Interview mit Roland Steffen »Messgeräte müssen mit der technologischen Entwicklung schritthalten«

Roland Steffen mit Matthias Heise (links) und Wolfgang Hascher (rechts): »Ich kann mir nur schwer ein Labor vorstellen, in dem viele Geräte sich gegenseitig Messwerte zurufen«.
Roland Steffen mit Matthias Heise (links) und Wolfgang Hascher (rechts): »Ich kann mir nur schwer ein Labor vorstellen, in dem viele Geräte sich gegenseitig Messwerte zurufen«.

Funk-Kommunikation und schnellere Prozessoren stellen Entwickler vor neue Aufgaben. Wie muss die Messtechnik-Branche darauf reagieren? Roland Steffen, Leiter des Geschäftsbereichs Messtechnik bei Rohde & Schwarz, antwortet den Elektronik- Redakteuren Wolfgang Hascher und Matthias Heise.

Internet of Things, Smart Home, Smart Energy usw. sind aktuelle Stichworte in der Elektronik-Branche. Wie kann und sollte moderne Messtechnik in diesen Bereichen den Entwickler unterstützen?

Alle diese Bereiche nutzen Technologien, die schon bekannt sind. Diese Technologien sind in den letzten Jahren aber immer billiger geworden, so dass sie auch für diese preissensitiven Märkte eingesetzt werden können. Insofern ist die Messtechnik für diese Anwendungen schon vorhanden. Für Spezialmessgeräte (kostenoder Feature-optimiert),  die sich ein Entwickler vielleicht wünschen könnte, ist der Messtechnikmarkt aber immer noch viel zu klein. Das Internet-of-Things-Messgerät oder Smart-Energy-Messgerät wird es daher auf absehbare Zeit nicht geben.

Welche besonderen Funktionen werden künftig gebraucht – oder reicht der Funktionsumfang traditioneller Messgeräte? Brauchen Entwickler für Wireless und immer schnellere Prozessoren spezielle Messgeräte?

Nein, neue Messgeräte-Typen sehen wir nicht. Die Messgeräte müssen aber mit der technologischen Entwicklung schritthalten: höhere Frequenzen, höhere Datenraten und Bandbreiten. Wir sehen auch, dass bestimmte Messfunktionen, die früher Einzelgeräten vorbehalten waren, zunehmend als Zusatzfunktionen in anderen Geräten angeboten werden. Jeder Spektrumanalysator kann heute die Frequenz genau erfassen und meist auch die Modulation analysieren. Oszilloskope beinhalten einfache Funktionsgeneratoren oder digitale Pattern-Generatoren. Wir bieten sogar Vektornetzwerkanalysatoren
an, die auch eine Spektrumanalyse-Funktion beinhalten.

In der künftigen Kommunikationstechnik wird die Nutzung der Frequenzbereiche von 60 bis über 100 GHz ins Auge gefasst. Gibt es dafür schon die nötigen Messgeräte bzw. was wird der Markt hier benötigen?

Die Grundfunktionen gibt es heute schon alle, es wird aber anwendungsspezifische Ausprägungen geben, deren Anforderungen sich erst im Laufe der Entwicklung der Kommunikationsstandards herauskristallisieren werden.