China-RoHS: Prüfaufwand steigt

Die chinesischen RoHS-Bestimmungen, seit dem 1. März 2007 in Kraft, sind in einigen Punkten strikter als die Richtlinie der EU. Zudem lässt China im Gegensatz zur EU keine »Selbstdeklaration« der Endgerätehersteller und Importeure zu, sondern verlangt zukünftig durch Überprüfung in akkreditierten chinesischen Labors, die Einhaltung der China-RoHS nachzuweisen. Heiko Schmidt, SGS Germany, rät, die chinesischen Richtlinien nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Markt&Technik: Was sind die wesentlichen Unterschiede im Vergleich zur EU-Richtlinie?

Heiko Schmidt: Der Geltungsbereich der China-RoHS ist bedeutend weiter gefasst, und die Regulierungen sind strikter, als in der europäischen RoHS-Richtlinie 2002/95/EG. So sind z. B. Medizinprodukte und  Kontrollinstrumente, Bauteile und Komponenten, aber auch ortsfeste Installationen und Verpackungsmaterialien, von China-RoHS betroffen. Ferner gibt es eine Produktkennzeichnungspflicht, die seit März 2007 in Kraft ist. Ein wesentlicher Unterschied zur EU-Richtlinie ist, dass die Ecksteine der China-RoHS bereits heute mit Einführung der Gesetzgebung in China durch technische Normen weiter beschrieben und im Detail festgelegt sind. Insgesamt drei dieser acht technischen Normen liegen bereits heute vor! Weitere Normen sind als Draft verfügbar. Chinesische Exportwaren sind von den neuen Regelungen in China nicht betroffen.

Was bedeutet das für betroffene Firmen? Welche Vorgehensweisen sind ratsam?

Unternehmen, die festgestellt haben, dass sie von der neuen Regelung betroffen sind, sollten die seit März 2007 gültige Kennzeichnungspflicht ernst nehmen. Hierzu ist ein detailliertes Wissen über die eigene Produktzusammensetzung erforderlich. Wer in der Vergangenheit fleißig Konformitätsaussagen seiner Zulieferer gesammelt und selbst wenig geprüft hat, mag sich, bedingt durch China-RoHS, zukünftig einem steigenden Prüfbedarf ausgesetzt sehen. Insbesondere Hersteller, die nicht ausschließen können, dass sie einen oder mehrere der regulierten Stoffverbindungen unterhalb der geforderten Grenzwerte weiterhin verwenden, sind zum Handeln aufgefordert. Wie die Kennzeichnung auszusehen hat und welche Informationen in der Bedienungsanleitung enthalten sein müssen, ist in den betreffenden Normen beschrieben. In China tätige Unternehmen, die zunächst nicht von der China-RoHS betroffen sind, sollten jedoch nicht den Fehler begehen, die weiteren Entwicklungen aus dem Auge zu verlieren.

Angeblich sind ja noch nicht alle Anforderungen auf dem Tisch. Und erst im zweiten Schritt müssen die Grenzwerte tatsächlich eingehalten werden. Womit muss zukünftig noch gerechnet werden

Das ist richtig. Die Implementierung der China-RoHS erfolgt in zwei Schritten. Der jetzt erfolgte Schritt 1 umfasst die Kennzeichnung von China-RoHS-betroffenen Produkten. Erst im zweiten Schritt wird dann die Einhaltung der Grenzwerte sowie der Nachweis darüber definiert und verpflichtend eingeführt. Erst im zweiten Schritt reden wir also über den Nachweis der Einhaltung mittels Überprüfung der Produkte in einem »anerkannten«, akkreditierten chinesischen  Labor. Wir gehen davon aus, dass keine ausländischen Prüfgesellschaften im Rahmen der China-RoHS-Gesetzgebung akkreditiert werden. Wir sprechen hier also über eine verpflichtende Prüfung der Produkte in China. Der finale Produktkatalog liegt noch nicht vor, es ist jedoch davon auszugehen, dass die zweite Phase Anfang 2008 in Kraft treten wird. Ab diesem Zeitpunkt ist eine RoHS-Zertifizierungspflicht für bestimmte Waren in China in Kraft.

Gelten die gleichen Ausnahmen wie in der EU?

Nach derzeitiger Planung, und nach meinem derzeitigen Kenntnistand, soll es im Gegensatz zur EU-Richtlinie keine Ausnahmen geben. So fallen bereits heute Geräte der WEEE-Kategorien 8+9, Bauteile und Komponenten, also auch die »fixed installations«, die ortfesten Installationen, unter die China-RoHS-Regelungen.