Trends 2018: Displays Manfred Sauer: »Wir wollen intelligente Displays schaffen«

LCD-Hersteller bringt Display-System auf den Markt.

Technologiegetriebene LCD-Hersteller müssen sich von der Konkurrenz aus China und Taiwan differenzieren. Bei Kyocera soll das 2018 mit intelligenten Display-Systemen gelingen.

Elektronik: Herr Sauer, seit April 2017 sind Sie Präsident von Kyocera Display Europe und sollen das LCD-Geschäft weiter vorantreiben. Welche Strategie verfolgen Sie?

Manfred Sauer: Bei der Entwicklung von neuen Display-Technologien haben sich die japanischen Hersteller aus meiner Sicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Ein Display ist ein Commodity-Produkt geworden. Wir suchen zu koreanischen und taiwanesischen Herstellern die Differenzierung in Form von Added-Value zum reinen Display.

Darum besteht unser Ansatz darin, die Innovationskraft der zentralen Kyocera-Entwicklungsabteilung in Yokohama auch für die Display-Entwicklung zu nutzen. Zur Differenzierung wollen wir ein intelligentes Display schaffen, also eines, das mehr kann, als die reine Informationsanzeige. Wir entwickeln Zusatzfunktionen wie zum Beispiel eine integrierte Gesichtserkennung, 3D-Features, Gestensteuerung und haptisches Feedback. Generell möchten wir weg von dem Display als Komponente und hin zum intelligenten Display-System. Das nötige Wissen und die Strukturen dafür sind im Unternehmen bereits vorhanden, zum Beispiel sind wir seit 2012 Tier-1-Lieferant für die Premium-Navigationssysteme von BMW.

Elektronik: Haben Sie als Display-Bereich denn Zugriff auf die gesamte Wertschöpfungskette des Konzerns?

Manfred Sauer: Ja, den haben wir. Es gibt zwar die historisch gewachsene klare Abgrenzung zwischen den ein¬zelnen Geschäftsbereichen, aber seit einigen Jahren sind wir dabei, dieses Silodenken zwar nicht gänzlich aufzubrechen, aber doch aufzulockern. Das Ziel dahinter ist natürlich das Heben von Synergien.

Gerade im Automobilbereich sind wir Konzernweit sehr breit aufgestellt. Wir decken hier beispielsweise Rückfahrkameras als Tier-1-Zulieferer in Japan ab und haben ein breites Portfolio an Sensorik und IR-Kameras. Alles zusammengenommen eine schlagkräftige Abteilung für den Automobilsektor. Ganz am Ziel sind wir noch nicht. Für die Entwicklung von intelligenten Display-Systemen sind die grundlegenden Technologien aber vorhanden.

Elektronik: Ihr Unternehmen fertigt Displays für den industriellen, den medizintechnischen und den Automotive-Bereich. Welche Marktfelder sind aktuell relevant und welche werden es Ihrer Meinung nach in fünf Jahren sein?

Manfred Sauer: Innerhalb der nächsten fünf Jahre erwarte ich keine grundlegenden Richtungsänderungen im aktuellen Kurs. Das Geschäftsfeld Displays bei Kyocera ist stark durch den Zukauf der Firma Optrex geprägt, die mit großen Kunden aus dem Consumer- und Automotive-Bereich gewachsen ist. Der erste Schritt war es dann, Consumer-Entwicklungen in den Automotive-Sektor zu qualifizieren. In den letzten Jahren ist es genau umgekehrt. Die Entwicklungen hin zu immer robusteren Displays im Automobilbereich werden jetzt für den industriellen Bereich übernommen. Dabei unterscheiden sich diese beiden Bereiche hinsichtlich der Temperatur- und sonstiger Anforderungen an die Komponenten gar nicht mehr so viel.

Dieser Weg, vom zuverlässigen Automotive-Produkt zum Industrie-Produkt schafft bei den Kunden sehr viel Vertrauen, wenn es um die Zuverlässigkeit bei rauen Betriebsbedingungen geht. Unsere Kernbereiche mit gehobenen Ansprüchen an die Zuverlässigkeit sind – jenseits der Automotive-Branche – Landmaschinen, Outdoor-Tablets, Medizinelektronik, Logistik, Fahrkartenautomaten, Fabrikautomation. Diese Bereiche werden sicherlich auch in fünf Jahren noch die Kernbereiche bleiben und auch das Prinzip, die Synergien aus unserer Tätigkeit im Automotive-Sektor zu schöpfen, werden wir fortführen.