Displays Kommt das E-Paper in die Industrie?

Auf der embedded world zeigen in diesem Jahr einige Aussteller E-Paper-Displays. Wir wollten einmal wissen, welche Anwendungen dafür in Frage kommen, und sprachen dazu mit Marc Corrigan vom taiwanischen Display-Spezialisten Densitron.

E-Paper kennt man bisher aus der Konsumelektronik, wo es in E-Book-Readern verwendet wird. Sie stellen E-Paper an Ihrem Stand aus. Gibt es denn überhaupt Anwendungen dafür in der Industrie?

Marc Corrigan: Eindeutig ja. Unser Partner Pervasive Displays fokussiert sich ausschließlich auf Industrie-Anwendungen. E-Paper kann in vielen Branchen eingesetzt werden, von der Maschinensteuerung bis zu medizinischen Geräten. Der größte Einsatzbereich sind momentan ESELs (Electronic Shelf Edge Labels), also elektronische Preisschilder in Supermärkten. Wir sehen allerdings noch viele weitere Märkte, z.B. als Ersatz für bedrucktes Papier in der Logistik oder bei Post-Systemen, aber auch in der Beschilderung in Krankenhäusern, Hotels und Museen. Eine weitere Anwendung sind Handheld-Geräte, die oft draußen verwendet werden, da E-Paper die Batterien kaum belasten und auch bei Sonnenlichteinstrahlung perfekt lesbar bleiben.

Was sind Ihrer Meinung nach weitere Vorteile eines E-Paper-Displays im Vergleich zu einem LCD?

Marc Corrigan: E-Paper-Displays benötigen nur Leistung, wenn sich der Bildschirminhalt ändert. Ansonsten bleibt er quasi endlos erhalten, auch wenn die Stromversorgung komplett getrennt wird. Die Optik und Lesbarkeit sind sehr viel besser als bei monochromen LCDs oder anderen bistabilen Techniken. Sie sind unabhängig vom Blickwinkel, können ausgezeichnet Graustufen darstellen und bieten einen Kontrast, der mit bedrucktem, weißem Papier vergleichbar ist. Da E-Paper eine reflexive Technik ist, ist die Lesbarkeit bei Sonneneinstrahlung ausgezeichnet, was ein wesentlicher Vorteil gegenüber transmissiven TFT-LCDs ist.

Wie unterscheidet sich die Ansteuerung eines E-Paper-Displays im Vergleich zu einem TFT-LCD?

Marc Corrigan: Die Ansteuerung ist im Prinzip sehr ähnlich, da ein E-Paper-Display ja grundsätzlich auch auf einem TFT-Substrat aufbaut. Dafür gibt es die entsprechenden T-Con-Boards oder Chips, die dem Kunden zur Verfügung gestellt werden. Densitron bietet einfach zu bedienende Evaluation-Kits an, um dem Kunden die Entwicklung seiner Ansteuerung zu erleichtern.

Wann wird es farbige E-Paper-Displays geben?

Marc Corrigan: E-Paper mit einer zusätzlichen Farbe zu Schwarz und Weiß wie z.B. Rot ist heute schon machbar und steht kurz vor der Serieneinführung. Eine vollfarbige Technik ist aktuell noch Zukunftsmusik.

Densitron auf der embedded world 2014: Halle 1, Stand 155