Interview mit Gustav Erl, TDK-Lambda »Zwei wichtige Märkte für uns sind Home Care/Medical und Lighting«

Gustav Erl, General Manager von TDK-Lambda Germany GmbH: »Wir möchten neue Märkte erschließen. Vor allem der Produktbereich mit Leistungen von 100 bis 250 W ist ein wachsender Markt, in den wir investieren wollen.«
Gustav Erl, General Manager von TDK-Lambda Germany GmbH: »Wir möchten neue Märkte erschließen. Vor allem der Produktbereich mit Leistungen von 100 bis 250 W ist ein wachsender Markt, in den wir investieren wollen.«

Ende September hat der Stromversorgungs-Spezialist TDK-Lambda 125 neue Vertreter seines Produktportfolios vorgestellt. Im Interview mit Elektronik sprach Gustav Erl, General Manager der TDK-Lambda Germany GmbH, über Vertriebswege und Wachstumsmärkte in Europa.

Im letzten Jahr hat TDK-Lambda Vertriebsbüros in der Schweiz und in Dänemark eröffnet. Welche Intention steckte dahinter?

Gustav Erl: Im vergangenen Jahre haben wir analysiert, in welchen Märkten wir besonders stark sind und wo noch Wachstumspotenzial vorhanden ist. Wir haben erkannt, dass wir in Gebieten, die wir ausschließlich über Distributoren bedienen, wie es in Skandinavien und auch der Schweiz aktuell der Fall ist, einen Marktanteil von rund fünf Prozent haben. Um diesen zu erhöhen, haben wir beschlossen, dort den Direktvertrieb einzuführen. Weitere Recherchen haben ergeben, dass in den Märkten Schweiz und Skandinavien auch in Zukunft ein hohes Wachstum zu erwarten ist, mehr als in Osteuropa.

Apropos Osteuropa: Spüren Sie Auswirkungen der Russland/Ukraine-Krise?

Gustav Erl: Wir betreuen Russland über Distribution, die allerdings über Israel und nicht direkt über die deutsche GmbH gesteuert wird. Meine Kollegen berichten mir, dass wir und auch der Markt in diesen Gebieten im letzten Jahr 15 Prozent verloren haben. Über unsere deutschen Kunden, die eventuell durch Sanktionen oder auch durch den Maschinenbau-Export nach Osteuropa betroffen sind, haben wir noch keine Auswirkungen bemerkt. Bis jetzt ist noch nichts zu uns herübergedrungen, aber wir beobachten das natürlich weiter.

Wie groß ist der Distributionsanteil bei TDK-Lambda?

Gustav Erl: Generell sind wir sehr stark getrieben vom Direktvertrieb, das ist auch unsere Strategie. Prozentual betrachtet sind 75 Prozent Direktvertrieb und 25 Prozent Distribution.

Sind nach der Schweiz und Dänemark weitere Expansionen geplant?

Gustav Erl: Im Moment möchten wir diese Märkte nach vorne bringen, daher sind personell keine weiteren Expansionen geplant. Jetzt möchten wir neue Märkte erschließen, z.B. die Bereiche Low-Power, Medical und Home Care. Vor allem der Produktbereich mit Leistungen von 100 bis 250 W ist ein wachsender Markt, in den wir investieren wollen. Der Vertrieb ist gut aufgestellt, jetzt geht es darum, in Produkte zu investieren.

Welche Wachstumsmärkte sehen Sie in Deutschland und Europa?

Gustav Erl: Zwei wichtige Märkte für uns sind Home Care/Medical und Lighting, sprich: der LED-Sektor. Laut Prognosen ist letzterer einer der größten Wachstumsmärkte der Stromversorgungsindustrie. Dort bedienen wir jedoch nicht den Low-Cost-LED-Treibermarkt, sondern konzentrieren uns auf den professionellen Industriemarkt, in dem Hochleistung benötigt wird, z.B. bei Tunnelbeleuchtungen oder Verkehrsleitsysteme.

Welchen Stellenwert hat der Automotive-Markt bei TDK?

Gustav Erl: Ein riesiger Markt, allerdings hat TDK-Lambda anders als unser Mutterunternehmen TDK kein Produkt, das im Fahrzeug direkt verbaut ist. Wir kümmern uns um das „Drumherum“, beispielsweise in Fertigungsstraßen und Prüfeinrichtungen für die Zulieferindustrie. Gerade in der Test- und Prüftechnik sind wir mit unseren regelbaren Labornetzgeräten ein wichtiger Partner. Vor allem in den Bereichen Batteriesimulation oder Batterieersatz, sprich: wenn Fahrzeuge getestet werden und noch keine Batterien im Fahrzeug verbaut sind, ist TDK-Lambda mit seinen Produkten ganz gut aufgestellt.