Weg von zentraler Massenproduktion 3D-Druck bietet Chancen für Nachhaltigkeit 2.0

Mittels 3D-Druckern lassen sich immer mehr Produkte dezentral herstellen. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung hat nun eine Ökobilanz für den 3D-Druck aufgestellt. Ziel dabei war es herauszufinden, ob der Wandel der Produktionskulturen Chancen zur Entlastung der Umwelt bietet.

Die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung nimmt großen Einfluss auf die Produktion und den Konsum. Unter anderem durch 3D-Drucker bildet sich ein Trend weg von der zentralen Massenproduktion. Welche ökologischen Vorteile durch die neuen Technologien entstehen können, hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gemeinsam mit Partnern untersucht. In der Studie „Dezentrale Produktion, 3D-Druck und Nachhaltigkeit“ zieht das Institut den Schluss, dass durch die Dezentralisierung zwar Chancen entstehen, die jedoch nicht überbewertet werden sollten.

Neue Marktteilnehmer könnten in der Lage sein, Produktionsmittel wie 3D-Drucker so einzusetzen, dass sich soziale und ökologische Vorteile erschließen. Hier kommt der Maker-Bewegung eine entscheidende Rolle zu, die auf Kreativität statt auf große Fabriken setzt. Auch wäre es möglich, dass eine Renaissance der Do-it-Yourself-Mode einen gewissen Einfluss hat.

„Zukünftig werden immer mehr Produkte dezentral am 3D-Drucker hergestellt“, kommentiert Ulricht Petschow, der Hauptautor der Studie. „Doch diesen Trend als Hoffnungsträger für zukünftige Produktionssysteme zu sehen, wäre zu einfach. Wir zeigen in unserer Studie, dass die Dezentralisierung nur unter speziellen Bedingungen zu einer Entlastung der Umwelt aufgrund von weniger Ressourcen, Transport und Logistik führt.“

In der Studie wurden Anwendungsfelder untersucht, in denen 3D-Druck bereits heute zum Teil eingesetzt wird. Dazu gehört die Herstellung von Handyschalen sowie von Flugzeugersatzteilen. Am Beispiel Handyschale zeigten die Forscher, dass die Dezentralisierung der Produktion nicht zwingend zu einem geringeren Ressourcenverbrauch und sonstigen Umweltentlastungen führt. Im Fall von Flugzeugersatzteilen konnten plausible Möglichkeiten ausgemacht werden, bei denen eine dezentrale Produktion die Ökobilanz verbessert.

Die soziale und ökologische Nachhaltigkeit lässt sich laut der Studie insbesondere dann erhöhen, wenn Nutzer stärker innerhalb von Netzwerken zusammenarbeiten. Wikipedia und Linux können als Vorbilder herangezogen werden, wie gemeinschaftlich im offenen Austausch und ohne zentrale Steuerung zusammengearbeitet werden kann. „Solche Formen der Kollaboration gibt es in ersten Ansätzen auch im Bereich der materiellen Produktion. Wenn die Crowd beginnt, sich zur Herstellung von Waren zu vernetzen, demokratisiert sich die bisher monopolisierte Welt der Produktion. Es entsteht Wertschöpfung 2.0“, meint Petschow. „Die Herausforderung wird sein, diese neuen Möglichkeiten konsequent für eine Nachhaltigkeit 2.0 zu nutzen.“