Kommentar Zumtobel setzt auf den Technologiewandel

Der Vorstand der Zumtobel AG tritt wegen unterschiedlicher Auffassungen bei der Ausrichtung der Strategie des Unternehmens zurück und der ehemalige Infineon-Vorstand Dr. Ulrich Schumacher übernimmt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Jörg Zumtobel jedenfalls sieht in der LED-Beleuchtungstechnik die Chance, sein Unternehmen weltweit aufzustellen und am Marktwachstum der neuen Beleuchtung zu partizipieren und hat gehandelt. Für Zumtobel ist Schumacher der richtige Mann: „Mit Ulrich Schumacher haben wir einen ausgewiesenen Technologie-Experten gewinnen können, der auf bemerkenswerte unternehmerische Erfolge zurückblicken kann. Unter seiner Führung wird sich die Zumtobel AG wieder verstärkt auf ihre langjährigen Erfolgsfaktoren – die starke technologische Orientierung einerseits und wegweisende ästhetische Kompetenz in Design und Architektur andererseits – fokussieren. Gerade in der wichtigen Phase des Technologiewandels hin zu LED und Elektronik ergeben sich für die künstliche Beleuchtung ganz neue Möglichkeiten für Funktionalität und Design. Diese Chancen heißt es konsequent zu ergreifen, um unsere Marktposition weiter auszubauen.“

Wir kennen nicht die Argumente, die die bisherigen Vorstände der Zumtobel AG, CEO Harald Sommerer und CFO Mathias Dähn, ins Feld geführt haben. Aber die Entwicklung eines Unternehmens mit neuen Produkten, die gegenüber der der eigenen eingeführten Produktlinie einen Technologiebruch darstellen und diese verdrängen sollen, ist eine schwierige Operation. Während die Umsätze der bisherigen Produktlinien zurückgehen, könnten u.U. die neuen Linien dies noch nicht kompensieren. Wie bei jeder Infrastruktur-Umstellung (Fiber to the home, Elektroautos, ISDN) koexistieren die konkurrierenden Verfahren zudem noch über lange Zeiträume miteinander. .

Eine Marktstudie von IMS Research schließlich weist auf eine Besonderheit des LED-Marktes hin: Während der Umsatz wegen der hohen Preise der LED-Leuchtmittel bis 2015 jedes Jahr um 30 Prozent steigen wird, sinken die Stückzahlen jedes Jahr um elf Prozent: wegen der zu erwartenden höheren Lebensdauern. Die Marktforscher gehen für eine Glühlampe von einer Lebensdauer von 1.000 Stunden aus, die LED-Variante bringt es auf 25.000 Stunden. Die sinkende Nachfrage soll bis etwa 2020 anhalten, danach bleiben die Stückzahlen konstant [1]. Die Folge: steigende Stückzahlen bei sinkenden Umsätzen. 

Schon Nils Bohr pflegte zu sagen: "Vorhersagen sind immer schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen." Die in der LED-Beleuchtungstechnik engagierten Unternehmen brauchen in jedem Falle einen langen Atem und viel Geschick bei der Bewältigung der Aufgabe, an der Entwicklung des LED-Marktes nachhaltig zu partizipieren. 

 

[1] IMS Research: The Incredible Shrinking A Lamp Market. 2012.