Energiespeicher Batteriestandort Deutschland?

Mit zahlreichen Projekten versucht Deutschland gerade den verlorenen Anschluss an die Spitze in der Batterietechnik zu schaffen. Mit dem Grundstein zum Bau einer Forschungsproduktionslinie für Lithium-Ionen-Akkus am ZSW in Ulm, ist ein neuer Baustein dazugekommen.

Früher war die Fachliteratur über Elektrochemie auf Deutsch, jetzt ist sie Englisch. Diesen Vergleich wählte Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas bei seiner Rede zur Grundsteinlegung des neuen Gebäudes am ZSW in Ulm (Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg).

Lukas ist Leiter der Abteilung »Schlüsseltechnologien – Forschung für Innovationen« im BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und in dem neuen Gebäude soll eine Forschungsproduktionslinie für Lithium-Ionen-Akkus entstehen.

Das Beispiel der Fachliteratur sollte zeigen, dass Deutschland den Anschluss verloren hat. Die Lithium-Ionen-Akkus in den Smartphones, Tablets oder Werkzeugen kommen heutzutage fast ausnahmslos aus Asien. Die Zellen werden in Japan, Südkorea oder China und nicht in Europa gefertigt.

Aber das soll sich ändern. Deutschland will aufholen. Ein Baustein dafür ist die Forschungsproduktionslinie am ZSW, der wohl größten Einrichtung zur Batterieforschung in Europa. Erst vor Kurzem hatten die Ulmer Forscher gezeigt, dass sie den Anschluss zumindest im Labor schon gefunden haben. So hatten sie einen Lithium-Eisenphosphat-Akku entwickelt, der 10.000 Ladezyklen aushält. Das hat wahrscheinlich weltweit noch niemand geschafft und die Materialien dafür  stammen von deutschen Unternehmen.

Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass es was werden könnte mit dem Anschluss an die asiatischen Hersteller. Das Basis-Wissen ist also da, was fehlt ist die Produktionstechnik. Und genau hier soll die Forschungslinie ansetzen. Dabei geht es allerdings nicht um kleine Akkus für die Konsumelektronik wie sie in Asien millionenfach vom Band laufen sondern um große, prismatische Akkus, wie sie derzeit noch niemand im großen Stil herstellen kann. Wenn die Produktion im Jahr 2015 anläuft,  sollen zuerst Akkus mit einer Kapazität von 20 Ah gefertigt werden. Zum Vergleich: der recht große Akku eines Tablets bringt es auf eine Kapazität von 8 Ah. Die Auslastung der 3.000 m² großen Anlage soll bei 300 Zellen am Tag liegen.

Mit dabei ist neben dem Bund und dem Land Baden-Württemberg auch das 2010 gegründete Kompetenznetzwerk Lithium-Ionen-Batterien (KLiB). Dort haben sich zahlreiche Unternehmen und Forschungseinrichtungen von der Materialforschung über die Produktionstechnik bis zum OEM wie Daimler oder BMW zusammengefunden. Ziel ist es, die »Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland in der Schlüsseltechnologie Lithium-Ionen zu stärken«, wie es das KLiB selbst formuliert. Die Mitglieder des KLiB können die Linie in Ulm nutzen und Herstellungsverfahren daran ausprobieren, bevor sie dann möglicherweise in die Massenfertigung übertragen.