»Ein globales EMS-Unternehmen kann OEMs dabei unterstützen, neue Märkte zu erschließen«

Sanmina-SCI, einer der »großen Zehn« der weltweiten EMS-Szene, unterhält in Deutschland einen mittelständischen Standort. Das Spannungsfeld zwischen Mittelstand und Großkonzern sieht Oliver Digel, Vice President Business Development EMEA positiv.

Markt&Technik: Die EMS-Szene hierzulande wird vom klassischen Mittelstand dominiert. Auch Sanmina-SCI tritt in Deutschland eher als mittelständischer Fertiger in Erscheinung. Arbeiten speziell die deutschen Kunden gerne mit einem EMSGroßkonzern, oder stoßen Sie deswegen bisweilen auf Ressentiments?

Oliver Digel: Es gibt schon den einen oder anderen Kunden, der nicht mit einem Großen arbeiten möchte, weil er dort »verloren gehe «. Auf der anderen Seite sehen viele Kunden auch die Vorteile eines globalen EMS-Konzerns darin, dass wir sie dabei unterstützen können, neue Märkte zu erschließen. Außerdem sind wir aufgrund unserer weltweiten Infrastruktur in der Lage, Prozesse und Maschinen sehr schnell von einem Werk auf ein anderes zu transferieren, sollte der Produktionsprozess dies erfordern. Generell lässt sich nicht pauschalisieren, dass kleine Unternehmen nur mit einem kleinen Dienstleister arbeiten möchten und umgekehrt. Das ist eher abhängig von der Strategie des Unternehmens.

Unterscheiden sich die Anforderungen der deutschen Kunden von den Anforderungen aus anderen Ländern?

Zu einem gewissen Teil ja: Wir haben in Deutschland einen viel größeren Anteil mittelständischer Unternehmen als anderswo auf der Welt. Die Anforderungen sind sehr Engineering-orientiert, die Vorgaben bei der Produktentstehung sehr eng gesteckt, vor allem im Front-End-Bereich.

Wie wichtig ist lokale Nähe im Vertriebs- und Produktionsprozess?

Unsere Vertriebsstruktur ist zwar unabhängig von den Produktionsstandorten. Die Vertriebsmitarbeiter sind aber lokal fokussiert und erarbeiten vor Ort zusammen mit dem Kunden das für ihn am besten passende Produktionskonzept. In Europa beschäftigen wir circa 40 Vertriebsmitarbeiter, sieben davon in Deutschland. Organisatorisch ist der Vertrieb direkt der Zentrale in den USA unterstellt.

Wo letztlich produziert wird, hängt von den Anforderungen und Notwendigkeiten des Kunden ab. Natürlich ist EMS sehr preisgetrieben, Dienstleistung und Service spielen aber ebenfalls eine große Rolle. Der eine möchte oder muss unbedingt lokal fertigen, um beispielsweise seinen Kunden just-in-Sequence zu beliefern, der andere muss absolut günstig produzieren. Je nachdem wo die Prioritäten liegen, legen wir das Werk, in dem wir fertigen, gemeinsam mit dem Kunden fest.

Welche Bereiche fokussiert Sanmina- SCI in Europa und speziell in Deutschland?

In Europa wie in Deutschland konzentrieren wir uns derzeit stark auf die Branchen Industrie- Elektronik, Medizin sowie Defense und Aerospace. Das sind hochsensible Segmente, in denen die Nähe zum Kunden wesentlich und entscheidend ist. In diesen Bereichen sehen wir großes Zukunftspotenzial und haben bereits viel versprechende Akquise-Prozesse angestoßen. Derzeit laufen in unserem deutschen Werk in Gunzenhausen Zertifizierungen für den Medizin- und Military- Sektor, die voraussichtlich bis Ende des Jahres abgeschlossen sein werden. Speziell in Deutschland spielen außerdem die Bereiche Automotive und Telekommunikations- Infrastruktur für uns eine große Rolle.

Welche Rolle spielt Europa insgesamt für Sanmina-SCI?

Eine sehr große, schließlich generieren wir ungefähr ein Drittel unseres Umsatzes in Europa.

Schwindet also die Bedeutung Asiens?

Nein, das kann man so nicht sagen. Zum einen ist die Produktionsverlagerung nach Asien insgesamt ungebrochen stark, zum anderen fertigen wir etwa die Hälfte des Umsatzvolumens, das aus Europa kommt, in Asien.