Interview mit NI-CEO »Dr.T.« James Truchard »LabView ist quasi ein Betriebssystem, das in Echtzeit auf FPGAs läuft«

Das Internet der Dinge und die Unmengen der durch Sensoren erzeugten »Big Analog Data« sind die Herausforderung, der sich National Instruments stellen will. Firmengründer und CEO Dr. James J. Truchard, intern besser unter »Dr. T.« bekannt, erklärt im Exklusiv-Interview mit elektroniknet.de, wie NI Herr der Daten werden will.

Elektroniknet: Herr Dr. Truchard, nachdem NI beim Industrial-Internet in großem Stil mitwirken möchte, muss ich Sie fragen, wer aus Ihrer Sicht Eigentümer der ganzen wie Sie sagen „Big Analog Data“ ist. NI oder der Kunde?

Dr. James Truchard: Sehen Sie, wir haben die Daten nicht monetarisiert, wie das Google und andere machen. Dann gibt es Firmen, welche die Analyse der Daten als Service anbieten. Wir konzentrieren uns auf den Datentransport und Bereitstellung der Messinstrumente zur Aufnahme der Daten, so dass aus unserer Sicht der Kunde Eigentümer der Daten ist.

Elektroniknet: Wenn der Operator Eigentümer der Daten ist, ist es ja nicht einfach, neue Geschäftsmodelle zu entwicklen…

Truchard: Das stimmt genau.

Elektroniknet: 90 Prozent der erzeugten Daten verpuffen in der Industrie heute quasi nutzlos, es wäre doch schön, wenn man mehr als 10 Prozent der Daten gewinnbringend nutzen könnte?

Truchard: Richtig, die deutschen Autohersteller sind da allerdings schon viel weiter und zwar schon seit einer Dekade.

Elektroniknet: Wir haben aber in Deutschland viele kleine und mittlere Unternehmen, die Angst haben, dass ihre erfolgskritschen Daten in der Cloud analysiert und gestohlen werden. Wie können die denn von Big Data profitieren?

Truchard: Meine Privatmeinung ist, jedesmal wenn sich mein iPhone mit der Cloud verbinden will, sage ich Nein! Die gute Nachricht ist, dass auf die meiste Technologie, die für die Datenanalyse notwendig ist, auch in einer lokalen Cloud zugegriffen werden kann. Die Kostenfrage stellt sich natürlich, da Cloud-Server von Amanzon & Co. signifikant billiger sind.

Elektroniknet: Kommen wir zur Technik. Welchen Einfluß wird der Kauf von Altera durch Intel auf Ihr Geschäft haben? Heute sind Sie dick mit Xilinx’s Zync im Geschäft, aber wenn Intel CPU und Logik auf einem Chip anbietet, werden Sie wohl kaum nein sagen können? Gibt es schon eine Migrationsstrategie?

Truchard: Unsere Zielplattform ist ja VHDL. Sicher gibt es unterschiedliche Pin-Belegungen u.s.w., aber es sollte nicht zu schwierig sein, zu migrieren. Wir waren ja ursprünglich mal auf Altera-FPGAs und sind dann zu Xilinx gewechselt. Die Integration wird natürlich viele Vorteile bieten, nehmen Sie nur die große Bandbreite zwischen CPU und Logik auf dem Chip. Speicherzugriffe mit Tera-Byte pro Sekunden wird Realität werden, das ist unglaublich. Allerdings wird Intel als erstes mit diesen Produkten High-Performance-Computing adressieren, da müssen wir mal schauen, was danach kommt.

Elektroniknet: Können Sie uns eine Idee geben, wieviele Mannjahre Migrationsaufwand Sie kalkulieren?

Truchard: Nein, wie gesagt, er wird relativ begrenzt sein, weil wir VHDL als Zielplattform haben.

Elektroniknet: Ich möchte nochmal auf das industrielle IOT zu sprechen kommen. In Deutschland heisst das Industrie 4.0. und in den USA gibt es das IIC. Welcher Ansatz ist besser?

Truchard: Sehen Sie, ich glaube, man muss bei der Digitalisierung das ganze Bild umfassend betrachten, deswegen mag ich den deutschen Ansatz sehr. Wir arbeiten mit jedem zusammen, der Standards vorantreibt. IIC ist mehr auf Rapid-Prototyping fokussiert und bringt die dort gewonnene Ergebnisse in Standardisierungsgremien ein. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile, wir arbeiten mit Beiden gut zusammen. Wir müssen Intel und andere Chiphersteller überzeugen, die Standards in ihre Chips einzubauen, das ist das entscheidende, damit wir überhaupt Nutzen aus den Standards ziehen können.

Elektroniknet: Bislang hat man sich bei der Standardisierung auf Busse und Protokolle konzentriert…

Truchard: Wir haben definitiv genug Busse und Protokolle, wir müssen eine Ebene darunter ansetzen, nämlich beim Timing – TSN (Time Sensitive Networks) sei hier nur ein Stichwort. Um z.B. ein Smart-Grid stabil zu halten, ist Timing das A und O. Videos könnten als Treiber für diese zeitsensitiven Netzwerke fungieren.