Energiespeicher-Test im Bodensee Kugeln als Zwischenspeicher für Offshore-Windkraftanlagen

Am 9. November werden die Zwischenspeicher-Kugeln etwa 200 m vor dem Ufer in Überlingen in 100 m Tiefe abgelassen.
Am 9. November werden die Zwischenspeicher-Kugeln etwa 200 m vor dem Ufer in Überlingen in 100 m Tiefe abgelassen.

Die Windverhältnisse auf dem Meer sind optimal für Offshore-Windkraftanlagen: Sie können dort viel Strom erzeugen. Eine Zwischenspeicherung vor Ort war bisher jedoch nicht möglich. Doch die Erfindung von zwei Physik-Professoren könnte Abhilfe schaffen.

Bisher war es nicht möglich die großen Mengen Strom der Offshore-Windkraftanlagen vor Ort zu speichern. Das Projekt StEnSea (Stored Energy in the Sea) soll das nun ändern. Das mehrjährige Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert und kommt nun in die Erprobungsphase. Die Erfindung stammt von zwei Physik-Professoren der Universität Frankfurt und der Universität Saarbrücken und wurde vom auf Energiesystemtechnik spezialisierten Fraunhofer-Institut IWES in Kassel zusammen mit Partnern bis zur Anwendungsreife umgesetzt.

Ein Modell im Maßstab 1:10 mit rund 3 m Durchmesser wird am 8. November im Fährhafen von Konstanz in den Bodensee gebracht und am 9. November etwa 200 m vor dem Ufer in Überlingen in 100 m Tiefe abgelassen. Insgesamt soll es für vier Wochen getestet werden. »Auf dem Meeresboden installierte Pumpspeicherkraftwerke können in großen Wassertiefen den hohen Wasserdruck nutzen, um mit Hilfe von Hohlkörpern Stromenergie speichern zu können«, erläutert Horst Schmidt-Böcking, emeritierter Professor der Universität Frankfurt. Die Stromeinspeicherung beginnt, indem mit Strom über eine Elektropumpe Wasser aus der Kugel herausgepumpt wird. Anschließend strömt durch eine Turbine Wasser in die nun leere Kugel hinein und erzeugt über einen Generator Strom. Das Prinzip der Offshore-Energiespeicherung hat Schmidt-Böcking 2011 wenige Tage vor dem Fukushima-Unglück mit seinem Kollegen Dr. Gerhard Luther von der Universität Saarbrücken zum Patent angemeldet.

Laut den beiden Erfindern ist die schnelle Umsetzung ihrer Idee einem Bericht in der FAZ zu verdanken. Technik-Redakteur Georg Küffner stellte die Speicheridee in einem Artikel der Öffentlichkeit vor – zufällig am 1. April 2011. Viele Leser fassten das Konzept vermutlich zunächst als Aprilscherz auf. Fachleute von Hochtief Solutions in Frankfurt erkannten allerdings sofort die verborgenen Möglichkeiten. Innerhalb weniger Wochen konnte mit dem Betonbauspezialisten Hoch-Tief und den Meeresenergie- und Speicherspezialisten des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel ein Konsortium für eine erste Machbarkeitsstudie gebildet werden.