Labormesstechnik und Wirtschaftlichkeit Messtechnik in Zeiten knapper Budgets

Die momentan nicht einfachen Zeiten fordern in der Messtechnik neue (Denk-)Ansätze, um den heute erforderlichen Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit, finanziellem Erfolg, Zeitdruck und Innovationsvorsprung bestmöglich zu schaffen.

In der Folge der weltweiten Wirtschaftskrise sind die Umsatzerwartungen der Industrie für 2010 gedämpft, und das Geld ist knapp. Entsprechend fallen die Investitionsbudgets niedriger aus. Gleichzeitig verstärkt sich der Druck auf die Entwicklung, und es sollen in noch kürzerer Zeit noch bessere Ergebnisse erzielt werden. Für die Messtechnik-Branche führt das zu Rabattschlachten und einer nicht verkraftbaren Ausweitung von Zahlungszielen. In der Folge vergrößern sich die Projektrisiken für den Messtechnikanwender aufgrund längerer Lieferzeiten, eingeschränkten Supports, nicht zukunftsfähiger Investitionen u.v.m.

Dieser Artikel erläutert die sich ergebenen Zielkonflikte und zeigt anhand von Beispielen die Kostenund Effektivitätsberechnungen der Messtechnik. Es wird gezeigt, dass sich durch ein Denken in Alternativen bisher ungenutzte Sparpotentiale realisieren lassen und dass der Anschaffungspreis nur ein Teil der Gesamtinvestition darstellt.

Der „Preis“ ist nicht alles

Messen ist Wissen und Wissen ist Innovation, die meist innerhalb von Produktoptimierungsprozessen stattfindet. Dazu sind Versuchsdaten und die Untersuchung am realen Objekt für unmittelbare Erkenntnisse oder zur Optimierung von Simulationsmodellen unerlässlich. Die dazu notwendige Messtechnik und ganz allgemein Ingenieurwerkzeuge sind teuer und die Darstellung der Wichtigkeit gegenüber den budgetgebenden Stellen wie bei allen Werkzeuganschaffungen schwierig. Ohne effektive Werkzeuge geht es nicht, und schlechte Werkzeuge liefern unzureichende Arbeitsergebnisse. Die Auswahl des richtigen Werkzeugs birgt Risiken und Kostenfallen.

Dass dabei der Anschaffungspreis eine wichtige, aber nicht die alles entscheidende Rolle spielt, wird klar, wenn man sich das Total Cost of Ownership genauer ansieht. Im Regelfall erkennt der Messtechniker die technische Notwendigkeit, eine Messgeräteanschaffung zu tätigen. Das Missverständnis beginnt dann, wenn er mit einem entsprechenden Angebot zu seinem Chef geht, um die Investition genehmigen zu lassen. Man schaut auf den Preis und spiegelt diesen am zur Verfügung stehenden Budget mit dem Ergebnis, dass speziell in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Anschaffungspreis und Budget nicht zusammenpassen. Eine Erfahrung, die wohl jeder schon gemacht hat.

Effektives Planen spart Kosten und Ärger

Lieferanten, die nur ihr Produkt kennen und die Anwendung des Kunden ignorieren oder ihn nicht kompetent beraten können, sind nicht mehr zeitgemäß. Häufig spiegelt sich das in den Entscheidungsprozessen wider. Da man die Beratungskompetenz dem Geräte-Lieferanten nicht zutraut bzw. eine Beeinflussung des Anschaffungsprozesses befürchtet, werden mögliche Lieferanten oft zu spät an den Tisch geholt. Im Ringen um die beste Lösung entstehen aufwendige Lastenhefte, die sich rein an der Aufgabe, aber weniger an den Möglichkeiten der Werkzeuge orientieren.

Meist steht die Summe der geforderten Eigenschaften gleichberechtigt nebeneinander. Die billigste Lösung verspricht man sich dann vom Versand eines Pflichtenheftes und einer Ausschreibung an potentielle Lieferanten. Diese wissen, dass Lastenhefte mit Punkten für die Erfüllung der geforderten Eigenschaften vom Kunden beurteilt werden. Im Ringen um die maximale Punktezahl bearbeitet der potentielle Lieferant das Lastenheft, indem er möglichst alle Forderungen gleichermaßen erfüllt und möglichst noch durch zusätzliche Features erweitert. In der Folge wird die Aufgabe immer komplexer. Dieser – bisher sehr übliche – Weg führt in den meisten Fällen hin zur Risiko- und Kosten-Maximierung.

Besser wäre es, frühzeitig das Gespräch mit potentiellen Lieferanten zu suchen – am besten schon bei der Aufgabendefinition. Eine frühzeitige Klärung der Kernaufgabe und eine Kategorisierung der gewünschten Eigenschaften in „muss“, „soll“ und „könnte“ ermöglichen im ersten Schritt eine gute Risiko- und Kostenbewertung. Die Kosten einer aufwendigen Lastenheft- Erstellung investiert man dann besser in eine Machbarkeitsstudie, die die Methodik und Systematik sowie die nötigen wesentlichen Eigenschaften festschreibt. Erfolgt dies im Rahmen ausschreibungsfähiger Unterlagen, dann kann die Auswahl des Lieferanten mit dem besten Preis/ Leistungs-Verhältnis im Anschluss erfolgen.

Bei der Auswertung einer Ausschreibung ist eine Orientierung am niedrigsten Preis kontraproduktiv. Eine gute Entscheidung kann nur aufgrund einer ganzheitlichen Kostenund Nutzungsanalyse erfolgen. Für eine solche am besten Preis/Nutzen-Verhältnis orientierte Entscheidung ist unbedingt auf Kostenfallen wie Handhabbarkeit, Anpassbarkeit, Betriebskosten und Zuverlässigkeit zu achten.