Standards für eine gesunde Umwelt Mehr Nachhaltigkeit bei der Entwicklung von Stromversorgungen

Cradle-to-Cradle-Modell für umweltgerechtere Produktentwicklung.

Umweltgerechte Produktentwicklung geschieht nicht länger nur auf freiwilliger Basis. Manche Branchen verlangen zunehmend die Berücksichtigung von Umweltaspekten. Ist das Cradle-to-Cradle-Modell geeignet, um eine nachhaltigere Denkweise in der Stromversorgungsbranche zu etablieren?

Die Stromversorgungsbranche befindet sich auf einer nie enden wollenden Suche nach neuen Technologien, um die Energieeffizienz und die Sicherheit weiter zu verbessern und die Miniaturisierung voranzutreiben.

Beim Übergang von den vergoldeten Germaniumgleichrichtern vergangener Tage bis hin zu aktuellen Galliumnitrid- und Siliziumkarbidtechnologien haben Entwickler immer wieder die Fähigkeit bewiesen, effiziente Energieumwandlungsvorgänge zu optimieren und dabei immer anspruchsvollere Vorschriften einzuhalten. Schritt für Schritt hat die Branche Schaltungsarchitekturen entwickelt, die den Energiebedarf reduzieren und technische Verfahren entwickelt, um bis dato als unlösbar angesehene Probleme zu verbessern.

Wer hätte vor 20 Jahren geglaubt, dass sich Netzteile mit einer solch hohen Effizienz produzieren lassen, die zudem noch strenge Umweltauflagen einhalten? All diese Errungenschaften sind fantastisch. Doch genügen sie, um die wachsende Nachfrage am Markt zu befriedigen und die negativen Auswirkungen auf die Umwelt noch weiter zu verringern?

Kontrollierte Risiken

Technologie hat uns in die Lage versetzt, Außergewöhnliches zu vollbringen. Gleichzeitig hat sie die Welt verändert und die ökologischen Herausforderungen sind immer komplexer und globaler geworden. Dies erfordert, dass alle Branchen ihre Arbeitsweisen überdenken, insbesondere in Bezug auf eine gestiegene Verantwortung und die Beachtung von Umwelt- und Sozialthemen.

Dies ist die aktuell größte Herausforderung für die Stromversorgungsbranche. Obwohl neue Technologien bei der Reduzierung von CO2-Emissionen geholfen haben, erfordert es die unternehmerische und soziale Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility, CSR) in Verbindung mit internationalen Normen, dass viele der bisherigen Arbeitsweisen angepasst werden müssen. Aber auch die Frage, wie die Lieferanten die Umweltauflagen erfüllen und die damit verbundenen Risiken verwalten, ist ein wichtiges Thema.

Ein Beispiel hierfür ist die Umsetzung der Global-Risk-Management-Methodik nach ISO 31000. Sie war ursprünglich für politische Entscheidungsträger in Regierungen und großen Konzernen gedacht, um Risiken zu minimieren und die geschäftliche Integrität für die Aktionäre zu sichern. Heutzutage wird sie von vielen Unternehmen übernommen, beispielsweise von Unternehmen in der Medizinbranche.

ISO 31000 wird zu einem wichtigen Instrument, das Unternehmen dabei hilft, ihre ökologische Strategie zu entwickeln und eine bessere Kontrolle über die internen und externen Risiken zu erhalten. Die Norm wird beschrieben als »ein Prozess, der das Vertrauen schafft, um geplante Ziele mit einem akzeptablen Restrisiko zu erreichen«.

In der Zukunft wird sie zu einem wichtigen Bestandteil in Organisationen werden. Natürlich sind viele Netzteilentwickler mit dem Umgang von Risikomanagement-Bewertungen bereits vertraut, z. B. bei der Entwicklung von Stromversorgern für den Medizinbereich nach IEC 60601-1-3 oder von Stromversorgungen für anspruchsvolle Anwendungen in Industrien wie der Gas- und Ölindustrie. In den kommenden Jahren könnte die Nachfrage von OEM-Kunden im Stromversorgungsbereich in Sachen Risikomanagement vielleicht globaler werden.

Die soziale Verantwortung und die Auswirkungen auf die Umwelt wird dann bis hinunter auf die Ebene der einzelnen Lieferanten reichen. Dies setzt voraus, dass sich die Branche auf neue Arbeitsmethoden vorbereitet und einige der Geschäftsgrundsätze überdenkt, die bislang als in Stein gemeißelt gelten. Ist sie darauf vorbereitet?

 

Cradle to Cradle (C2C)

Das Cradle-to-Cradle-Konzept (auf Deutsch „von der Wiege zur Wiege“) ist die Vision einer abfallfreien Wirtschaft, bei der keine gesundheits- und umweltschädlichen Materialien mehr zum Einsatz kommen und alle Stoffe dauerhaft Nährstoffe für natürliche Kreisläufe oder geschlossene technische Kreisläufe sind.

Das vom deutschen Chemieprofessor, Verfahrenstechniker und Ökovisionär Michael Braungart und vom US-Architekten William McDonough entwickelte Modell ist nicht nur eine Ökovision. Vielmehr wird eine gesunde Umwelt als Basis für soziale Gerechtigkeit angesehen. Deshalb ist im Rahmen dieses Modells auch die soziale Seite der Rohstoffgewinnung zu prüfen.