EMS-Dienstleister: Deutschland bleibt ein attraktiver Standort

Um 10 Prozent soll laut iSuppli der weltweite Umsatz im EMS-Markt in diesem Jahr sinken. Der EMS-Standort Deutschland ist aber laut der von uns befragten EMS-Unternehmen nicht in Gefahr: Low-Cost-Country muss nicht gleich Best-Cost-Country sein.

Einige Unternehmen der EMS-Branche (Electronic Manufacturing Services) müssen Umsatzeinbußen von 50 Prozent hinnehmen. Andere, wie der Mittelständler BMK, beobachten nur moderate Rückgänge, »die wir aber durch Neukunden teilweise kompensieren konnten«, so Vertriebsleiter Ewald Gailing. Rafi-Eltec-Geschäftsführer Michael Schwell spricht gar von einem Wachstumsausblick im zweiten Halbjahr.

Bei Zollner schlug im Januar ein leichtes Minus von 5 Prozent zu Buche, während der Februar schon wieder positiv stimme, so Vorstand Johann Weber. Die zur Lacroix Electronique gehörende PrehTronics hat mit einem 10-prozentigen Minus zu kämpfen, ist aber sehr zuversichtlich, dies ab Mai durch Neuprojektanläufe unter anderem im Avionik-Bereich ausgleichen zu können, wie Geschäftsführer Ansgar Schröder bestätigt.

Spricht nicht einiges dafür, dass die Systemhersteller unter dem enormen Kostendruck noch größere Teile ihrer bisher internen Produktion an die EMS-Unternehmen auslagern? Sollten also EMS-Unternehmen nicht von der Krise profitieren? Die Zeichen stünden eher auf Insourcing, erklärt Schröder: »In dieser Situation wäre politisch ein zusätzlicher Arbeitsplatzabbau durch Outsourcing von Fertigungsdienstleistungen schwierig zu rechtfertigen.« Das spräche mittelfristig für eine drastische Bereinigung unter den EMS-Anbietern.

Weitaus positiver beurteilt Weber die Lage: »Sicher überlegen Unternehmen, ob sie ihre Produktion wieder ins Haus holen. Aber gleichzeitig ziehen viele in Erwägung, Tätigkeiten auszulagern. Aufgrund des Kapitalmangels werden weniger Investitionen getätigt und Bestände reduziert.« Mit einer Konsolidierung der EMS-Landschaft rechnen allerdings die meisten Unternehmen. Ist jetzt erst recht die Flucht in Billiglohnländer angesagt? Es zähle nicht das Prinzip Low Cost Country, sondern Best Cost Country. Das könne, müsse aber nicht Osteuropa oder Asien sein, so ist aus der Branche zu hören. »Jedes Produkt muss man gesamtheitlich betrachten: Transportkosten, Steuern, Zollkosten, Flexibilität«, erklärt Weber.

Wie ein EMS-Dienstleister die Krise übersteht, hängt wesentlich davon ab, ob er Verluste aus schwachen Branchen wie dem Automobilsegment anderweitig ausgleichen kann. »Kurzfristig lässt sich in unserer Branche nur eingeschränkt auf die Situation reagieren. Wir können nicht von heute auf morgen unsere Kundenstruktur ändern, denn typische Vertriebszyklen liegen bei zwölf Monaten. Mittelfristig wollen wir mit der Medizintechnik aber in unserem Werk in Deutschland neue Möglichkeiten für uns eröffnen«, verkündet Oliver Digel, Vice President Sales & Business Development EMEA bei Sanmina-SCI. Wachstumschancen sieht Digel darüber hinaus im Mil/Aero-Segment.

Gut dabei ist in diesen Tagen, wer über ausreichend Eigenkapital verfügt: »Wenn ein kleiner Anbieter genug Geld hat, kann er genauso überleben wie ein großer. Größe ist in dieser Krise kein Kriterium, sondern die Verbindlichkeiten. Läuft ein Unternehmen außerhalb der Kreditkorridore, kappen die Banken die Kredite ohne Zögern«, erklärt Schröder.

Mehr zur Zukunft der EMS-Branche lesen Sie in der Ausgabe 10 der Markt&Technik, die am 6.3.2009 erscheint.