Fokussierung auf das Kerngeschäft Siemens, der Elektrifizierer

Im Prozess der Fokussierung auf das Kerngeschäft "Elektrizifierung" trennt sich der Konzern nach und nach von wesentlichen Geschäftsbereichen.

Die Bieterschlacht um den französischen Konzern Alstom scheint im vollen Gange. Bis zum 23. Juni 2014 erwartet der amerikanischen Elektrokonzern GE eine Antwort auf sein Angebot. Siemens prüft noch die Optionen, wird sich aber nach dem Vernehmen nach ein belastbares Angebot abgeben.

Allerdings wird es Staatspräsident Hollande nach dem bergrutschartigen Sieg von Le Pen bei der Europawahl kaum wagen, eines der wichtigen Unternehmen des Landes in fremde Hände zu geben. Schon zehn Tage vor der Europawahl hatte die französische Regierung ein Dekret veröffentlicht, das dem Staat Einfluss auf ausländische Investitionen in französische Firmen aus bestimmten Branchen gibt. Und zu diesen Branchen zählen eben die Bereich Energie und Transport. Nach Ansicht der Neuen Zürcher Zeitung (vom 26. Mai 2014) war „die Nachricht vom Alstom-Ausverkauf Wasser auf die Mühlen der Partei von Marine Le Pen. Unmittelbar nach der Europawahl brachte Wirtschaftsminister Arnoud Montebourg einen Plan C ins Gespräch: eine einheimische Lösung.

Siemens geriet ohnehin nur durch die guten Kontakte des Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme zu Jean-Louis Beffa, Aufsichtsratsvorsitzender der französischen Baukonzerns Saint-Gobain, in die Bieterschlacht mit GE. Das Szenario eines Gegengeschäftes „Energiewirtschaft gegen Bahntechnik“ mit Alstom kam allerdings der Vorstellung des Siemens-Vorstandschefs entgegen. „Siemens ist eine Elektrifizierungsfirma“, hatte Joe Kaeser bei seiner Amtseinführung klargestellt. Unter dieser Leitlinie trennt man sich von seinem Anteil an der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH und wirft das Bahngeschäft ohne langes Überlegen für eine Akquisition im Kerngeschäft in die Waagschale.

Unabhängig vom Ausgang der Alstom-Geschichte werden die Optionen für Joe Kaeser weniger, der Handlungsspielraum verengt sich. Sein Unternehmen hat er in die drei Bereiche „Elektrifizierung“, „Automatisierung“ und „Digitalisierung“ gegliedert, von den bisher 16 Geschäftsbereichen (Divisions) blieben neun übrig. Der Rückbau der von seinem Vorgänger Peter Löscher aufgesetzten Überstruktur kostet natürlich Arbeitsplätze und setzt neben dringend benötigten Ressourcen auch Ängste bei den Betroffenen frei. Entsprechend große war die Aufregung in Deutschland, als Kaeser in den USA von 11.600 Jobs sprach, die auf dem Prüfstand stünden: 7.600 Stellen in den vier alten Sektoren und 4.000 in den sogenannten Cluster-Organisationen in den Regionen. Zurück in Deutschland wurde dann zurückgerudert: Man sein falsch verstanden worden.

Siemens geht offenbar konsequent den Weg der Fokussierung auf ein Kerngeschäft. Und so wird abzuwarten bleiben, wie sich die bisher stabile Automatisierungstechnik und der „Zukunftsbereich“ Digitalisierung künftig in das Schema eingliedern.