Messtechnik-Trends Wie sich das Oszilloskop weiterentwickelt

Roland Steffen, Leiter des Geschäftsbereiches Messtechnik bei Rohde & Schwarz:  "Im künftigen Messtechnik-Markt  kann man nur erfolgreich sein, wenn man technisch ganz vorne mitspielt und entsprechendes Know-how mit Durchhaltevermögen in das Marktgeschehen einbringen kann.“
Roland Steffen, Leiter des Geschäftsbereiches Messtechnik bei Rohde & Schwarz: "Im Messtechnik-Markt, der das Beherrschen immer komplexerer Standards erfordert, kann man nur erfolgreich sein, wenn man technisch ganz vorne mitspielt und entsprechendes Know-how mit Durchhaltevermögen in das Marktgeschehen einbringen kann.“

Das Oszilloskop als universelles Messtechnik-Tool bietet durch moderne, schnelle Hardware und durch ausgefeilte Software noch Entwicklungspotenzial für die nächsten Jahre. Wir sprachen hierzu mit Roland Steffen, Leiter des Geschäftsbereiches Messtechnik bei Rohde & Schwarz.

Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen der Messtechnik der Zukunft? HF? Signalverarbeitung? 

Roland Steffen: „Die Kommunikationsstandards werden immer komplexer und die Messanforderungen auch, man betrachte nur den Anstieg der Komplexität von GSM zu LTE. Es geht heute nicht nur um das Beherrschen von HF, sondern um das Managen der Systemkomplexität. Damit steigt der Aufwand, den wir in die Entwicklung der Messgeräte stecken müssen, um einerseits die Messaufgabe selbst lösen zu können, und um andererseits diese steigende Komplexität der Messsaufgaben dem Anwender durch geeignete Benutzerführung möglichst leicht zu machen, damit er weiter wie bisher Messergebnisse auf Knopfdruck bekommt. Das rechnet sich nur, wenn man technisch ganz vorne mitspielt und entsprechendes Know-how mit Durchhaltevermögen in das Marktgeschehen einbringen kann.“


Wird sich das Scope nicht hin zu einem universellen Signalanalysator / Spektrumanalysator entwickeln? Allen gemeinsam ist doch das HF-Frontend?

Roland Steffen: „Ein Wettbewerber hat ja hier die ersten Produkte auf dem Markt gebracht und entsprechend beworben. Auch wir haben in unsere Scope eine FFT eingebaut, die stark an die Bedienung unserer Spektrumanalysatoren angelehnt ist. Das reicht für einige Anwendungen wie z.B. Untersuchungen an Schaltnetzteilen aus - und der Anwnder kommt dann ohne ein zweites Messgerät aus. Aus unserer Sicht ist die Scope-Technologie - also ein breitbandiger Vorverstärker mit nachgeschaltetem A/D Wandler mit hoher Abtastrate - jedoch noch nicht gut genug, um die konventionellen Spektrumanalysatorkonzepte, nämlich Überlagerungsempfänger mit hochliegender ZF, zu ersetzen. Dynamik, Auflösung und Linearität der heutigen A/D Wandler reichen einfach noch nicht aus, um einen anspruchsvollen Spektrumanalysator damit realisieren zu können. Der A/D-Wandler wandert zwar in der Signalverarbeitungskette weiter nach vorne, er ist jedoch noch nicht an der Gerätebuchse angekommen.“

"Was halten Sie von der Konfigurierbarkeit eines Messgerätes, z.B. Oszilloskops, durch den Anwender selber? Stichwort FPGA?

Roland Steffen: „Die Idee klingt auf den ersten Blick sehr interessant. Moderne FPGAs bieten die Möglichkeit, Messgerätefunktionen per Software zu verändern, anzupassen oder neue hinzuzufügen. Das machen alle Messgerätehersteller in ihren Geräten und vermarkten diese als Softwareoptionen. Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, diese internen Schnittstellen in einem konventionellen Messgerät zu öffnen. Natürlich gibt es überall Ingenieure, die gerne mal selbst ein Messgerät konzipieren wollen und Ihren Chefs die Investition durch Argumente wie spätere Nutzung der Module für andere Messaufgaben, Flexibilität, Unabhängigkeit vom Gerätelieferant schmackhaft machen wollen. Der Aufwand für die Realisierung wird aber meist unterschätzt, ebenso wie die Realisierungszeit. Die Folgekosten und Aufwände für Lifetime Support, Dokumentation, Sicherstellung von Reparatur und Softwarewartung werden oft vergessen."