EU-Wissenschaftskommission Bewertung der Gesundheitsrisiken von LEDs

Die unabhängige EU-Wissenschaftskommission SCHEER hat in einem vorläufigen Bericht die möglichen Gesundheitsrisiken von LED-Beleuchtungen bewertet. Die Untersuchung geschah im Auftrag der Europäischen Kommission.

Hat das von LEDs erzeugte Licht einen schädlichen Einfluss auf den Menschen oder nicht? Diese Frage taucht in den letzten Jahren immer wieder auf. Dabei geht es nicht um gesundheitsgefährdende Substanzen in den Chips oder den Leuchten, sondern um die Wirkung des emittierten Lichts selbst. Beispielsweise wies bereits 2011 ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Abraham Haim von der University of Haifa darauf hin, dass LED-Licht die Produktion des Hormons Melatonin besonders stark hemmt. Das Hormon steuert den Tag-Nacht-Rhythmus (zirkadianer Rhythmus) bei Menschen und auch bei Tieren.

Zwar wird die Produktion von Melatonin prinzipiell durch Licht gehemmt – was ganz unabhängig von der verwendeten Lichtquelle die Frage nach den gesundheitlichen Auswirkungen von flächendeckender künstlicher Beleuchtung während der Nachtzeit aufwirft –, allerdings weisen die Untersuchungen der Forscher aus Haifa darauf hin, dass die hemmende Wirkung von LED-Weißlicht auf die Melatoninproduktion im Vergleich zu anderen Lichtquellen besonders ausgeprägt ist. Tagsüber wird die Melatoninproduktion ohnehin vom Tageslicht gehemmt. Zu dieser Zeit ist die Nutzung von LEDs, etwa die Hinterleuchtung von PC-Monitoren oder Smartphone-Displays, mit keinerlei Auswirkungen auf den Tag-Nacht-Rhythmus verbunden. Relevant ist das Untersuchungsergebnis vor allem für öffentliche Beleuchtungen, die nachts in Wohngebieten genutzt werden. Bei der Auswahl der Lichtquelle von Straßenbeleuchtungen hat bereits die ein oder andere Kommune gesundheitliche Aspekte mit berücksichtigt.

Gesundheitswarnung aus der Medizin

Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die oben genannte Arbeit mittlerweile sechs Jahre alt ist und damalige LED-Straßenleuchten nicht mit den heutigen zu vergleichen sind. Das Ergebnis von aktuelleren Untersuchungen veröffentlichte die American Medical Association (AMA) im Juni 2016.

In ihrem Bericht warnt die AMA vor den schädlichen gesundheitlichen Auswirkungen von lichtstarken LED-Straßenbeleuchtungen mit Farbtemperaturen oberhalb von 3000 K. Je höher die Farbtemperatur ist, desto höher ist auch der Blauanteil im emittierten Licht. Es ist dieser Anteil am Spektrum, der die Melaoninproduktion stark hemmt. Gelangt viel blaues Licht in der Abend- und besonders in der Nachtzeit an die entsprechenden Rezeptoren, gerät der zirkadiane Rhythmus durcheinander. Verkürzte Schlafzeiten, Schlafstörungen und weniger erholsamer Schlaf können laut AMA die Folgen sein. Ihre Empfehlung lautet daher »dass Kommunen die Installation von Außenbeleuchtungen mit hohem Blaulicht-Anteil reglementieren und auf ein Minimum reduzieren, indem sie solche Beleuchtungen mit der geringstmöglichen Intensität betreiben.«