Messtechnik Wetter-Vorhersage hilft Energie sparen

Die neu eröffnete Monte-Rosa-Berghütte in der Schweiz wurde mit einem prognostizierenden Mess- und Regelungssystem für die Heizung ausgestattet. Man kann damit bis zu einem Drittel Energiekosten einsparen.

Unnötiges Heizen könnte dank Siemens-Wissenschaftlern schon bald der Vergangenheit angehören. Sie entwickelten ein System zur Gebäude-Messtechnik, das bereits aufgrund der Wetter-Vorhersage das Raumklima vorauseilend reguliert.

Dass Heizungs- und Klimaanlagen auf Basis der aktuellen Außentemperatur ihre Heiz- oder Kühlleistung regeln, ist seit Jahrzehnten Standard. Neu ist jedoch, dass man auch Wetter-Prognosen zum vorausschauenden und energiesparenden Regeln der Heiz-Parameter heranziehen kann.

Beim Heizen und Lüften geht viel Energie verloren - besonders dann, wenn zu viel geheizt und deshalb auch mehr gelüftet wird. Um das zu verhindern, hat Siemens Building Technologies ein Gebäudeautomationssystem entwickelt, das für ein angenehmes Raumklima sorgt.

Abhängig von der aktuellen Wetterlage reguliert das System die Innentemperatur. Ist eine Kaltfront im Anmarsch, fährt das System die Heizung hoch. Kommt eine Warmfront, dreht es die Heizung herunter.

Grundlage des ganzen Verfahrens ist eine ausgefeilte Messtechnik: Nicht nur aktuelle Temperatur- sondern auch Luftdruck- und Luftfeuchtigkeits-Werte werden vorausschauend in den Regelkreis einbezogen: Nähert sich z.B. eine Kaltfront, ist die Temperatur zwar zunächst noch angenehm, doch der bereits stark sinkende Luftdruck kündigt das kommende Geschehen an und lässt die Regelung eingreifen. Das Ganze noch bevor die Temperatur in der Kaltfront stark zurückgeht.

Umgekehrt bei der Warmfront: Hier kann schon lange vorher die Heizung gedrosselt werden, denn es wird mit Sicherheit wärmer werden.

Die Technik wird bereits in der Praxis erprobt: die neu eröffnete Monte-Rosa-Berghütte in der Schweiz wurde mit einem solchen System ausgestattet. Bereits jetzt ist absehbar, dass die Hütte bis zu einem Drittel Energiekosten einsparen wird.

Die Hütte, die sich auf 2883 Meter Höhe befindet, versorgt sich autark mit Strom und Wasser. Dank des Gebäude-Automationssystems läuft dies besonders effizient ab. Mit einer Solaranlage erzeugt die Hütte ihren Strom. Reicht dieser mal nicht aus, springt ein mit Flüssiggas betriebenes Heizkraftwerk ein. Abhängig vom Wetter werden verschiedene Prozesse in der Hütte gestartet oder gestoppt, etwa das Heizen des Gebäudes und das Reinigen von Abwasser.

Sind etwa Batterie und Abwassertank des Gebäudes halb voll und ist in nächster Zeit Sonnenschein (hoher Luftdruck) angesagt, startet der Regler die Reinigung des Abwassers. Schlägt das Wetter um, stoppt die Anlage die Wasseraufbereitung. So wird sichergestellt, dass die Batterie nicht unnötig entladen wird.

Die Hütte dient als Pilotprojekt. Die Erfahrungswerte, die mit ihr gesammelt werden, können als Grundlage für entsprechende Untersuchungen bei ganz anderen Gebäudetypen dienen. Ähnliche Systeme für Schulen, Krankenhäuser, aber auch effiziente Wohn- und Bürogebäude sind als nächster Schritt denkbar.