enorm gestiegen«, sagt Eidner, »uns rauchen die Ohren!«

Vom ehemals ungeliebten Kind habe sich die Galvanotechnik inzwischen zu einem echten Partner entwickelt. Neuerdings kann FMB auch an Schüttgut-Teilen, also Drehteile, Stanzteile und Spritzgussteile, unterschiedliche Materialien an ein und demselben Kontakt galvanisch aufbringen: an der einen Steckerseite Gold, an der anderen Lötzinn - das war bislang nur händisch oder magaziniert möglich. »Daran haben wir zwei Jahre lang gearbeitet«, sagt Eidner. Für 2014 stehen weitere Oberflächen und Legierungen an.

Eidner hat zudem ein neues Zukunftsfeld für sein Geschäft entdeckt: Industrie 4.0. Einer aktuellen Umfrage der  Beratungsfirma Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag der Freudenberg IT zufolge sitzen die deutschen »Early Adopters« von Industrie 4.0 vor allem unter Automobilzulieferern mit einer Unternehmensgröße plus 500 Mitarbeitern. Weil der Wettbewerb in dieser Branche schon heute die schnelle Umsetzung von Kundenanforderungen und eine bedarfssynchrone Produktion verlangt. Knapp 60 Prozent aller befragten mittelständischen Fertigungsunternehmen setzen der Studie zufolge bereits IT-basierte  Automatisierungslösungen ein. Und mehr als zwei Drittel (69 Prozent) nutzen der Umfrage zufolge IT-Lösungen zur Fernwartung ihrer Anlagen und Maschinen in der Produktion. Gut die Hälfte (52 Prozent) verfügt zudem über einen intelligenten Anlagenpark - und damit über einen wichtigen Baustein im Fundament künftiger Industrie 4.0-Szenarien.

Für Eidner ist Industrie 4.0 eine logische Konsequenz seiner Tätigkeit. Denn seine Kunden, unter anderem die Steckverbinderhersteller Harting, Weidmüller und Phoenix Contact, arbeiten ebenfalls an der intelligenten, sich selbst optimierenden Produktion. Und weil Industrie 4.0 nur als Teil eines Systems mit offene Standards und Schnittstellen in der Steuerungstechnik funktionieren kann und Mensch, Maschine und Werkstück miteinander kommunizieren, will FMB ein Teil in diesem Netzwerk sein: Wenn Klemmen und Steckverbindungen in Zukunft die Information für ihre Weiterverarbeitung in sich tragen sollen - dann auch Informationen zu Ihrer Beschichtung.

Zur weiteren Angebotspalette gehören neben der galvanischen Oberfläche mittlerweile die Dreh- und Stanzteilebeschaffung, F&E, die Lagerhaltung, Gold-Recycling, Logistik sowie eine Qualitätsgarantie für die Gesamtproduktion. Also auch die Verantwortung für einen Bandstillstand? »Ja, das wird gerade juristisch geprüft«, bestätigt Geschäftsführer Eidner.

FMB will seinen Kunden künftig im Rahmen von Industrie 4.0 die für die Galvanik notwendigen Maschinen und Verfahren zur Verfügung stellen und selbst warten. Die Maschinen, die künftig im Stecker-Valley Ostwestfalen stehen könnten, sollen von der FMB-Tochter Eucrea Kontakte kommen. Eucrea ist Spezialist für thermisch gerissene Kontaktstifte mit Sitz in Lubin, Polen und fertigt auch elektronische Bauteile und Stiftleisten an. Die Beschaffung der Rohmaterialien und Dreh- und Stanzteile übernimmt die für Südeuropa zuständige FMB-Tochter Posa aus der Schweiz, die neben der Beschaffung der Rohteile auch deren Veredelung erledigt, verbunden mit der kompletten Logistikkette, inklusive aller Zollformalitäten und eigenem Fuhrpark.  Eidner: »Wir setzen auf vertikale Diversifikation vom Rohdraht bis zum selektiv veredelten Stift.« Schritt für Schritt soll das Angebot als Fullservice-Dienstleister nun ausgebaut werden.