Interview Elektromobilität als Wachstumsmotor für Lithium-Ionen-Akkus

Dr. Christoph Jäkel, Regional Director Battery Materials North America and Europe bei BASF.
Dr. Christoph Jäkel, Regional Director Battery Materials North America and Europe bei BASF.

So richtig ist die Elektromobilität noch nicht in Deutschland angekommen. Das soll sich aber bald ändern. Dieser Meinung ist auch der Chemiekonzern BASF, der sich in den letzten beiden Jahren ganz neu am Batteriemarkt positioniert hat. Wir sprachen mit Dr. Christoph Jäkel über die Pläne seines Unternehmens und wie er die weitere technische Entwicklung sieht.

Elektronik: Herr Dr. Jäkel, BASF und Batterien verbinden wahrscheinlich nur Branchenkenner miteinander. Können Sie unseren Lesern kurz sagen, welche Komponenten Sie dafür herstellen?

Dr. Christoph Jäkel: Eine moderne Batterie ist eigentlich nichts anderes als ein kleines chemisches Kraftwerk. Deshalb ist es nur logisch, dass die BASF als weltgrößtes Chemieunternehmen auch Lösungen für Batterien bietet. Allerdings sind wir in der Tat kein Batterieproduzent, sondern stellen in erster Linie Batteriematerialien her. Wir bieten momentan verschiedene Kathodenmaterialien und Elektrolytformulierungen für Lithium-Ionen-Batterien für Batterie- und Zellhersteller an. Daneben bietet die BASF auch Lösungen für die Zellrahmen von Batterien sowie deren Kühl- und Wärmemanagement.

Elektronik: Seit 2012 existiert die neue Geschäftseinheit „Battery Materials“. Im Laufe des letzten Jahres gab es einige Übernahmen von anderen Unternehmen oder Unternehmensteilen. Wie groß ist diese Geschäftseinheit derzeit  und was sind die Wachstumsziele?

Jäkel: Was die Umsätze angeht, bewegen wir uns momentan in der Größenordnung von 50 bis 100 Millionen Euro im Jahr 2013. Unsere Wachstumsziele sind aber natürlich deutlich höher. Bis 2020 erwarten wir, dass der Markt für Batterien im Feld Elektromobilität im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich liegen wird. Ein wesentlicher Anteil wird auf Kathodenmaterialien und Elektrolyte entfallen. Unser Potenzial im Jahr 2020 sehen wir in diesem Segment im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Elektronik: Welche Aktivitäten befinden sich hier in Deutschland?

Jäkel: Sowohl für unsere Elektrolytaktivitäten als auch für die Kathodenmaterialien ist Ludwigshafen das Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung. In diesem Bereich arbeiten dort rund 100 Mitarbeiter. In kleinem Maßstab stellen wir hier auch Elektrolyte zur Verfügung. Wir verfolgen für unser Batteriematerialgeschäft einen globalen Ansatz und wollen in allen Regionen der Welt präsent sein, sowohl was den Vertrieb, die Forschung oder die Produktion angeht. So haben wir zum Beispiel in Elyria im US-Bundesstaat Ohio im Herbst 2012 unsere neue Anlage zur Produktion von Kathodenmaterialien in Betrieb genommen und betreiben weitere Produktionsanlagen für Elektrolyte in Suzhou in China und im US-Bundesstaat Louisiana.

Elektronik: Welche strategische Bedeutung hat dieser Geschäftsteil für BASF, warum wurde er gegründet?

Jäkel: Die Performance von Batterien wird im Wesentlichen durch die eingesetzten Materialien bestimmt. Von ihnen hängen Leistung, Energieinhalt, Lebensdauer und Sicherheit der Batterie ab. Die Chemie kann hierfür optimierte Materialien entwickeln und produzieren. Der Anteil der Chemieindustrie an der aktuellen Entwicklung ist dementsprechend bereits groß und steigt auch künftig durch die Einführung neuer Hochenergiematerialien. Die Chemie wird einen entscheidenden Beitrag leisten, um Elektromobilität auf die Straße zu bringen. Dementsprechend groß ist die strategische Bedeutung dieses Geschäftsfelds für die BASF.

Elektronik: In Deutschland gibt es kaum eine nennenswerte Fertigung von Akkus oder Batterien. Wo werden Ihre Materialien denn eingesetzt?

Jäkel: Heute ist der Markt in erster Linie in Asien, also Japan, Korea und China, und es fahren nicht sehr viele elektrisch angetriebene oder elektrisch unterstützte Fahrzeuge auf deutschen Straßen. Wir sehen aber, dass die Elektromobilität auch und vor allem bei deutschen Automobilherstellern eine große Rolle spielt. Schauen Sie sich nur die Zahl der Modelle an, die schon heute im Markt verfügbar sind - jeder namhafte Hersteller ist dort vertreten. Dementsprechend sehen wir schon jetzt eine große Dynamik in dem Feld, sowohl in Deutschland, aber auch global. Wir stellen uns deshalb global auf, um die kommende Produktion der neuen Lithium-Ionen-Batterien auch weltweit unterstützen zu können.