Suntech-Pleite Sturz eines Schwergewichts

Auch in China gehen die ersten Lichter aus. Der einst weltgrößter PV-Hersteller Suntech ist pleite. Erstmals hat es ein großes chinesisches Unternehmen getroffen.
Auch in China gehen die ersten Lichter aus. Der einst weltgrößter PV-Hersteller Suntech ist pleite. Erstmals hat es ein großes chinesisches Unternehmen getroffen.

Mit Suntech an der Spitze haben sich die chinesischen Solarhersteller zu den größten der Welt aufgeschwungen. Das führte zu massiven Überkapazitäten, Preisverfall und einer Insolvenzwelle unter der Konkurrenz. Dieses Vorgehen ist Suntech selbst zum Verhängnis geworden aber auch die US-Strafzölle trugen dazu bei.

Am Ende konnte der einst weltgrößte Hersteller von Photovoltaik-Modulen seine Schulden nicht mehr bedienen. Die neun Gläubigerbanken stellten vor Gericht einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren. Zwei Tage später erklärte Wuxi Suntech mit 10.000 Mitarbeitern dann die Insolvenz.

Mit einem Marktanteil von 7,8 Prozent war Suntech noch 2011 der weltweit größte Hersteller von Photovoltaikmodulen mit einer ausgelieferten Leistung von rund 2 GW. Zum Vergleich, als 2008 das deutsche Unternehmen Q-Cells noch weltweite Nummer 1 war, lag deren Leistung bei rund 580 MW.

IHS-iSuppli-Analyst Mike Sheppard zufolge begann der Niedergang von Suntech bereits im Krisenjahr 2009, als sich die Stimmung in der Branche angesichts immer größerer  Lagerbestände und aufkommenden Geldsorgen verschlechterte.

Trotz dieser unklaren Aussichten setzte Suntech damals massiv auf Kapazitätsausbau, was schließlich dazu führte, dass das Unternehmen 2010 und 2011 größter PV-Modulhersteller wurde. Sheppard zufolge verpasste es Suntech dabei allerdings, sich vertikal aufzustellen, also die gesamte Wertschöpfungskette zu integrieren. Daher besaß Suntech keine eigene Waferfertigung, was dem Unternehmen unnötige Ausgaben bei gleichzeitig fallenden Modulpreisen bescherte. Der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge, hatte Suntech teure Langzeitverträge mit Silizium-Lieferanten unterschrieben.

 2009
20102011
Suntech6,7 %7,2 %7,8%
First Solar10,1 %6,3 %7,3 %
Yingli5,2 %4,9 %6,0 %
Trina Solar4,0%4,8 %5,6 %
Canadian Solar3,2 %3,7 %4,9 %
Die 5 größten Hersteller von Photovoltaik-Modulen nach ausgelieferter Kapazität.

Der Todesstoß für Suntech waren Sheppard zufolge allerdings die Strafzölle, welche die USA im Frühjahr 2012 gegen chinesische Hersteller verhängt hatte. Die Initiative für dieses Verfahren war von der US-Tochter von Solarworld ausgegangen. Aus Angst vor nachträglichen Zahlungen hätten daraufhin viele US-Investoren auf chinesische Module verzichtet. Suntech war bis dahin größter Anbieter in den USA mit einer installierten Leistung von 600 MW. Als Grund für die Strafzölle führte die »United States International Trade Commission« an, dass die chinesischen Module unter Wert verkauft und vom chinesischen Staat subventioniert würden.

Dass der chinesische Staat Suntech am Ende nicht mehr gerettet hat, zeigt IHS iSuppli zufolge, dass China seine Hersteller nicht mehr um jeden Preis unterstützen wird. Analyst  Stefan de Haan sieht darin aber auch eine Taktik. Mit Blick auf drohende europäische Strafzölle kann China mit dieser großen Pleite demonstrieren, dass es die Solarindustrie eben nicht zum Nachteil der internationalen Wettbewerber subventioniert. Damit könnte China etwas Druck aus dem europäischen Anti-Dumping-Verfahren nehmen.

Den Marktforschern zufolge geht die Konsolidierung des Photovoltaik-Marktes also weiter, denn das Hauptproblem bleibt auch nach der Suntech-Pleite bestehen: massive Überkapazitäten. Trotz allem erwarten die Marktforscher noch in diesem Jahr eine Wende hin zu einer Preisstabilität, da der Markt nach wie vor wächst.