Marktanalyse Photovoltaik-Boom in Japan

Getrieben von hohen Einspeisevergütungen und abgeschalteten Atomkraftwerken soll sich Japan in diesem Jahr zum zweitgrößten Photovoltaik-Markt der Welt aufschwingen. Profiteur ist vor allem die einheimische Industrie wohingegen es ausländische Unternehmen auf dem japanischen Markt schwer haben.

Einer neuen Analyse des Marktforschungsunternehmens IHS iSuppli zufolge, wird Japan in diesem Jahr Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 5 GW installieren, was einem Plus von 120 Prozent im Vergleich zu 2012 entspricht. Damit wird das Land zweitgrößter Photovoltaikmarkt nach China, wo rund 6 GW installiert werden sollen. Auf den weiteren Plätzen folgen Deutschland, Italien und die USA.

Getrieben wird dieses Wachstum natürlich von hohen Einspeisetarifen, die aktuell bei 42 Yen pro kWh liegen, was derzeit knapp 34 Cent entspricht. Obwohl diese Tarife ab dem 1. April um 10 Prozent reduziert werden könnten, soll der Photovoltaik-Boom unverändert weiter gehen. Zum Vergleich: in Deutschland liegt die Einspeisevergütung für PV-Anlagen bis 10 kW derzeit bei 19,5 Cent.

Den Analysten von IHS iSuppli zufolge handelt es sich bei dieser Entwicklung um ein Konjunkturprogramm für die japanische Wirtschaft. Die einheimischen Unternehmen etwa verkauften ihre PV-Module und Wechselrichter mit hohen Gewinnmargen, obwohl sie in der Wettbewerbsfähigkeit international zurückfallen. So sei eine Photovoltaik-Anlage für ein Eigenheim in Japan etwa doppelt so teuer wie in Deutschland.

Für ausländische Unternehmen bleibt es indes schwer, auf dem japanischen PV-Markt Fuß zu fassen. Chinesische oder US-Unternehmen sind dort zwar mit ihren Produkten vertreten allerdings sind sie in der Minderheit. Außerdem müssen sie Partnerschaften mit japanischen Unternehmen eingehen. Als Grund dafür wird angeführt, dass japanische Kunden vor allem japanische Produkte kaufen wollen.

Noch schwieriger ist es für die ausländischen Wechselrichterhersteller. So gäbe es umfangreiche Vorgaben, etwa von der Zertifizierungsbehörde JET, durch welche die Produkte erst einmal verändert werden müssten, um zugelassen zu werden. Eine Folge davon ist, dass es derzeit Versorgungsengpässe bei den Wechselrichtern gibt, da die einheimischen Unternehmen die hohe Nachfrage offensichtlich nicht so schnell bedienen können.

Große Solaranlagen sollen Energieversorgung sicherer machen

Ein weiterer Grund für das hohe Wachstum in diesem Jahr sind aber auch größere Solaranlagen ab einer Leistung von 2 MW. Noch 2011 hatte solche Anlagen in Japan kaum eine Rolle gespielt, in diesem Jahr sollen sie etwa 25 Prozent des Marktes ausmachen. Die Regierung unterstützt diese Projekte, da sie damit die angespannte Energieversorgungssituation in Japan entlasten will. Medienberichten zufolge sind derzeit nur 2 von 50 Atomkraftwerken des Landes in Betrieb.

Dieser Trend zu großen PV-Anlagen könnte indes recht kurzfristig ausfallen und schon 2015 wieder vorbei sein. Der Grund ist, dass Japan schlichtweg die Flächen dafür fehlen.

Für die Photovoltaik an Bedeutung gewonnen haben im dicht besiedelten Japan aber auch die Dächer von Geschäftsgebäuden. Hier werden vor allem Systeme mit Leistungen zwischen 10 und 50 kW installiert. Neben den hohen Einspeisetarifen spielen hier auch der hohe Strompreis sowie die Energieknappheit eine Rolle.