Elektronik-Interview Das LCD wird zum HMI

Die technische Weiterentwicklung von LCDs stößt laut Eberhard Schill bald an ihre Grenzen. Der Nutzen für den Anwender wird auf anderem Wege gesteigert.
Die technische Weiterentwicklung von LCDs stößt laut Eberhard Schill bald an ihre Grenzen. Der Nutzen für den Anwender wird auf anderem Wege gesteigert.

OLED-Displays sind in aller Munde, Kyocera setzt aber weiterhin auf LCDs. Die lassen sich technisch nicht mehr wesentlich verbessern, dafür aber mit zusätzlicher Sensorik ausstatten. Bald wird aus dem LCD ein sehr umfangreiches HMI, sagt Eberhard Schill von Kyocera Display.

Herr Schill, viele Hersteller investieren in die Produktion von OLED-Displays. Wann wird es ein OLED-Display von Kyocera geben?

Eberhard Schill: Das Thema OLED beobachten wir selbstverständlich, aber eher als Außenstehender. Wir sehen darin nicht unbedingt die Schlüsseltechnik der Zukunft. Inzwischen gibt es vielversprechende Ansätze für Nachfolgetechnologien. Da wir in der Vergangenheit aber schon einmal OLEDs entwickelt haben, können und werden wir auch wieder in diese Technik einsteigen, wenn wir das Gefühl haben, dass es notwendig werden sollte. Im Moment gibt es dafür aus unserer Sicht aber keine Veranlassung.

Wo lässt sich die LCD-Technik technisch noch verbessern? Gibt es da überhaupt noch Potenzial?

Schill: Bei der technischen Weiterentwicklung – Helligkeit, Kontrast oder Auflösungsvermögen – laufen wir langsam in eine Sättigung. Bei der Bauform gibt es aber noch viel Spielraum. Gearbeitet wird an LCDs mit abgeschnittenen Ecken, rund geschnittenen oder gekrümmten LCDs. Also das, was sich die Designer speziell im Automobil­bereich wünschen.

Was ich eher sehe, sind integrierte Zusatzfunktionen für LCDs. Damit meine ich nicht die Touch-Sensoren, denn die sind heute schon obligatorisch und auch Touch mit haptischem Feedback sehe ich als gesetzt. Ich denke da eher an integrierte Sensorik. Das LCD der Zukunft wird ein sehr umfangreiches HMI sein und, ähnlich wie schon am iPhone zu sehen, sozusagen zum interaktiven Partner des Benutzers werden.

Ist mit der Flüssigkristall-Technik ein so hoher Krümmungsgrad der Displays möglich, wie ihn sich die Automobilindustrie wünscht?

Schill: Momentan fertigen wir auf Glassubstraten Displays mit einem Krümmungsradius von etwa 800 mm. Diesen Wert kann man noch reduzieren, aber das Limit ist hier absehbar. Um darüber hinauszugehen, müssen wir letztlich das Substrat wechseln und Kunststoff nutzen. Wenn wir das machen, kommen wir zu den ja schon bekannten Problemen wie Feuchtigkeitsdurchlässigkeit.

Die Substrate sind momentan ein großes Arbeitsgebiet. Bei uns arbeiten wir daran zur Zeit sehr stark und investieren auch viel, um die Wünsche der Designer nach Krümmungsradien, die über das momentan am Markt Verfügbare hinausgehen, zu erfüllen.

Gibt es durch die LCD-Technik ein Limit für die Krümmung eines Display?

Schill: Solange auf Glassubstrate gesetzt wird, ja. Wenn Kunststoffsub­strate verwendet werden, muss der Hersteller die Abstandstechnik in den Griff bekommen, um einen gleichbleibenden Abstand zwischen Flüssigkristall und Substrat im gekrümmten Display zu haben. Prinzipiell ist das aber möglich – es gibt ja schon faltbare LCDs.

Welche technischen Änderungen kommen auf Systemintegratoren und Hersteller zu, wenn gekrümmte Displays mit Touch integriert werden sollen?

Schill: Relativ wenig. Der Touch funktioniert bei flacher oder gekrümmter Oberfläche gleich, sodass es da keine Umstellungsnotwendigkeit gibt. Beim optischen Bonding ist das etwas anders. Das funktioniert bei gekrümmten Flächen nicht mit jedem Maschinenpark, ist aber mit der entsprechenden Technik durchaus machbar.

Sonnenlichtablesbarkeit ist für Automobil-Displays und Industrie­anlagen relevant – löst Kyocera das über die Hardware oder die Software?

Schill: Wir lösen das über die Hardware, also über ein starkes Backlight und Veränderungen im Display-Aufbau, die eine höhere Lichtauskopplung erlauben. Eine Kombination aus Helligkeitssensoren, Ansteuer-IC und Software ist für eine automatische Anpassung der Display-Helligkeit und der Graustufen natürlich möglich, aber wir sind nicht die Experten für Display-Software, sondern die schreiben unsere Kunden. Wir integrieren allerdings die nötigen Komponenten dafür.

Eine andere Variante sind transflektive Displays. Die gab es schon früher, damals waren sie aber zu teuer in der Herstellung. Aktuell forschen wir daran, wie sich diese Displays günstiger produzieren lassen, und wenn wir dort eine Möglichkeit sehen, werden wir wahrscheinlich auch wieder auf diesen Display-Typ zurückkommen.