Kommentar Mehr Qualität fürs Geld

Marktbeobachtung Oszilloskope
Marktbeobachtung Oszilloskope

Oszilloskope sind für viele Elektronik-Entwickler unverzichtbare Arbeitsinstrumente. Doch noch nie waren komfortable Geräte so günstig zu haben. Warum gerade jetzt?

Seit Langem stehen die TBS-Oszilloskope in vielen Laboren in Universitäten und überall, wo kleine, einfache Oszilloskope für die schnelle Signalüberprüfung benötigt werden. Als im letzten August Tektronix die Basis-Oszilloskope der TBS2000-Serie vorstellte, war das alleine noch nichts Besonderes. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Nachfolger vorgestellt wurde.

Mehr Aufsehen erregten dann die Produktvorstellungen in diesem März: Kurz hintereinander präsentierten sowohl Keysight als auch Rohde & Schwarz neue Basis-Oszilloskope. Beide haben gute Argumente auf ihrer Seite. Bei den DSOX1102A/G-Oszilloskopen von Keysight ist es unter anderem der Preis: Knapp 600 Euro für ein vergleichsweise leistungsstarkes Gerät sind eine klare Ansage. Rohde & Schwarz setzt bei den RTB2000-Oszilloskopen dagegen auf den 10-Zoll-Touchscreen und den ersten 10-bit-Analog-Digital-Umsetzer in dieser Klasse.

Es ist klar, woher diese Entwicklung kommt. Fast die Hälfte des weltweiten Oszilloskop-Markts wird durch die sogenannten Economy-Geräte erwirtschaftet. Bei immer weiter fallenden Preisen kann man sich diesen Markt auch als Premium-Anbieter nicht entgehen lassen. Und durch den Einsatz der Geräte in der Lehre macht man den eigenen Namen schon bei Studenten bekannt. Die wollen dann später im Berufsleben hoffentlich Geräte mit höherer Leistung, aber mit der gewohnten Bedienung nutzen.

Die chinesischen Oszilloskop-Hersteller werden bei diesen Neuigkeiten aber ins Schwitzen kommen. Bisher war der Markt für Basis-Oszilloskope ihre Nische. Anbieter wie Rigol konnten sehr günstige Geräte anbieten, die trotzdem mit hoher Qualität punkteten. Wenn nun aber die etablierten Hersteller ihre High-End-Technik immer weiter in die untere Geräteklasse einfließen lassen, könnte es eng werden. Wahrscheinlich wird es in den nächsten Monaten eine Reaktion geben. Dann wird sich zeigen, inwiefern die chinesischen Anbieter mehr können, als etablierte Technik zu günstigen Preisen anzubieten.

So oder so profitiert der Anwender: Er wird sich in Zukunft höhere Qualität zu günstigeren Preisen leisten können.

Matthias Heise,
Redaktion Elektronik