Visible Light Communication Ist Li-Fi eine Alternative zum Funk-WLAN?

Der erste Praxistest mit einem optischen WLAN-System ist beendet. Das Fraunhofer HHI zieht ein positives Fazit: Die Technik werde bald einen Platz in unserem Alltag finden.

Vor mehr als zwei Jahren wurde ein Konferenzraum mit der Li-Fi-Technik bzw. Visible Light Communication (VLC) ausgestattet. Das Projekt wird vom Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik (HHI) und der Mainau GmbH auf der Insel Mainau (drittgrößte Insel im Bodensee) durchgeführt und läuft unter dem Namen »VLC Mainau«. Es ist die erste Installation eines optischen WLAN-Systems in Deutschland jenseits eines Labors. Auch weltweit gibt es nur wenige Feldtests dieser Art mit der Li-Fi-Technik, die das 2011 gegründete Li-Fi-Konsortium gerne als Alternative zur funkbasierten, drahtlosen Datenübertragung über kurze Distanzen etablieren möchte. Überall dort, wo die Funktechnik innerhalb von Gebäuden aufgrund von gesundheitlichen Bedenken, EMV-Anfälligkeit oder auch Aspekten der Datensicherheit nicht eingesetzt werden soll, bietet sich prinzipiell eine Nische für alternative Techniken.

Dass Li-Fi sich in solchen Nischen auch darüber hinaus verbreiten wird, davon ist der Projektleiter am Fraunhofer HHI, Dr. Anagnostis Paraskevopoulos, nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts überzeugt. »Wir blicken heute auf ein Jahr kontinuierlichen, fehlerlosen Betrieb der Systeminstallation zurück«, resümiert der HHI-Forscher. Neben der technisch einwandfreien Umsetzung stimmen ihn auch die Rückmeldungen der Anwender optimistisch: »Die sehr positiven Nutzerreaktionen zeigen, dass diese Technologie einen Platz in unserem Alltag finden wird«.

Das Li-Fi-System überträgt mit gewöhnlichen RGB- oder auch RGBW-LEDs als Sender ca. 1 Gbit/s. Das reicht für eine ruckelfreie Wiedergabe von HD- und 4K-Videos. Mit einigen Modifikationen sind laut Paraskevopoulos auch 3 Gbit/s möglich. Eine genauere Beschreibung der Technik enthält dieser Beitrag.

Der Einsatz von Li-Fi zur Datenübertragung sehen einige am Projekt beteiligte Parteien auch als Investition in eine strahlungsärmere mobile Kommunikation an, wie die Geschäftsführerin der Mainau GmbH, Bettina Gräfin Bernadotte. Gefördert wird es vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. In die Wege geleitet und koordiniert wurde es durch die Initiative BodenseeMobilfunk, die sich für eine verstärkte Untersuchung der gesundheitlichen Auswirkungen der Funktechnik auf den Menschen einsetzen.