Kommentar Der Niedergang der Optoelektronik

Die Märkte, deren Basiskomponenten alle auf der von Einstein 1905 in seinem Aufsatz - Ueber einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt - gegebenen Erläuterung des lichtelektrischen Effekts beruhen, tragen mit ihren Milliardenumsätzen wesentlich zum Erfolg der High-Tech-Industrie bei.
Die Märkte, deren Basiskomponenten alle auf der von Einstein 1905 in seinem Aufsatz - Ueber einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt - gegebenen Erläuterung des lichtelektrischen Effekts beruhen, tragen mit ihren Milliardenumsätzen wesentlich zum Erfolg der High-Tech-Industrie bei.

Als vor mehr 40 Jahren die ersten LEDs auf dem Markt erschienen, waren das nicht mehr als kleine rote Lichtpunkte. Aber die einfache Umwandlung von elektrischem Strom in Licht hatte die Elektroniker in Aufbruchsstimmung versetzt.

Eine der ersten Anwendungen in der Schaltungstechnik war der Optokoppler, mit dem sich Impulse und im begrenzten Umfang auch Analogsignale über Isolationsbarrieren hieven ließen.Damit wurde das für die Auslegung von Impulstrafos mühsam erworbene Know-how  wertlos. Das breite Publikum wurde in den 70er Jahren mit den roten LEDs durch die 5x7-Dot-Matrix in den frühen Taschenrechnern (hp 25, TI 30) bekanntgemacht. Nur kurze Zeit nach der LED wurde auch die Laser-Diode vorgestellt, eine Basiserfindung, mit der dann 1978 die CD als Datenträger möglich wurde. Die kürzlich vorgestellten grünen Laser-Diode machen den Weg frei Pico-Projektoren. Aber es gibt auch "passive" optoelektronische Bauelemente: Der Fotowiderstand ist das Basisbauelement für die frühen Belichtungsmesser, der Fototransistor bildet das Gegenstück im Optokoppler und die Flüssigkristallzelle läutete, auch in den 1970er Jahren mit den ersten Sieben-Segment-Anzeigen das Zeitalter der Flachdisplays ein.

Bemerkenswert dabei ist, dass die neu entwickelten Bauelemente der Optoelektronik immer wieder die Tür zu einer neuen Anwendung öffneten: die Kleinleistungs-LED (rot) den Dot-Matrix-Anzeigen, die LC-Zelle den Flachbildschirmen, die Solarzelle den erneuerbaren Energien, die ortsauflösenden Bildsensoren in CCD-Technologie der digitalen Fotografie, die weiße HL-LED der Beleuchtungstechnik (allgemeine Beleuchtung und Automobil). Die TV-Displays auf LC-Basis haben sich zu Märkten mit Produktionsziffern von mehr als 200 Mio. Stück jährlich entwickelt, ohne die Laser-Diode wäre die optische Nachrichtenübertragungstechnik von heute nicht denkbar.

Auf diesem Wege aber ist die der Begriff der Optoelektronik als gemeinsames Band um die Entwicklungen und Produkte untergegangen in den eigenständigen Märkten Displays, Beleuchtungstechnik, Laser, Fototechnik und Solartechnik. Von Optoelektronik spricht dabei niemand mehr. Selbst die Wissenschaft hat für das Forschungsgebiet der Wechselwirkung zwischen Elektronen und Licht ein neues Schlagwort parat: die Photonik. Nicht zurück- aber übriggeblieben sind der Optoelektronik auf diesem steilen Weg der wissenschaftlich technischen Entwicklung der Optokoppler und einige einfache Sensoren.

Als Fachmedium aber halten wir an der alten Klassifizierung fest; denn keine andere Disziplin bietet wie die Optoelektronik die Möglichkeit, über neueste Entwicklungen an der Schwelle zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und technischer Umsetzung berichten zu können. Dass diese auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung sein können, hat sich in der Vergangenheit (s.o.) häufig genug erwiesen.

 

Dr. Jens Würtenberg
Redaktion Elektronik

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