Die neue EMV Richtlinie 2014/30/EU Risiko analysieren und bewerten

Am 20. April 2016 trat die Neufassung der EMV-Richtlinie in Kraft und hebt die bisherige EMV-Richtlinie 2004/108/EG damit auf. Durch die Neufassung ergeben sich zwar aus technischer Sicht keine Änderungen, trotzdem sollten Ent-wickler und Hersteller die neuen Anforderungen kennen.

Der freie Warenverkehr ist ein Stützpfeiler des europäischen Binnenmarktes und damit einer der wichtigsten Motoren für Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum in der EU. Alle technischen Rechtsvorschriften der EU, die den freien Warenverkehr gewährleisten, haben großen Anteil am Funktionieren des Binnenmarktes. Sie schreiben hohe Schutzniveaus vor und bieten den Herstellern im Allgemeinen auch die Mittel zum Nachweis der Konformität, was den freien Warenverkehr durch vertrauenswürdige Produkte sicherstellt.

Die EMV-Richtlinie folgt diesem Konzept und beschränkt sich auf die Festlegung der wesentlichen Anforderungen für Betriebsmittel, die nach dem Stand der Technik so entworfen und gefertigt sein müssen, dass

  • die von ihnen verursachten elektromagnetischen Störungen keinen Pegel erreichen, bei dem ein bestimmungsgemäßer Betrieb von Funk- und Telekommunikationsgeräten oder anderen Betriebsmitteln nicht möglich ist;
  • sie gegen die bei bestimmungsgemäßem Betrieb zu erwartenden elektromagnetischen Störungen hinreichend unempfindlich sind, um ohne unzumutbare Beeinträchtigung bestimmungsgemäß arbeiten zu können.

Die Richtlinie gilt für Betriebsmittel. Ein Betriebsmittel ist als ein Gerät oder eine ortsfeste Anlage definiert. Ein Gerät ist ein fertiger Apparat oder eine als Funktionseinheit auf dem Markt bereitgestellte Kombination solcher Apparate. Ein Gerät ist für Endnutzer bestimmt und kann elektromagnetische Störungen verursachen oder durch elektromagnetische Störungen im Betrieb beeinträchtigt werden. Im weiteren Verlauf werden die Anforderungen für Geräte betrachtet.

Die Konformitätsbewertung

Zum Nachweis der Einhaltung der wesentlichen Anforderungen erfolgt eine EMV-Bewertung. Diese muss auf der Basis der relevanten EMV-Phänomene durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass die Anforderungen der Richtlinie eingehalten werden. Das kann zum Beispiel durch Nutzung von harmonisierten Normen erfolgen. Diese Normen werden im Amtsblatt der EU (Official Journal, OJ) veröffentlicht. Die Anwendung der harmonisierten oder sonstigen Normen bleibt freiwillig. Dem Hersteller steht es stets frei, andere technische Spezifikationen zu benutzen, um den Anforderungen zu entsprechen. Hierzu führen die Hersteller eine Konformitätsbewertung der Geräte durch, um festzustellen, ob die grundlegenden Anforderungen erfüllt sind. Die Verfahren sind im Anhang zur Richtlinie beschrieben und gliedern sich in Module:

  • Modul A: Interne Fertigungskontrolle nach Anhang II.
  • Modul B in Verbindung mit Modul C: EU-Baumusterprüfung, gefolgt von der Konformität mit der Bauart auf der Grundlage einer internen Fertigungskontrolle nach Anhang III.

Die Module zur Konformitätsbewertung umfassen den Entwurf und die Fertigung eines Produktes (Bild). Im Rahmen der EMV-Richtlinie hat der Hersteller die freie Wahl des Konformitätsbewertungsverfahrens.

Konformitätsbewertung gemäß Anhang II

Das Modul A umfasst sowohl Entwurf als auch Fertigung des Produktes. Der Hersteller selbst gewährleistet die Konformität der Produkte mit den rechtlichen Anforderungen. Hierzu erfolgt eine Bewertung der elektromagnetischen Verträglichkeit unter Berücksichtigung aller üblichen Bedingungen und aller Konfigurationen. Der Hersteller erstellt die technischen Unterlagen und trifft alle erforderlichen Maßnahmen, damit der Fertigungsprozess und seine Überwachung die Konformität der hergestellten Geräte mit den technischen Unterlagen und mit den wesentlichen Anforderungen nach Anhang I Nummer 1 (Störaussendung, Störfestigkeit) gewährleisten. Es erfolgt sowohl die CE-Kennzeichnung als auch das Ausstellen der EU-Konformitätserklärung.