LEDs für Beleuchtungssysteme »Das Fenster zu einem Milliardenmarkt beginnt sich zu öffnen«

Andreas Weisl ist General Manager für das Gebiet Zentral- und Nordeuropa bei Seoul Semiconductor.
Andreas Weisl ist General Manager für das Gebiet Zentral- und Nordeuropa bei Seoul Semiconductor.

Seoul Semiconductor hat frühzeitig LEDs für die Beleuchtungstechnik entwickelt. Das koreanische Unternehmen hat nun sein Team in Zentraleuropa erweitert. Die Elektronik sprach mit Andreas Weisl von Seoul Semiconductor, über die künftige Entwicklung von Technologie und Markt sowie die Unternehmensstrategie.

Elektronik: Herr Weisl, herzlichen Glückwunsch zur Ernennung zum General Manager von SSC für Zentral- und Nordeuropa. Was wollen Sie persönlich für sich in Ihrer neuen Position erreichen, was haben Sie sich vorgenommen?

Andreas Weisl: Mein wichtigstes Ziel ist, die globale Erfolgsstory von SSC, die in den letzten Jahren durch rasantes Wachstum gekennzeichnet ist, auch hier in Europa fortzusetzen. Die für solides, nachhaltiges Wachstum in Zentral- und Nordeuropa erforderlichen effektiven Strukturen und Prozesse müssen zunächst vollständig etabliert werden. Wir stellen kontinuierlich Personal ein, insbesondere im Sales-Bereich, und bauen das neue europäische Headquarter in München auf.

Es ist außerdem dringend notwendig, die Sichtbarkeit von SSC im europäischen Markt weiter zu erhöhen. Viele Kunden sind vom Potential unseres Unternehmens überrascht: Schließlich sind wir bereits heute weltweit die Nummer Vier der Branche, gehören mit mehr als 6.000 Patenten zu den Innovationstreibern und haben erst kürzlich unsere neue Chip-Fertigung in Korea eröffnet.

Anfang November 2011 werde ich ein Jahr in dieser Position sein. Schon jetzt zeigt sich ganz deutlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Zum einen ist SSC der am schnellsten wachsende LED-Hersteller im Segment Lighting, zum anderen blicken wir auf erfolgreiche Monate mit zahlreichen Design-Wins bei namhaften Unternehmen aus dem Beleuchtungs- und Automobilbereich zurück.

Elektronik: Das Unternehmen Seoul Semiconductor konnte seinen weltweiten Umsatz im letzten Jahr gegenüber 2009 mehr als verdoppeln, von 367 Mio. Dollar auf 799 Mio. Dollar. Welchen Anteil hatte hier der deutsche Markt?

Andreas Weisl: Branchenüblich werden keine regionalen Umsatzzahlen genannt, aber grundsätzlich kann ich folgendes zur Marktentwicklung sagen: Während früher Backlighting mit seinen sehr hohen Stückzahlen Wachstumstreiber war, verschiebt sich das LED-Geschäft heute immer mehr zur „Weiß-Beleuchtung“.

Die deutsche Wirtschaft ist traditionell sehr industriell geprägt, so finden sich hier neben den klassischen Industriekunden auch die wichtigsten OEMs aus der Licht- und Automobilbranche. Da wir uns genau auf diese Bereiche fokussiert haben, gehört Deutschland bzw. Zentraleuropa zu unserer wichtigsten Region in Europa. Allerdings muss ich auch sagen, dass eine eindeutige, regionale Abgrenzung durch die weltweit verteilten Design- und Produktionsstandorte unserer Kunden kaum mehr möglich oder sinnvoll ist.

Elektronik: Was erwarten Sie für die weitere Entwicklung des LED-Marktes? Mit welchen Umsatzsprüngen ist hier noch zu rechnen?

Andreas Weisl: Das hängt sehr stark vom jeweiligen Marktsegment ab.

Zunächst zum "Backlighting": Hier werden Ende 2011 mehr als die Hälfte der Flachbildschirme mit LED-Backlight ausgerüstet sein. Dieser Anteil wird in den nächsten Jahren auf 100 Prozent ansteigen. Trotz Preisverfall bietet dieser Markt weiterhin interessante Wachstumschancen, allerdings findet dieses Geschäft mittlerweile ausschließlich in Asien statt.

Im Segment "Automotive" wird die Innenbeleuchtung wird bereits vollständig mit LEDs abgedeckt. Weiteres Wachstum erwarte ich im "Exterior-Bereich". LEDs in Rücklichtern oder auch im Tagfahrlicht sind keine Seltenheit mehr und in der Oberklasse sieht man erste LED-Scheinwerfer auf der Straße, die Mittelklasse wird folgen. SSC hat bereits vor einigen Monaten mit der Volumenproduktion von LEDs für Scheinwerfer begonnen.

Beim "General Lighting" werden die LEDs den gesamten Lichtmarkt radikal verändern. Es wird neue Player im Markt, neue Strukturen und neue Anwendungen geben. Wir stehen hier erst ganz am Anfang, der Anteil der LEDs in der Allgemeinbeleuchtung macht heute nur wenige Prozent aus. Aber das Fenster zu einem Milliardenmarkt beginnt sich zu öffnen. Schon in wenigen Jahren wird die Allgemeinbeleuchtung das größte Marktsegment für LEDs sein. Für mich ist das der spannendste Bereich überhaupt, es gibt wohl derzeit kaum einen Markt mit vergleichbarem Wachstumspotential.