Photovoltaik Bosch gibt auf

Früher Dieselpumpen, heute PV-Module: das neu umgerüstete Werk im französischen Venissieux stand für die erfolgreiche Ausrichtung auf neue Technologien. Jetzt wird es verkauft.
Früher Dieselpumpen, heute PV-Module: das neu umgerüstete Werk im französischen Vénissieux stand für die erfolgreiche Ausrichtung auf neue Technologien. Jetzt wird es verkauft.

Der Kahlschlag in der deutschen Solarindustrie geht weiter. Nun verabschiedet sich auch Bosch aus der Photovoltaik und gibt diesen Bereich auf. 3.000 Mitarbeiter sind betroffen.

Allein im letzten Jahr hat die Solarsparte Bosch einen Verlust von 1 Milliarde Euro beschert. Der Ausstieg kam also nicht gänzlich unerwartet. Trotzdem war immer wieder spekuliert worden, dass Bosch als nicht börsennotiertes Unternehmen einen längeren Atem als andere haben könnte. Doch offensichtlich waren diese Verluste auch für Bosch einfach zu hoch. Dazu dürfte kommen, dass derzeit wenig darauf hindeudet, dass sich die Situation in der Solarindustrie demnächst bessert.

Konkret will Bosch Anfang 2014 die Fertigung der gesamten Wertschöpfungskette für kristalline Photovoltaik einstellen bzw. verkaufen. Dazu gehört die Herstellung von Ingots und Wafern, die Fertigung von Zellen und Modulen sowie sämtliche Entwicklungs- und Vertriebsaktivitäten. Weiterhin soll das neue Solarmodulwerk im französischen Vénissieux verkauft werden, eine geplante Fertigung in Malaysia wird gar nicht erst gebaut. Außerdem will Bosch seine Anteile an der aleo solar AG verkaufen, zu der 850 Mitarbeiter gehören.

Einzig die auf Dünnschicht-Technik spezialisierte »Bosch Solar CISTech« in Brandenburg wird ihre Entwicklungsaktivitäten vorerst fortsetzen. Dazu gehören rund 150 Mitarbeiter.

Als Grund für den Ausstieg nannte das Unternehmen die anhaltenden Verluste, welche die Solarsparte dem Unternehmen beschert hatte. Neben dem Minus von 1 Milliarde Euro aus dem letzten Jahr,  hat das Solargeschäft seit Boschs Einstieg im Jahr 2008 Verluste von 2,4 Milliarden Euro erzielt.

»Trotz umfangreicher Maßnahmen zur Senkung der Herstellkosten im vergangenen Jahr konnten wir den Preisverfall von bis zu 40 Prozent nicht kompensieren«, sagte Dr. Stefan Hartung, Aufsichtsratsvorsitzender der Bosch Solar Energy AG und Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH mit Zuständigkeit für den Unternehmensbereich Energie- und Gebäudetechnik.

Die Solarbranche leidet aufgrund massiver Überkapazitäten und dem damit einhergehenden Preisverfall weltweit unter hohen Verlusten. Erst in dieser Woche konnte mit Suntech einer der größten chinesischen Solarhersteller seine Schulden nicht mehr bedienen und ist damit insolvent. Erst Ende letzten Jahres hatte Siemens seinen Ausstieg aus der Solarindustrie bekannt gegeben.