Interview mit Silvia und Albert Meilhaus »Man muss auch für kleinere Aufträge dankbar sein«

Albert und Silvia Meilhaus. Seit gut zwei Jahren sitzen Vertrieb, Entwicklung und Geschäftsführung von Meilhaus Electronic in den neuen Gebäuden in Alling bei München.
Albert und Silvia Meilhaus. Seit gut zwei Jahren sitzen Vertrieb, Entwicklung und Geschäftsführung von Meilhaus Electronic in den neuen Gebäuden in Alling bei München.

Seit 40 Jahren versorgt Meilhaus Electronic Ingenieure und Entwickler mit Messtechnik. Das Unternehmen zeichnet sich durch eine Mischung aus Distribution und eigenen Produkten aus. Elektronik-Redakteur Matthias Heise sprach mit Albert und Silvia Meilhaus über die Geschichte des Familienunternehmens.

Elektronik: Meilhaus Electronic wurde in diesem Jahr 40 Jahre alt. Wie kam es denn zur Gründung?

Albert Meilhaus: Tatsächlich wurde die Gründung von Meilhaus Electronic durch ein kleines Inserat ausgelöst. Kurz nach Erscheinen rief schon der erste Kunde an. Ich holte mir darauf einen Gewerbeschein. Leider stornierte kurz darauf dieser Kunde seinen Auftrag wieder. Aber die Meilhaus Electronic GmbH war gegründet. Zunächst umfasste unser Team meine Frau und mich sowie ein bis drei Angestellte. Unser Produktspektrum bestand damals unter anderem aus einer Familie von IEC-Bus Interfaces (später GPIB) und Einbaugeräten der Firma Fairchild aus den USA. 1978 firmierte dieser Bereich von Fairchild unter dem Namen ICS Electronics, noch heute einer unserer verlässlichen US-Partner. Später folgten Umzüge, zunächst an unseren langjährigen Standort in Puchheim und dann an den aktuellen Standort in Alling.

Silvia Meilhaus: Wir haben beide zusammen angefangen, mit sehr wenig Geld. Ich musste alles mögliche erledigen, zum Beispiel Pakete zur Post bringen. Daheim warteten damals schon zwei Kinder. Es war klar, dass wir das nur gemeinsam schaffen konnten. Das war auch genau richtig, ich kostete schließlich nichts. Am Anfang muss man Geld sparen, damit man sich über Wasser hält. Geld und Banken sind mein Ressort, und ich bin stolz, dass wir noch nie Schulden hatten.

Albert Meilhaus: Diese finanzielle Unabhängigkeit ist wichtig – gerade am Anfang. Vor allem muss man natürlich die Kunden zufrieden stellen. Man muss auch für kleinere Aufträge dankbar sein. Deswegen mögen wir auch den Online-Shop, denn da können sehr viele Kunden kleine Stückzahlen bestellen. Viele Unternehmen sagen ja »das ist mir zu klein, ich will gleich das Große« . Das funktioniert aber selten.

In Deutschland funktionieren in unseren Marktsegmenten nur Firmen zwischen drei und 30 Mitarbeitern. Da können Sie wirtschaftlich arbeiten, bei größeren Firmen wird es äußerst schwierig. Elektronik-Entwickler denken durch ihre Begeisterung für die Entwicklung oft nicht wirtschaftlich. Sie sehen lediglich die Bauteilkosten und vernachlässigen dabei wichtige Faktoren wie Arbeitszeit, Entwicklungszeit, Verpackung, Prüfen und Garantieleistungen.

Elektronik: Das Unternehmen Meilhaus zeichnet sich durch die Kombination von Distribution mit eigenen Entwicklungen aus. Wie lange gibt es diese Kombination schon und wie hat sie sich mit der Zeit verändert?

Albert Meilhaus: Wie schon gesagt, begann die Firma mit der Distribution von Messtechnik- und Interface-Komponenten. Als großer Zulieferer kam unter anderem die Firma National Instruments dazu, deren Produkte wir über viele Jahre bis 1995 sehr erfolgreich als alleiniger deutscher Distributor vertrieben haben. Es folgten Distributionsverträge mit Hewlett-Packard T&M (später Agilent, heute Keysight), später Gossen Megawatt, Pico Technology, Rigol und viele andere.

Mit der Entwicklung eigener Produkte begannen wir ca. 1987. Es handelte sich dabei um ISA-Einsteckkarten für den »IBM-kompatiblen PC« , der damals gerade erst begann, alle Lebensbereiche inklusive der Messtechnik zu erobern. Damit waren wir in Deutschland einer der Pioniere im Bereich der sogenannten PC-Messtechnik und wurden zum »Board Maker«.

Aus ISA wurde PCI, CompactPCI, PCI Express. Es folgten immer neue Messkartenentwicklungen mit immer komplexerer Technik und mehr Möglichkeiten und Funktionen. USB und Ethernet kamen hinzu. Allerdings wird es durch den wachsenden und zum Teil preislich sehr aggressiven Wettbewerb aus Fernost immer schwieriger, in Deutschland für einen Markt zu entwickeln, der kein Massen-, sondern eher ein Nischenmarkt ist.
Deshalb ist uns auch unser zweites Standbein, die Distribution, nach wie vor extrem wichtig. Aus der Kombination der beiden Geschäftsbereiche ergeben sich viele Vorteile für unsere Kunden und Anwender. So kennen wir Messgeräte, die wir verkaufen, meistens nicht nur aus Schulungen unserer Zulieferer, sondern nutzen sie selbst in der Entwicklung, in Service und Reparatur. Auf diese Weise kann man natürlich auf einer ganz anderen Ebene und sehr kompetent beraten.