Alternativer Standort für Windkraftanlagen Eine Brücke schlagen

Ein neuer Ansatz für On-Shore-Windkraftanlagen: Die Windturbinen werden unter Brücken und Viadukte montiert.
Ein neuer Ansatz für On-Shore-Windkraftanlagen: Die Windturbinen werden unter Brücken und Viadukte montiert.

Bevor eine Windkraftanlage gebaut wird, müssen einige Hürden genommen werden: Zu laut seien sie und verschandeln die Umgebung. Ein britisch-spanisches Forschungsteam hat nun eine alternative Standort-Idee: Brücken.

Entstehen irgendwo Windkraftanlagen, gehen Anwohner auf die Barrikaden: Sie sind laut und machen krank und verunstalten die natürliche Umgebung. Nicht selten entstehen in zwischen Betreibern und Anwohner zum Teil tiefe Gräben; ein Brückenschlag ist notwendig.

Das nahm ein spanisch-britisches Forscherteam u.a. mit Mitarbeitern der Kingston University London beinahe wörtlich und untersuchte einen neuen Ansatz für dicht verbaute oder schützenswerte Gebiete: Sie untersuchten, wie sinnvoll es ist, Windturbinen zur Stromgewinnung unter Brücken zu montieren. Am Beispiel einer Brücke auf den Kanaren stellten die Projektteilnehmer Modellrechnungen auf und diese zeigen, dass es sich dabei um eine praktikable Lösung handelt. Interessant ist dieser Ansatz der Unterbrücken-Windanlagen vor allem für Umgebungen, deren Bebauung schon zu dicht ist oder für Gegenden, die weitgehend naturbelassen werden müssen. Auch unter Autobahnbrücken wären solche Windturbinen möglich.

Juncal-Brücke als Standort-Beispiel

Wie schon erwähnt berechnete das Forscherteam die Idee an einem Beispiel, der Juncal-Brücke auf Gran Canaria. Die Computersimulation hierzu führte die Kingston University durch. Das Ergebnis: Zwei gleich große Turbinen mit je 0,25 MW könnten 450 bis 500 Haushalte mit durchschnittlichem Strombedarf versorgen. Damit wäre es möglich, 140 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einzusparen.

Die Forscher haben in ihren Simulationen angenommen, dass die Turbinen poröse Scheiben sind, um ihren Luftwiderstand zu ermitteln und verschiedene Anordnungen zu testen. Zwar gilt bei den Windkraftanlagen die Faustregel »je größer der Rotor, desto höher die Stromausbeute«, doch hat sich in der Simulation gezeigt, dass bei kleineren Turbinen die Leistungsrate pro Quadratmeter höher ist.

Geht man rein nach der Ausgangsleistung, so wäre laut den Untersuchungen zufolge eine Anordnung von 24 kleinen Turbinen der Variante mit zwei gleich großen Turbinen vorzuziehen, doch ist letztere am ehesten praktisch realisierbar. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass sich je nach Brücke oder auch Viadukt sehr spezifische Windpotenziale und somit Möglichkeiten zur Energiegewinnung bieten.

Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der Studie »Renewable and Sustainable Energy Reviews«. Gefördert wurde das Projekt von der Firma ZESCA.