Oszilloskope Rohde & Schwarz baut Scope-Serie deutlich aus

Technisch attraktiv erweitert hat Rohde & Schwarz die im letzten Jahr eingeführten Scopes der RTO-Serie
Technisch attraktiv erweitert hat Rohde & Schwarz die im letzten Jahr eingeführten Scopes der RTO-Serie.

Zwar hat Rohde & Schwarz mit den im letzten Jahr vorgestellten Oszilloskop-Familien das damals erklärte Ziel, LeCroy bezüglich des Marktanteils einzuholen, noch nicht erreicht, aber: Jetzt hat man zunächst technische Erweiterungen eingeführt, die für viele Anwender interessant sind und die einen Markt-Schub bringen sollen.

Der Münchener Messtechnik-Hersteller Rohde & Schwarz ist nach wie vor bestrebt, die Nr. 3 im Scope-Markt, nämlich LeCroy (hinter Tektronix und Agilent) einzuholen, doch dieses Ziel ist noch nicht erreicht, wie das Management unlängst konstatierte. Zwar hat man mit den  im letzten Jahr vorgestellten Oberklasse-Scope-Familien RTO (1 und 2 GHz Bandbreite) und den Mittelklasse-Geräten RTM technisch einen beachtlichen Kurs eingeschlagen und hat vor allem in Bezug auf Verarbeitungsgeschwindigkeit, Blindzeiten und Bedienfreundlichkeit deutliche Maßstäbe gesetzt, doch nun sollen zunächst Erweiterungen einen zusätzlichen Schub im Markt bringen: eine Hardware-Option für die Mixed-Signal-Analyse, neue Modelle für verschiedene Bandbreiten, die FlexRay-Decodierung sowie zusätzliche Tastköpfe. 

Mit einer Hardware-Option lässt sich das RTO-Scope nun zu einem Mixed-Signal-Oszilloskop (MSO) erweitern. Zusätzlich zu den üblichen zwei bzw. vier analogen Kanälen stehen dann 16 digitale Logikkanäle mit einer Eingangsfrequenz von 400 MHz zur Verfügung. Mit der MSO-Option ermöglicht das RTO-Scope dann die exakte Zeitkorrelation zwischen analogen und digitalen Signalen. Dies ist z.B. wichtig bei der Untersuchung von Designs mit Mixed-Signal-Bausteinen wie A/D-Wandlern oder mit Busstrukturen.

Im analogen Teil bietet das Scope eine sehr hohe Abtastrate von 5 GSa/s, die über die gesamte Speicherlänge von 200 MSamples zur Verfügung steht. Mit der maximalen Zeitauflösung von 200 ps lassen sich Inhalt und Qualität der Signale präzise analysieren. Auch bei eingeschalteten digitalen Kanälen sind letztlich, so der Hersteller, hohe Erfassungsraten von mehr als 200 000 Messkurven/s möglich. 

Und da laut Rohde & Schwarz die Eigenschaften der RTO-Geräte auch bei geringeren Bandbreiten als 1 GHz oder 2 GHz im Markt gefragt wären, hat man nun eine 600-MHz-Version des Oszilloskops herausgebracht. Gleichgeblieben sind im Vergleich zu den breitbandigeren Scopes die Verarbeitungsgeschwindigkeit und die aktive Aufzeichnungszeit, die laut Hersteller rund 10 % der gesamten Prüfzeit betragen soll (eine Verbesserung um den Faktor 20, verglichen mit konventionellen Scopes im Markt).

Ebenfalls eine Erweiterung ist die Trigger- und Decodier-Option für die serielle Automobil-Kommunikationsschnittstelle FlexRay. Sie triggert auf FlexRay-spezifische Protokolldaten und decodiert die aufgezeichneten Messkurven in leicht lesbare Protokollinhalte. Das in Hardware implementierte Triggersystem sorgt für hohe Erfassungsraten. Die Dialogführung ist sehr intuitiv:  Erklärende Grafiken und Querverweise zu weiteren Einstellungen erleichtern die Konfiguration. Um Messergebnisse übersichtlich zu präsentieren, sind Protokolldetails im Messkurvendiagramm farblich gekennzeichnet und Protokolldaten tabellarisch zusammengefasst.

Ebenfalls neu sind differentielle Tastköpfe, die besonders bei der Untersuchung von nicht massebezogenen High-speed-Kommunikationssignalen (Takt oder Daten) nötig sind. Die neuen Tastköpfe bieten laut Hersteller ein geringes Rauschen (typ. 3 mV) und damit eine sehr hohe Messdynamik. Weiterhin sorgen die hohe DC-Eingangsimpedanz von 1 MΩ sowie die geringe Eingangskapazität (0,6 pF) für eine geringe Belastung des Messobjekts am Arbeitspunkt. Der große Dynamikbereich (+/- 5 V) auch bei hohen Frequenzen erlaubt Messungen an schnellen massebezogenen Signalen und vermeidet Signalverzerrungen. Interessant: Das Scope lässt sich nun vom Tastkopf aus steuern, dank des Mikrotasters an der Tastkopfspitze. Die Funktionen Run/Stop, Autoset oder Bildschirmspeicherung stehen somit auf Knopfdruck zur Verfügung. Ebenfalls in die Tastkopfspitze integriert ist ein Mini-Multimeter (ProbeMeter), welches unabhängig von der Einstellung des Scopes DC-Messwerte der Gleichtakt- und Differenzspannung liefert. Erstmals bietet damit ein differentieller Tastkopf die Möglichkeit, den Common-Mode-Arbeitspunkt auf einen Blick zu bestimmen.