Labor-Stromversorgungen Netzteil-Multitalente für das Messtechnik-Labor

Die Labor-Netzteile der Serie HMC804x, die in Typvarianten mit einem, zwei oder drei Ausgängen verfügbar sind, eignen sich ideal für den Messtechnik-Labortisch.
Die Labor-Netzteile der Serie HMC804x, die in Typvarianten mit einem, zwei oder drei Ausgängen verfügbar sind, eignen sich ideal für den Messtechnik-Labortisch.

Messtechnik-Labor-Stromversorgungen sind eigentlich eher unspektakuläre Geräte. Man nutzt sie, beachtet sie aber ansonsten kaum. Es gibt aber jetzt eine neue Geräteserie von Rohde & Schwarz, deren vielfältige Funktionen man sich doch ein-mal genauer ansehen sollte. Und auch das Preis/Leistungs-Verhältnis. Die Elektronik-Redaktion hat diese Labor-Stromversorgungen unter die Lupe genommen.

Stromversorgungen für das Labor stehen oft im Schatten der modernen High-speed-Prozessor- und Kommunikationstechnik. Man erwartet von ihnen einen klaglosen, störungsfreien und elektrisch sicheren Betrieb über viele Jahre hinweg. Sie sollen aber auch einfach zu bedienen sein und dezent auf einen Eingabefehler hinweisen. Ansonsten haben sie einfach zu funktionieren. Doch ohne diese – freilich auch mit top-aktueller Prozessortechnik ausgerüsteten – Stromversorgungen würde in keinem High-Tech-Entwicklungslabor, in keiner Fertigungsanlage und auf keinem Prüfstand eine Arbeit, gleich welcher Art, möglich sein. Deshalb ist es durchaus interessant, einmal eine neue Labor-Stromversorgungs-Geräteserie unter die Lupe zu nehmen. Die Serie kann einerseits mit aktuellen und praxisgerechten Datenblatt-Parametern sowie mit erstaunlich vielen arbeitserleichternden Funktionen aufwarten. Andererseits bieten die Geräte – eben mit dieser Funktionsvielfalt – ein in dieser Kategorie sonst nicht anzutreffendes Preis/Leistungs-Verhältnis: Unter 1000 Euro sind sie zu haben, die Labor-Netzteile der Serie HMC804x, die in Typvarianten mit einem, zwei oder drei Ausgängen verfügbar sind. Entwickelt wurden sie von Hameg, einem Messtechnik-Hersteller, der ja bekanntermaßen seit fast einem Jahrzehnt unter dem Dach von Rohde & Schwarz arbeitet. Auch das – neben den technischen Fakten der Labor-Stromversorgungen – eine interessante Konstellation, zu der wir den Chef des Messtechnik-Geschäftsbereiches von Rohde & Schwarz, Roland Steffen, befragt haben.

Für den industriellen Einsatz konzipiert

Die Geräteserie besteht aus den Modellen HMC8041 (ein Ausgang, ab August 2014 verfügbar), HMC8042 (zwei Ausgänge, ab Juli 2014 verfügbar) und HMC8043 (drei Ausgänge, ab Juni verfügbar), jedes mit einer maximalen Gesamtleistung von 100 W. Beispielsweise liefert das Drei-Kanal-Gerät einen durchgehenden Spannungsbereich von 0 V bis 32 V bei max. 3 A Strom (auf mV bzw. mA genau alphanumerisch einstellbar). Das Zweikanal-Gerät liefert max. 5A, die Einkanal-Version max. 10 A.
Bei den Zwei- und Drei-Kanal-Netzteilen ist natürlich auch eine seit Ur-Zeiten von Labor-Stromversorgungen her bekannte Funktion verfügbar, nämlich mehrere Ausgänge in Serie oder parallel betreiben zu können, um (bei Serien-Betrieb) die Spannungen addieren zu können bzw. bei Parallelbetrieb eine Vervielfachung der entnehmbaren Ströme zu erreichen. Dazu sind die Ausgänge galvanisch vonei-nander getrennt, erdfrei (bis 250 V DC gegen Erde), überlastungs- und kurzschlussfest.
Die Geräte verfügen grundsätzlich über zwei verschiedene Betriebsarten: Sie können als Konstantspannungs- (CV, Constant Voltage, Ein-stellgenauigkeit < 0,05 % + 2 mV) oder als Konstantstromquelle (CC, Constant Current, Einstellgenauigkeit < 0,05 % + 2 mA) arbeiten. Alle wichtigen Parameter erscheinen auf dem auch unter ungünstigen Lichtverhältnissen gut ablesbaren 3,5-Zoll-QVGA-Display.
Als Spannungs-Ripple-Werte stehen 450 μV (eff.) bzw. 4 mV (Spitze-Spitze) für eine Bandbreite von 20 Hz bis 20 MHz im Datenblatt. In-teressant auch die Regelzeit am Ausgang bei einem Lastsprung von 10 % auf 90 %: Sie beträgt 1 ms (±20 mV).
Was im praktischen Laborbetrieb recht angenehm auffällt ist die unkomplizierte und intuitiv mögliche Bedienung von der Frontplatte aus über die Funktionstasten und die Softkey-Menüs (Bild 1) am rechten Bildschirmrand – das Ganze auch ohne Handbuch zu Beginn unserer Tests. Im Übrigen lassen sich die Netzteile auch via PC-Software steuern. Dennoch: Das Studium des Handbuches ist in jedem Fall ange-raten, denn erst dann bekommt man einen fundierten Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten, die im Folgenden übersichtsartig zusam-mengefasst werden.
Grundsätzlich sind die Geräte gut für den Einsatz im industriellen Umfeld geeignet, beispielsweise in Fertigungsstraßen oder auf Prüf-ständen. So sorgen linear nachgeregelte Schaltregler für einen hohen Wirkungsgrad, was sich auch bei Volllast-Betrieb durch eine sehr geringe Wärmeentwicklung äußert. Durch den Halb-19-Zoll-Formfaktor haben Anwender mit zwei Drei-Kanal-Geräten sogar die Möglich-keit, sechs Power-Supply-Kanäle auf zwei Höheneinheiten in einem 19-Zoll-Rack zu verbauen. Weil die Geräte trotz Schaltregler-Architektur dennoch etwas Wärme produzieren gibt es die Einschränkung, dass bei einem Einbau im Rack über den Geräten eine Höheneinheit „Luft“ bleiben muss.
A propos Wärme: natürlich ist in den Geräten ein Lüfter vorhanden, der nur anläuft, wenn dies nötig ist, und der dann aber auch noch auf dem Labortisch praktisch nicht zu hören ist, was die Tests auch bestätigt haben.
Die SENSE-Leitungen sind nur beim Ein-Kanal-Gerät vorne zugänglich, beim Zwei- und Drei-Kanal-Gerät nur rückseitig (Bild 2), lassen sich Spannungsabfälle auf den Zuleitungen zur Last ausgleichen, so dass am Verbraucher die tatsächlich eingestellte Spannung anliegt. Das Gerät erkennt selbstständig, wenn die SENSE-Leitungen angeschlossen sind und regelt die Ausgangsspannung direkt am Verbraucher nach.