Nach dem Brand : Werkzeumaschinenlabor Aachen bittet um Spenden

Nachdem die WZL-Halle am 5. Februar abgebrannt ist, versucht das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen den Schaden zu beheben und die Zukunftsfähigkeit des WZL zu gewährleisten. Der geschätzte materielle Schaden liegt bei 100 Millionen Euro.

Davon fallen voraussichtlich circa 30 Millionen Euro für die Ersatzgebäude, 60 Millionen Euro für die Wiederbeschaffung von Maschinen, Laboreinrichtungen und Ausrüstung sowie etwa 10 Millionen Euro für die Überbrückung zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit des WZL an.

Getragen von einer überwältigenden Hilfsbereitschaft aller Partner und Nachbarn konkretisiert das WZL sein Motto „Jetzt erst recht": „Wir geben keines unserer strategischen Forschungsziele auf. Wir wollen nicht nur den Schaden beheben, sondern „Jetzt erst recht" auch ein maßgeblicher Meinungsführer in einer digital veredelten und vernetzten Produktionswelt sein“, sagt Professor Günther Schuh, geschäftsführender Direktor des WZL.

Ersatzflächen und Maschinenpark

„Führende Werkzeugmaschinenbauunternehmen und Gerätehersteller haben uns bereits Leihgaben von Maschinen und Ausrüstungen für die nächsten zwei Jahre in Aussicht gestellt. 10 Maschinen wurden uns schon zugesichert“, so Professor Fritz Klocke, dessen Forschungsbereich am stärksten durch den Brand betroffen ist.
Das WZL benötigt etwa 25 größere Werkzeug- und Messmaschinen gemäß einer „Wunschliste", die beim unten genannten Kontakt angefordert werden kann.

Für die Übergangszeit sind Ersatz-Hallenflächen von rund 3.500 Quadratmeter erforderlich. Das WZL erhielt im Raum Aachen das Angebot von circa 30 Ersatzflächen mit insgesamt mehr als 15.000 Quadratmeter. Um die notwendige enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Forschergruppen und den Werkstätten zu gewährleisten, entschied sich die Institutsleitung für 10 Standorte mit insgesamt 3.900 Quadratmeter in unmittelbarer Nähe zu den anderen WZL-Gebäuden.
Professor Robert Schmitt, der mit seiner Messtechnik- und Robotik-Forschung ebenfalls stark von dem Brand betroffen ist, dankt den Fraunhofer-Instituten IPT und ILT, den Campus-Clustern Produktionstechnik, Smart Logistik, Photonik und Schwerlastantriebe sowie den RWTH-Instituten IKA, ITA und IKV für ihr großzügiges Entgegenkommen: „Wir können dadurch den Schaden für die Studierenden, die mit ihren Bachelor- und Masterarbeiten betroffen sind, sehr klein halten.“

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen befasste sich im Kabinett bereits mit einer ersten Überbrückungsfinanzierung. Dr. Thomas Grünewald, Staatssekretär im Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, machte sich unmittelbar nach der Brandkatastrophe vor Ort ein Bild von dem Schaden. Die WZL-Halle gehörte wie die meisten Hochschulgebäude dem BLB und ist eigenversichert. Die Versuchsanlagen und Labore zählten zur sogenannten Ersteinrichtung der betroffenen Lehrstühle, die die RWTH mit Hilfe des Wissenschaftsministeriums den Lehrstuhlinhabern zur Verfügung stellt. Zusätzlich existiert eine Sachanlagenversicherung, die für die Sachanlagen des IFAS und des WZL insgesamt auf 30 Millionen Euro begrenzt ist.
In einer beeindruckenden Geschwindigkeit entwarfen BLB und RWTH zügig einen Plan für den möglichen langfristigen Ersatz der verloren gegangenen Flächen. Demnach wird in einem Zeitfenster von 18 bis 24 Monaten die abgebrannte Halle (4.300 Quadratmeter) an selber Stelle etwas vergrößert wieder aufgebaut.

Diese Fläche reichte aber schon in der Vergangenheit längst nicht mehr aus. Die fertigungs- und messtechnische Forschung hat sich in den letzten Jahren maßgeblich verändert. Heute müssen diese Prozessketten vermehrt untersucht werden und nicht mehr nur einzelne Fertigungsverfahren. Das WZL hat sich in den letzten Jahren als weltweit beachteter "Schrittmacher" dieses Forschungsfortschritts bei hybriden Werkzeugmaschinen und integrierten Fertigungsverfahren profiliert, was auch die Ergebnisse des Exzellenzclusters "Integrierte Produktionstechnik für Hochlohnländer" zeigen.
Die dem WZL zur Verfügung stehenden Flächen sind nicht mit gewachsen. Deshalb möchte das WZL nun die Gelegenheit nutzen und das Land Nordrhein-Westfalen bitten, zusätzlich eine Erweiterungshalle mit rund 3.000 Quadratmeter Fläche in unmittelbarer Nähe zu der „alten“ WZL-Halle zu bauen.