Interview mit Sebastian Thies, Elektrosil: »Know-how ist Teil unseres Leistungsspektrums«

Wie kann sich ein Distributor und Anbieter kundenspezifischer Produkte am Stromversorgungsmarkt differenzieren? Darüber und über den Einfluss von Trendthemen und die Auswirkungen von Richtlinien auf die Stromversorgung sprach das Fachmedium Elektronik mit Sebastien Thies von Elektrosil.

Elektrosil ist vor allem in den Bereichen Industrie, Automotive und Medizin tätig. Gibt es Märkte, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen?

Sebastian Thies: Wir sind in allen Märkten aktiv. Allerdings wird der Bereich Smart Home immer interessanter. Gerade aus diesem Bereich möchten immer mehr Kunden Entwicklungshilfe, z.B. für Netzteile mit sehr kleiner Bauform für Rollladensteuerung oder automatische Lichtsteuerung. Diese Netzteile sind zum Teil kleine Einlöt-Module, die in einem Lichtschalter oder in einer Unterputzdose integriert werden. Aufgrund des sehr kleinen verfügbaren Raums für diese Netzteile spielen hier ein hoher Wirkungsgrad und eine geringe Wärmeentwicklung eine große Rolle.

Smart Home ist ein Segment des Internets der Dinge. Welche Trends werden aus dieser Richtung noch kommen?

Thies: Im Moment ist es schwierig abzuschätzen, was noch kommen wird. In Deutschland wird viel über das Smart Home diskutiert, vor allem im Hinblick auf die wachsende Vernetzung und den Datenschutz. In Amerika ist man da schon weiter. Aber ich denke, dieser Markt wird auf jeden Fall noch wachsen.

In Bezug auf das vernetzte Heim: Müsste dann nicht auch die Stromversorgung kommunikationsfähig werden?

Thies: Im gewissen Maße schon. Die Frage ist aber, welche Informationen die Stromversorgung liefern soll. Fehlermeldungen? – Ist die Stromversorgung defekt, ist der Heim-Server schon abgeschaltet. Die Alterung eines Netzgerätes interessiert den Endverbraucher auch nicht. Spannend wäre, wenn der Anwender an den Kauf eines Ersatzgerätes erinnert würde, sollte sich das Netzgerät seiner durchschnittlichen Lebensdauer annähern. So könnten längere Ausfallzeiten vermieden werden.

Wäre ein Netzgerät interessant, das die Verbrauchsdaten weitergibt?

Thies: Im Moment sind die Smart Meters, mit denen über das Internet Verbrauchsdaten abgerufen werden können, eher Geräte zum Vorschalten. Aber es wäre durchaus denkbar, dass die Datenerfassung ins Netzgerät integriert wird und Verbrauchsdaten zur Verfügung stellt. Aber das ist auch eine Kostenfrage: Jede Extrafunktion zahlt der Kunde mit. Außerdem würde es zu Lasten der Bauform gehen und der Trend geht eher in Richtung immer kleinerer und kompakterer Bauformen.

Natürlich muss auch die zusätzliche Leistungsaufnahme beachtet werden: Jede zusätzliche Elektronik wird potenziell die Leistungsaufnahme des Netzgeräts erhöhen. Im Moment wird jedoch versucht, die Leerlaufleistung eines Netzgeräts zu minimieren. In den USA gilt ab nächstem Jahr eine neue Energiesparrichtlinie. Zwar zählt diese nur für externe Geräte, doch möchten bereits jetzt viele Kunden, dass auch ihre Einbau-Netzteile diese Richtlinien erfüllen.

Also wird der Markt stark von diesen Richtlinien getrieben?

Thies: Definitiv. Zum Teil sind diese Richtlinien aber auch sehr kompliziert. Viele Kunden benötigen z.B. sehr lange DC-Anschlussleitungen an ihrer externen Stromversorgung. Solche langen Kabel erhöhen allerdings die Leistungsaufnahme im Standby. Hier gilt es eine Lösung zu finden, damit die Stromversorgung trotz der Kabellänge noch die Energiesparrichtlinie erfüllt. Das macht die Entwicklung teilweise sehr komplex.

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