Elektronikfertigung: Wie behauptet sich der Mittelstand?

Verhalten optimistisch äußerten sich die von Markt&Technik befragten Unternehmen aus der Fertigungsbranche zum Thema »Wie behauptet sich der Mittelstand?«. Ihre Vorteile sehen die Unternehmer vor allem in der Flexibilität.

Eine leichte Belebung des Marktes im zweiten Quartal sorgt in Teilen der Fertigungsbranche für vorsichtige Aufbruchstimmung: »Im zweiten Quartal registrieren wir ein leichtes Plus gegenüber Q1; für Q3 sehen wir einen weiteren Aufwärtstrend«, so Ewald Gailing, Vetriebsleiter des EMS-Dienstleisters BMK Group.

Eine gute Entwicklung nehme vor allem der Bereich Energietechnik, insbesondere die regenerativen Energien, bestätigten die Mittelständler. Aber auch der Telekommunikationssektor entwickelte sich für EMS-Unternehmen viel versprechend und kompensierte zumindest teilweise Umsatzeinbußen im Industrie- und Automotive-Bereich. Trotz erster positiver Signale liegen die Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen insgesamt immer noch auf niedrigem Niveau.

Während die Elektronikproduktion moderat anzieht und viele Auftragsfertiger einen leichten Aufwind spüren, lässt die Investitionsbereitschaft in Produktionsmaschinen weiterhin zu wünschen übrig. Einige Fertigungsausrüster beziffern die Einbußen in den ersten beiden Quartalen auf 25 bis 30 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2008.

Wie haben die Unternehmen bisher auf den Auftragsrückgang reagiert?

Oberste Priorität hat für die meisten mittelständischen Unternehmer die Erhaltung der Arbeitsplätze. Flexible Kapazitäten wie Zeitarbeitskräfte dagegen wurden vor allem bei den EMS-Unternehmen reduziert. Sabine Herold, geschäftsführende Gesellschafterin von Delo Industrie Klebstoffe: »Wir stehen auch in der Krise zu unseren Mitarbeitern und setzen alles daran, jeden Arbeitsplatz zu sichern, um bald wieder mit voller Kraft durchstarten zu können.«

Auch zur Weiterbildung der Mitarbeiter wird die zur Verfügung stehende Zeit genutzt: »Wir haben bewusst »nur« etwa die Hälfte der Zeitarbeitskräfte abgebaut, da wir diese Mitarbeiter durch Schulungen gezielt weiter qualifizieren wollen«, so Michael Schwell, Geschäftsführer des EMS-Unternehmens Rafi Eltec. Darüber hinaus intensivieren die Firmen ihre Vertriebsaktivitäten und die Investitionen in neue Technologien, um neue Kunden zu gewinnen. 

Reagiert der Mittelstand in der Krise flexibler?

Kommen mittelständisch geprägte Unternehmen mit veränderten Rahmenbedingungen besser zurecht als global agierende Großkonzerne? »In gewisser Weise ja«, so die Einschätzung der Befragten. Denn ob in Wachstumsphasen oder bei rückläufigen Umsätzen, der Mittelstand ist in der Lage, schneller auf die Marktgegebenheiten zu reagieren, da die Entscheidungen meist viel kurzfristiger getroffen werden.

»Komplizierte Genehmigungsprozeduren wie bei der Großindustrie gibt es bei den meisten Mittelständlern nicht«, erklärt Gailing. Außerdem kommt es nach Ansicht von Ralph Hoeckle, Geschäftsführer von Zestron, aufgrund der Firmenstruktur im Mittelstand meist zu geringeren Reibungsverlusten, da weniger firmeninterne Bürokratie und Politik den Arbeitsalltag dominieren. »Der Mittelstand legt Wert darauf, weitgehend unabhängig zu sein vom Geld der Banken, konservativ zu wirtschaften, Gewinne zu reinvestieren und auf Forschung und Entwicklung zu setzen – hier sparen wir auch nicht in der Krise«, sagt Herold.