Dr.-Wilhelmy-VDE-Preis Auszeichnung für neues Konzept zur Versorgungssicherheit

Der Anteil der erneuerbaren Energien steigt. Dadurch wird es zur Herausforderung, die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Mit diesem hochaktuellen Thema beschäftigt sich die prämierte Doktorarbeit von Dr.-Ing. Theresa Noll.

Für ein neues Konzept zur Versorgungssicherheit bei steigendem Anteil von Erneuerbare-Energien-Anlagen haben der VDE und die Dr.-Wilhelmy-Stiftung Dr.-Ing. Theresa Noll geehrt.

Die Wirtschaftsingenieurin erhielt für ihre Dissertation »Frequenzunterstützung durch den Einbezug von Anlagen aus dem Verteilnetz« den mit 3000 Euro dotierten Dr.-Wilhelmy-VDE-Preis. Die Arbeit setzt bei der Frage an, welchen Beitrag erneuerbare Energien zur Stabilität der Stromversorgung leisten können.

Das Wirkleistungsungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch im elektrischen Energiesystem wird in der Änderung der Frequenz sichtbar. Sinkt diese durch einen plötzlich auftretenden Kraftwerksausfall muss die Frequenz durch geeignete Mechanismen stabilisiert werden, damit Erzeugung und Verbrauch wieder im Gleichgewicht sind.

Im deutschen Stromnetz sind Erneuerbare-Energien-Anlagen, die über Umrichter mit dem Verteilnetz gekoppelt sind, derzeit nicht verpflichtet, einen Beitrag zu leisten, wenn die Frequenz sinkt. Ziel der Arbeit von Theresa Noll ist es, vorhandene EE-Anlagen in neue Regelungskonzepte einzubinden, damit auch sie bei sinkender Frequenz einen Beitrag zur Frequenzstützung leisten können.

Außerdem entwickelte die Preisträgerin ein Konzept, das den Wirkleistungsfluss an der Schnittstelle zwischen Übertragungs- und Verteilnetz durch EE-Anlagen regeln soll.

Die im Rahmen der Dissertation entwickelten Konzepte sind Bestandteil der internationalen Patentanmeldung und Absichtserklärung zur Erteilung für ein »System und Verfahren zur Regelung der Frequenz- und/oder Spannungshaltung aus dem Verteilnetz«.

Die Jury bewertete das Thema der Arbeit als hochaktuell, da die Ergebnisse einen sehr wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit bei steigendem Anteil an dezentralen Erzeugungsanlagen im Zuge der Energiewende liefern.

Über die Preisträgerin

Theresa Noll studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit der Vertiefung »Europäisches Energie-Management« an der TU Dortmund und war dort von 2010 bis 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft, das von  Prof. Dr.-Ing. Christian Rehtanz geleitet wird.

Ihre bisherigen Projekterfahrungen liegen im Bereich der Integration fluktuierender Einspeisungen in Stromnetze, der Modellierung und Bewertung von elektrischen Verteilnetzen und der zukünftigen Erbringung von Systemdienstleistungen. Damit leistete sie einen entscheidenden Beitrag bei der dena-Studie Systemdienstleistungen 2030 und der dena-Studie Momentanreserve 2030.

Seit September ist sie als Referentin bei innogy SE in Essen in der Sparte Netz & Infrastruktur tätig und verantwortlich für das Thema Systemanalysen.

Der Dr.-Wilhelmy-Preis

Den Elektrotechnik-Preis für Nachwuchswissenschaftlerinnen haben der VDE und die Dr.-Wilhelmy-Stiftung 2014 ins Leben gerufen. Neben einem herausragenden Promotionsabschluss muss die Dissertation eine hohe Bedeutung für die Wissenschaft oder den Wirtschaftsstandort Deutschland haben.

Der Preis wird ausschließlich an Elektroingenieurinnen vergeben, die das 35. Lebensjahr bei Abgabe ihrer Dissertation noch nicht überschritten haben. Die Dr.-Wilhelmy-Stiftung stellt für das Programm eine Fördersumme von jährlich bis zu 9000 Euro zur Verfügung; bis zu drei Preise pro Jahr werden vergeben. Für die Durchführung des Programms ist der VDE verantwortlich.