Studie der Uni Halle Kaum Lärmbelästigung durch Windparks

Windkraftanlagen sind hohen Belastungen ausgesetzt. Aus dem Betrieb, z.B. durch das Getriebe oder den Fliehkräften der Rotorblätter, aber auch durch das Wetter, z.B. bei kräftigem Wind und Sturmböen, sind die Stromerzeuger Vibrationen bzw. Schwingungen ausgesetzt. Hersteller beachten das bereits in der Entwicklung. <br />Das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF verfolgt einen anderen Ansatz: Sie erzeugen mit Hilfe von Aktorik zusätzliche Kräfte und kompensieren so die in der Struktur vorhanden Schwingungen.
Eine Studie der MLU zeigt, dass die Belästigung durch Windparks eher gering ist. Anhaltender Stress resultiert eher aus der Genehmigung- und Bauphase der Anlage.

Windparks sind laut und machen krank - das ist die häufigste Begründung von Anwohnern, die sich gegen Windkraftwerke in der Nachbarschaft wehren. Die Universität Halle hat da nun in einer Studie untersucht - mit überraschendem Ergebnis.

Soll irgendwo eine neue Windkraftanlage entstehen, gehen die Anwohner oft auf die Barrikaden. Die Windparks sollen rauschen und fauchen und so die Anwohner um ihren Schlaf bringen. Die Umweltpsychologen Prof. Dr. Gundula Hübner und Dr. Johannes Pohl von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, kurz: MLU, nahmen diese Beschwerden zum Anlass und untersuchten gemeinsam mit dem Deutschen Windenergie-Institut, kurz: DEWI, von 2011 bis 2014 die Lärmbelästigung der Anwohner durch den Windpark im niedersächsischen Wilstedt.

In ihrem Abschlussbericht kommen die Forscher nun zu dem Ergebnis, dass sich nur 10 Prozent der Befragten durch die Geräusche stark belästigt fühlen. Die Umweltpsychologen erklären, dass der Lärm eines Windparks im Allgemeinen mit Verkehrsgeräuschen vergleichbar sei, landwirtschaftliche Fahrzeuge mit Ballonreifen würden mehr Lärm verursachen. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass 16 Prozent der Befragten Stressbeschwerden wegen des Verkehrslärms hatten.

Genehmigungs- und Bauphase sorgt für anhaltenden Stress

Rund 200 Anwohner wurden für die Studie über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren wiederholt befragt, zu welchen Zeiten, ob und wie sich der Windpark auf ihren Alltag, ihren Schlaf und andere körperliche und psychische Bereiche auswirkt. Laut Dr. Pohl war die Wahrnehmung der Befragten von mehreren Faktoren abhängig. So würde der Windpark nachts und bei bestimmten Windrichtungen störender wahrgenommen als in andern Situationen. Geräusche mit schwankendem Pegel werden als besonders lästig empfunden und häufig als pulsierendes Rauschen oder Fauchen beschrieben. Dr. Pohl erklärt das Phänomen: »Diese Geräusche werden als besonders störend erlebt, weil ihre Unregelmäßigkeit Aufmerksamkeit auf sich zieht.« Die Ursache dieser Amplitudenmodulation müsse durch weitere Forschungen geklärt werden.

Im Laufe des Untersuchungszeitraums nahm die Zahl der Personen ab, die sich durch die Geräusche des Windparks belästigt fühlten. Gegen Ende der Untersuchung waren es nur noch sieben Prozent, die wegen der Windenergieanlagen unter geräuschbedingten Stressbeschwerden wie Schlafproblemen oder Ärger und Gereiztheit litten.

Die Studie sagt weiterhin aus, dass die Nähe der eigenen Wohnung zum Windpark offenbar keinen größeren Einfluss auf die Wahrnehmung der Anwohner hätte. Allerdings resultiere aus einer Unzufriedenheit und Belastung während der Genehmigungs- und Bauphase auch anhaltender Stress.

Das Forschungsprojekt, in dessen Rahmen die Studie entstand, wurde von der Deutschen Stiftung Umwelt mit 142.000 Euro gefördert.

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Schwingungen von Windkraftanlagen aktiv begrenzen

Das Fraunhofer LBF möchte aus dem Betrieb und durch das Wetter erzeugte Schwingungen von Windkraftanlagen aktiv begrenzen.